Schwetzingen

Rate mal wer hier spricht – da schnappt die Falle schon zu

Archivartikel

Der so genannte Enkeltrick ist eine besonders hinterhältige Form des Betrugs, der für Opfer oft existenzielle Folgen haben kann. Sie können dadurch hohe Geldbeträge verlieren oder sogar um ihre Lebensersparnisse gebracht werden.

Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei meist älteren und allein lebenden Personen an, geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt.

Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, zur Bank zu gehen und dort den Betrag abzuheben. Nicht selten ruft der Täter sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht mehr zu Fuß bewältigen kann.

Die Variante der Schockanrufe wenden Betrüger vor allem bei älteren Menschen aus den ehemaligen Sowjetstaaten an. Sie melden sich, sehr häufig in russischer Sprache, per Telefon bei ihren Opfern und behaupten, dass ein Enkel oder ein anderer naher Verwandter in einen Verkehrsunfall oder in ein Strafverfahren verwickelt sei und sich deshalb in polizeilichem Gewahrsam befinde. Die Betrüger erklären, dass gegen eine Zahlung von der Strafverfolgung abgesehen wird. Das Geld werde eine Person im Auftrag des Gerichts oder einer Behörde in ziviler Kleidung kurzfristig abholen.

Hinter den Enkeltricktaten stecken überwiegend aus Polen und Italien stammende Angehörige reisender Familien der Ethnie Roma und Sinti. Die Hintermänner, welche die Taten steuern, sitzen in der Regel in Polen und tätigen von dort aus die Anrufe bei den Opfern. Die Opfer werden aus öffentlich zugänglichen Quellen anhand alt klingender Vornamen ausgewählt.

Die Täter kaufen teils sogar Datensätze alter Menschen an. Diese dürften aus Beständen stammen, die die Opfer bei Preisausschreiben oder Auslandsaufenthalten in der Türkei, selbst preisgegeben haben. Diese Datenbanken werden von den Tätern mit jedem Opferkontakt aktualisiert und um weitere Informationen ergänzt. So verfügen die Täter regelmäßig über Kontoverbindungen und persönlichen Informationen zu ihren Opfern.

Die Täter nutzen oft die Einsamkeit und Hilfsbereitschaft der älteren Menschen aus. Zudem spielt die bei älteren Menschen noch ausgeprägte Obrigkeitshörigkeit sowie das aggressive Auftreten der Täter am Telefon eine ausschlaggebende Rolle.

Im Jahr 2017 waren die Fallzahlen im Bereich des Enkeltricks im Bereich des Polizeipräsidiums Mannheim nach eigenen Angaben in etwa konstant geblieben. zg

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