Schwetzingen

Fundstücke (Teil 12) Der SV 98 Schwetzingen spielte 1984 zum ersten und einzigen Mal im DFB-Pokal / 1:2 gegen Aachen

Rainer Elias hat das Tor noch vor Augen

Archivartikel

Wieder einmal fiel uns ein Fundstück in die Hände, das den einstigen Stellenwert des SV 98 Schwetzingen in der Region unter Beweis stellt. Der letzte Auftritt auf bundesweiter Ebene liegt für den inzwischen in die Niederungen der Landesliga abgestürzten Club eine ganze Weile zurück. Der Gewinn des badischen Verbandspokals im Jahr 1984 berechtigte die Schwetzinger zur ersten und bis heute letzten Teilnahme am DFB-Pokal.

Davor stand jedoch ein hartes Stück Arbeit, denn die Spargelstädter hatten im Halbfinale den Oberligisten SV Sandhausen mit 2:1 niedergerungen. Vergleichsweise souverän wurde die Endspielhürde SC Viktoria Wertheim genommen. Der SV 98 hatte nach Toren von Peter Kumpf (10.) und Tolga Tanyeri per Kopf (30.) mit 2:0 gewonnen. Der Gegner in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals hieß dann Alemannia Aachen, der in der vorhergehenden Zweitliga-Saison den neunten Tabellenrang belegt hatte.

Nachdem sich tags zuvor der Hamburger SV beim SC Geislingen mit 0:2 blamiert hatte, war auch an der Ketscher Landstraße die Hoffnung auf eine Überraschung gegeben. „Dieses Spiel war schon ein Highlight für uns. Aachen hatte mit Günter Delzepich einen Spieler in den Reihen, der zwei Meter groß und durchtrainiert war und kräftige Oberschenkel hatte. Er hat viele Tore erzielt“, erinnert sich Rainer Elias, der damals selbst auf dem Rasen stand. So viel aber vorweg: Delzepich ging in dieser Partie leer aus und wurde bereits zur Halbzeit ausgewechselt.

Mit Valentin Herr im Tor und Eugen Hach standen zwei Spieler im Alemannia-Kader, die auch in der Region beim SV Waldhof Mannheim ihre Spuren hinterließen. Der Außenseiter aus Schwetzingen startete selbstbewusst und hätte der Partie bis zur Halbzeit seinen Stempel aufdrücken können. Bernhard Olck hatte den Profiklub zwar in der 13. Minute mit einem Freistoß in Führung gebracht, bis zum Pausenpfiff dominierte allerdings der SV 98 Schwetzingen. Der „kicker“ schrieb seinerzeit: „Bis dahin lag eine Sensation in der Luft, denn die Gastgeber besaßen eindeutig die besseren Chancen, nicht aber die besseren Nerven, um diese auch zu verwandeln.“

Riesenchancen zum Ausgleich

Auch Rainer Elias trauert noch heute den vergebenen Torgelegenheiten nach: „Bernd Nötzel und Udo Körner hatten nach dem Rückstand Riesenchancen zum Ausgleich.“ Erst eine lautstarke und deftige Kabinenpredigt von Aachens Trainer Werner Fuchs, der durchaus Bedenken hatte, dass seine Mannschaft bei einem Schwetzinger Gegentor die Partie würde für sich entscheiden können, sorgte für einen Weckruf bei den Alemannen. Im zweiten Durchgang schwanden bei den defensivstarken und aufopferungsvoll kämpfenden Schwetzingern die Kräfte.

Dietmar Poqué sorgte mit einem abgefälschten Hinterhaltschuss für die Vorentscheidung (73.). „Das war eine vermeidbare Situation“, hadert Elias noch heute. Der Anschlusstreffer von ihm selbst zum 1:2 in der 88. Minute kam dann allerdings zu spät. Den Treffer hat er jedenfalls noch immer vor Augen: „Ich bekomme im Strafraum den Ball, spiele einen Gegenspieler aus und schlenze den Ball ins lange Eck.“

Damals ahnte noch keiner unter den 1500 anwesenden Zuschauern, dass es für den SV 98 Schwetzingen für lange Zeit der letzte Auftritt in einem bundesweiten Pflichtspiel sein sollte.

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