Schwetzingen

Vortrag Feste, Fröste und Reliquien – neuere Forschungsbefunde zum St. Urbantag

Renaissance der Tradition

Während die klassischen, traditionellen Feste der Rebleute und Weingewerbetreibenden zum St. Urbantag hierzulande eher zurückgegangen sind, erleben sie etwa in Ungarn derzeit gerade eine nachhaltige Renaissance. Damit beschäftigt sich ein Vortrag, der am Freitag, 12. Oktober, 19 bis 20.30 Uhr, in der Volkshochschule angeboten wird.

Der Vortrag will vor allem diesem im deutschsprachigen Publikationskreis kaum bekannten Phänomen nachgehen, zumal es insbesondere auch in Gemeinden beobachtet wird, in denen Nachfahren von bäuerlichen Einwanderern aus Südwestdeutschland wohnten und wohnen. Auf einer allgemeineren Ebene lassen sich anhand genau dieses Themas auch Fragen des Interdependenzverhältnisses zwischen landwirtschaftlichen jahreszeitlichen Arbeitsphasen und christlicher Heiligenverehrung ansprechen und problematisieren.

Interessant erscheint zudem, dass auch in einigen Weinbaugemeinden, die protestantisch geprägt sind, die Urban-Figur nach wie vor eine repräsentative Rolle spielt(e) (zum Beispiel bis heute in Deidesheim). Das Institut für Volkskunde der Deutschen des östlichen Europa (IVDE) forscht seit Jahrzehnten zur Thematik populare religiöse Kultur, Konflikte und Selbstvergewisserung in multiethnischen und multikonfessionellen Einwanderungsgebieten.

Das Fest Sancti Urbani, das am 25. Mai gefeiert wird, steht im Mittelpunkt des Vortrags. Der Referent erläutert dessen Ursprung, die Brauchphänomenologie und zeigt dessen historisch-geografische Verbreitung und die gegenwärtige Situation auf. Daraus ergeben sich interessante Erkenntnisse, denn religiöse Systeme lieferten und liefern bedeutende, sogar zentrale Elemente jener Kommunikationsweise, mit der Menschen in Migrationssituationen versuchen, ihren Alltag aufrechtzuerhalten, Nöten zu begegnen, Kontroversen auszutragen, Selbstvergewisserung und Selbstbehauptung zu artikulieren.

Referent: Studierter Volkskundler

Professor Dr. Michael Prosser-Schell hat Volkskunde, Mittlere und Neuere Geschichte sowie Sprachwissenschaft an den Universitäten Freiburg i. Br. und Würzburg studiert und mit der Promotion abgeschlossen. Anschließend war er Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Volkskunde der Universität Regensburg.

Aufenthalte in Ungarn

Nach einem beruflichen Wechsel an das Institut für Germanistik der Universität Würzburg schloss er die Habilitation ab und erhielt die Lehrbefugnis für das Fach Volkskunde. Seit 2004 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IVDE und seit 2008 Außerplanmäßiger Professor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Mehrere Lehr- und Forschungsaufenthalte absolvierte er auch in Ungarn (Universität Szeged, Eötvös-Loránd-Universität Budapest). Geografische Arbeitsschwerpunkte liegen im Mittleren Donauraum und im südwestdeutschen Sprachgebiet, thematische Arbeitsschwerpunkte auf der Fest-und Ritualforschung, der kulturanthropologischen Narrativistik sowie auf dem Forschungsbereich des „Bauens und Wohnens“. vhs

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