Schwetzingen

Kleine Planken Mitglieder des ADFC machen kostenlosen Fahrrad-Check / Spezialisten begutachten rund 35 Fahrzeuge / Spenden an „World Bicycle Relief“ gesammelt

Profis prüfen Bremsen, Licht und Reifen

Archivartikel

„Die meisten Räder sind erstaunlich gut in Schuss. Wir müssen uns eigentlich nur um Kleinigkeiten kümmern“, sagt Johannes Sommerfeld und betätigt an einem alten Fahrrad die Klingel. Die funktioniert einwandfrei. „Kette geschmiert, Reifen aufgepumpt – bei uns kriegen Sie Ihr Fett weg“ – das ist auf dem Schild neben dem großen Werkzeugkoffer zu lesen.

Die Aktion der Stabsstelle Klimaschutz, Energie und Umwelt mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Rhein-Neckar in Zusammenhang mit dem Stadtradeln und der interkulturellen Woche kommt gut an. Nach und nach schauen die Radler an diesem Tag auf den Kleinen Planken auch beim kostenlosen Fahrrad-Check vorbei. Die Kontrolle von Bremsen, Lichtanlage, Klingel und Reifendruck wird in einem Protokoll festgehalten. Vieles könnten die Fahrradfahrer selbst prüfen, meint ADFC-Projektleiter Michael Fröhlich, der in Heidelberg auch in der Jugendarbeit aktiv ist. Sind die Reifen abgefahren? Funktionieren Bremsen, Schaltung und Licht? Vor allem stark belastete Teile wie Lenker, Vorbau und Sattelstütze werden auf Schäden untersucht.

Kette muss gewechselt werden

Bei dem etwa zwölf Jahre alten Drahtesel von Friedrich Abel müsste die Kette gewechselt werden, empfiehlt Michael Fröhlich nach einer Sichtkontrolle. Das „Veteranenrad“ von Dietmar Huckele hat schon 25 Jahre auf dem stabilen Rahmen. Johannes Sommerfeld zieht gerade ein paar Schrauben nach. „Mit Kriechspray aus dem Baumarkt kann man dem Rost zu Leibe rücken“, lautet seine Empfehlung. Der Reifenluftdruck sollte stimmen, sonst fährt es sich schwerer. Größere Risse sind verdächtig. Die Speichen sollten nicht locker sein. Das Rad sollte zentral laufen und die Felge nicht am Bremsklotz schleifen. Die Nabe darf kein Spiel haben; veraltete Dynamos sind immer ein Problem. Neben den vorgeschriebenen Reflektoren vorne und hinten sowie an den Pedalen und zwischen den Speichen gibt es auch Reflexstreifen auf den Reifen. Die Kette sollte stets gut geschmiert sein. Die Seilzüge zu den Bremsen und zur Schaltung sollten gut geölt werden.

„Wir haben heute recht gute Räder gesehen“, lobt Sommerfeld. „Das ist ein sehr schönes Rad, ich würde da Geld investieren, bevor ich ein neues kaufen würde“, sagt der Fachmann zu Gisela Binder, die gerne mit ihrem Rad durch die Stadt fährt. Neue Griffe könnten aber sein, am besten aus Kork oder aus Kunstleder. Die alten Gummigriffe lösen sich gerade auf. Und eine neue Beleuchtung lohne sich allemal, schwärmt Sommerfeld von dem „Koga Miyata“-Fahrrad „allerbester Qualität“. Eine Frau kommt mit einem nagelneuen E-Bike angeradelt. Da gibt es für die beiden ADFC-Schrauber wirklich nichts zu tun. „Handgelenk und Arm sollen eine Linie bilden“, empfiehlt Fröhlich die richtige Lenkereinstellung. Schalthebel oder Drehgriffe müssen sich leicht betätigen lassen.

Gut 35 Räder schauen die ADFC-Spezialisten an diesem Vormittag an. Ein freiwilliger Obolus für die Serviceleistung ist gerne gesehen. Auf dem Werkzeugwagen steht eine Spendenbox zu Gunsten von „World Bicycle Relief“ bereit. Das Fahrradprogramm für Krankenpfleger im ländlichen Afrika ist durch die aktuelle Corona-Krise noch stärker überlastet als zuvor. Mit instandgesetzten Fahrrädern sollen mobile Pflegekräfte mehr Menschen zu Hause betreuen und eine größere Fläche abdecken. Außerdem können sie besser darüber aufklären, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Der ADFC Rhein-Neckar unterstützt das Projekt seit Langem.

Profil eher für Waldboden geeignet

Johannes Sommerfeld drückt mir eine Checkliste in die Hand. Er inspiziert mein über 20 Jahre altes Mountainbike. Bremsen, Griffe und Züge sind soweit in Ordnung. Das Rücklicht sollte aber an einer anderen Stelle angebracht werden. Den Lenker richtet er gerade aus.

„Die Mountainbike-Geometrie und das Reifenprofil sind eher für den Waldboden geeignet“, erklärt mir Sommerfeld. Lange Touren über Asphalt seien mit diesem Rad wohl eher ermüdend. Ein Trekkingrad sei da besser. Das weiß ich schon, muss ich zugeben.

„Sie ziehen ja auch keine Wanderschuhe an, um damit Tanzen zu gehen“, ruft der Fachmann mir noch zu.

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