Schwetzingen

Corona-Verordnung Für Kinder unter drei Jahren gibt es nur 30 Plätze – für über Dreijährige 130

Roland Strieker: Nicht wenige Eltern werden enttäuscht sein

Dass es keine ganz einfache Lösung geben wird, war klar. Das Öffnen der Kindertagesstätten wird zu einem sehr komplizierten Prozess, der kaum für alle zugleich zufriedenstellend gelöst werden kann.

„Es wird für nicht wenige Eltern zu Enttäuschungen kommen“, da macht sich Roland Strieker, Leiter des Amtes für Familien, Senioren, Kultur und Sport, keinerlei Illusionen. Über die Notbetreuung hinaus könne das Angebot nur in sehr bescheidenem Umfang ausgeweitet werden. Und das, im Gegensatz zu politischen Verlautbarungen der zurückliegenden Tage, übrigens keinesfalls schon ab kommenden Montag. „Wir brauchen eine Woche Vorlauf und starten mit der erweiterten Betreuung erst am 25. Mai.“ Aber auch dann werde die Zahl der Kinder, die zusätzlich betreut werden können, nicht wirklich groß sein. Dabei betonte Strieker, dass ihm bewusst sei, dass die Geduld vieler Eltern bereits erheblich strapaziert wurde und dass das vorerst auch so bleibe. Denn leider ließen die aktuellen Corona-Bestimmungen hier keinen Spielraum. „Mir bleibt da nur die Hoffnung auf Verständnis.“

Schulanfänger als Schwerpunkt

So dürfe, laut dem Kultusministerium die Zahl der Kinder, die gleichzeitig betreut werden, maximal 50 Prozent der genehmigten Gruppengröße erreichen. Vorrang haben weiterhin die Mädchen und Jungen der erweiterten Notbetreuung und Kinder, die einen besonderen Förderbedarf haben. Ein Schwerpunkt werden auch die Kindergartenkinder sein, die im Herbst an die Schule gehen. Begrenzende Faktoren sind darüber hinaus die personellen und räumlichen Gegebenheiten der einzelnen Einrichtungen. Von der Quadratur des Kreises zu sprechen ist für Strieker etwas zu hoch gegriffen. Aber es komme dem sehr nahe.

Kapazitäten teils ausgeschöpft

Wie schwierig es werden wird, verdeutlichen die Zahlen. Beim Edith-Stein-Kindergarten mit Platz für 130 Kinder sind derzeit 35 Kinder in der Notbetreuung. Drei weitere Kinder seien für den Juni angemeldet, sodass für den eingeschränkten Regelbetrieb lediglich 26 Plätze frei seien. Beim Zwergenschlösschen sind zehn Kinder in der Notbetreuung, womit der Schlüssel von 50 Prozent erreicht ist, und im Spatzennest mit seinen insgesamt 115 Plätzen reichen laut der Leiterin Elke Heuser die Kapazitäten im Ü-3-Bereich für zehn bis 15 Kinder und im U-3-Bereich für noch mal zehn bis zwölf Kinder. Insgesamt stehen in Schwetzingen im Bereich der unter Dreijährigen (U 3) ab Montag, 25. Mai, wohl rund 30 Plätze zur Verteilung an und im Bereich der über Dreijährigen (Ü 3) zirka 130 Plätze. Wobei es von Einrichtung zu Einrichtung große Unterschiede gebe und die Plätze teilweise schon knapp seien.

Natürlich werde über eine Art Schichtbetrieb nachgedacht, bei dem Kinder in festen Gruppen an einzelnen Wochentagen in die Kita kommen können. Organisatorisch sei das, so Strieker, höflich formuliert eine „beinah unlösbare Aufgabe“. Nicht glücklich sind die Kindertagesstätten darüber, dass die Entscheidung, welches Kind betreut wird, ihnen obliegt. Auch für Strieker keine ideale Lösung. Andererseits wüssten sie wohl mit am besten, was geht und was nicht.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Born spricht gemeinsam mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD-Fraktion im Schwetzinger Stadtrat, Simon Abraham, gar von einem unschönen Schwarzer-Peter-Spiel, das das Kultusministerium mit Susanne Eisenmann an der Spitze losgetreten habe. Die beiden sind davon überzeugt, dass die Kita-Öffnung an die Wand gefahren werde. Dass die Verordnung des Landes erst an diesem Samstag, zwei Tage vor der anvisierten Öffnung in Kraft treten soll, spreche da Bände. Immerhin hätte das Kultusministerium am Tag der Schließung wissen können, dass auch eine Öffnung wieder anstehe.

Widersprüchliche Ziele

Auch Strieker ließ keinen Zweifel daran, dass Prozesse schon besser gelaufen seien. Zugleich gebe es für ein Ausnahmeereignis wie das Coronavirus einfach kein Drehbuch. Ziele, wie die Infektionszahl niedrig zu halten und zugleich die Betreuung auszuweiten, würden im Widerspruch zueinanderstehen. Und so bleibt ihm genau wie allen Kita-Leiterinnen am Ende nur die Hoffnung auf Verständnis. „Wir tun, was wir können.“ Dabei weiß er, dass es nicht genug sein wird – zumindest nicht für alle.

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