Schwetzingen

Schwetzinger Festspiele II Streichtrios mit viel Energie

Präzision und Gefühl

Archivartikel

Ein seltenes Erlebnis: enthusiastisch gefeierte neue Musik. Und das immerhin zwischen Werken von Beethoven und Mozart. Es war der zweite Satz des 1954 entstandenen Streichtrios von Sándor Veress, der die Zuhörer bei den Schwetzinger Festspielen nachdrücklich faszinierte. Kein Wunder. Beschwört er doch mit packender Aggressivität und perkussiven Spieltechniken eine unruhig bewegte Welt, auf die Daniel Sepec (Violine), Tabea Zimmermann (Viola) und Jean-Guihen Queyras (Violoncello) grandios reagierten.

Blitzschnell wechseln ihre instrumentalen Zugriffe, erzeugen sie, emotional zugespitzt, furiose rhythmische Verläufe, die über alle begrenzenden Taktstriche hinauszudrängen scheinen, als wollten sie sich für das öffnen, was der Notentext an konvulsivischer Kraft und fieberhafter Erregung verlangt.

Schon zuvor hatten die Musiker in Beethovens D-Dur-Serenade für Streichtrio op. 8 lustvoll Details erkundet, die energiegeladenen Auf- und Abschwünge nachvollzogen und die dynamischen Gegensätze konsequent und expressiv ins Spiel gebracht. Entstehen konnte so zwischen Klangfülle, profilierter Thematik und zarter melodischer Ausformung eine spannungsreiche Artikulation, die in den langsameren Teilen durch wunderbar verschattete Passagen geführt wurde.

Dunkel grundiert

Auch Mozarts spätes Es-Dur-Divertimento KV 563 erzählt von künstlerischen Balanceakten. Aber anders. Während Beethoven das Kommende im Blick hat, Neuland beschreiten will und mit Versatzstücken experimentiert, wirkt Mozarts vielleicht etwas lang geratener gedankenvoller Rückblick auf die Serenadenform bisweilen eher grübelnd. Aber dank Zimmermann, Queyras und Sepec gibt es viele berührende, fast existenziell imprägnierte Stimmungen, fahle Akkordbewegungen über dunkler Grundierung, aber auch Momente einer wunderbar durchgehörten Helligkeit. hub

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