Schwetzingen

Kunst im öffentlichen Raum Schwer beschädigte Skulptur wieder zurück auf ihrem Platz vor Sankt Pankratius / Erik Junker hat das Kunstwerk ehrenamtlich repariert

Rennradfahrer nach gelungener OP wieder fit

Archivartikel

Frisch herausgeputzt steht er da, in einem Hinterhof im Kleinen Feld. Der Teint glänzt, die Flecken auf der Hose und dem Hemd sind weg. Zwar braucht er noch eine Krücke, um nicht umzufallen, aber die gebrochene Hand und der lädierte Fuß sind dank einiger Operationen wieder hergestellt. Somit konnte der „Rennradfahrer“ schneller als erwartet an seinen angestammten Platz vor der katholischen Kirche zurückkehren – nämlich schon gestern Vormittag.

Wer es noch nicht herausgefunden hat: Die Rede ist von der Holzskulptur des Kölner Künstlers Peter Nettesheim, die in der Nacht zum 22. Juli von bislang noch unbekannten Tätern umgeworfen und dadurch stark beschädigt wurde (wir berichteten).

Unsere aktuelle Berichterstattung hatte vor allem im sozialen Netzwerk Facebook eine Welle von Reaktionen ausgelöst. Die meisten Kommentatoren ärgerten sich in erster Linie über die Dummheit der Randalierer. Zwar gab es auch einige, denen die Figur nicht gefallen oder sie erschreckt hatte. Aber die überwiegende Zahl der Facebook-Freunde fand den Radfahrer richtig gut und wünschten sich ihn zurück – gehöre er doch mittlerweile fest zum Stadtbild, lauteten einige Nutzereinträge.

Einer derjenigen, die den Radler mögen, ist der Schwetzinger Erik Junker. „Ich hab mir gesagt, der muss da wieder hin.“ Und da Junker nicht nur ein leidenschaftlicher Radfahrer und somit Kollege ist, sondern auch Schreinermeister, ließ er seinen Worten Taten folgen.

Schraube im Fuß

Er meldete sich bei Bürgermeister Matthias Steffan und bot seine Hilfe an. Wenig später tauchte er im Bauhof auf, wo die beschädigte Skulptur zwischengelagert war, und nahm sie mit. Gar nicht so einfach, denn sie ist aus massiver Eiche. „Das Ding ist sauschwer, bestimmt 80 Kilo“, schätzt Erik Junker. Nachbar Max Doll half ihm beim Transport in die Pigagestraße, wo die Garage zum Krankenzimmer und OP-Raum umfunktioniert wurde.

Zuerst stellte „Doc“ Junker die Diagnose und ihm war schnell klar, dass es bei den abgebrochenen Teilen nicht einfach mit Leimen ging. In den Fuß montierte er eine dicke Schraube, um für mehr Stabilität zu sorgen. „Das hält jetzt“, versichert der Schreiner, der zufälligerweise wegen eines Jobwechsels noch Resturlaub hatte und seine Freizeit in die Reparatur des „Radfahrers“ steckte.

Auch die abgebrochene Hand ist wieder dran, hier reichte Holzleim, Farbe und viel handwerkliches Geschick. „Die hat ja nicht viel zu halten“, erklärt Erik Junker und zeigt auf die Finger am Lenker. Das lädierte Rennrad hat er auch noch repariert und schließlich Gesicht und Körper des „Radfahrers“ mit den vom Künstler verwendeten Farben wieder aufgehübscht. „Da waren doch einige Macken dran“ verweist er auf die Folgen des Sturzes, aber auch der Abnutzungserscheinungen. Jetzt musste Junker nur noch einige Löcher auf der Bodenplatte neu bohren, dann konnte der Rennradfahrer wieder vor die St.-Pankratius-Kirche zurückkehren.

„Wir haben ihn auf zwei Rollbretter gestellt und zurückgerollt“, sagt Erik Junker, während er zusammen mit Max Doll die riesigen Nägel im Boden versenkt. „Das habe ich einfach gern gemacht“, sagt der Schwetzinger lachend und klopft seinem Radfahrerkumpel stolz auf die Schultern: auf dass er sich weiter guter Gesundheit erfreuen möge!

Info: Weitere Bilder und ein Videointerview mit dem Radfahrer (mit Augenzwinkern) gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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