Schwetzingen

Rotes Signal: Ein großer Wirtschaftszweig Deutschlands steht vor dem totalen Kollaps

Archivartikel

„Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht!“, sagt der Initiator der Aktion „Night of Light“ und Vorstand der LK-AG Essen, Tom Koperek. Für ihn steht die gesamte Veranstaltungswirtschaft auf der Roten Liste der aussterbenden Branchen: „Die aktuellen Auflagen und Restriktionen machen die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen quasi unmöglich.“ Das ist auch ein Grund, warum die Farbe Rot für das Anstrahlen der Gebäude verwendet wird. Das flammende Rot symbolisiert außerdem die Leidenschaft, mit der in der Branche jeder seinen Beruf ausübt („Wir brennen für das, was wir tun“).

Das treffe nicht nur die Veranstalter, sondern auch Spielstätten sowie Zulieferer und Dienstleister jeder Art und Größe: Technikfirmen, Bühnen- und Messebauer, Ausstatter, Caterer, Logistiker über Künstler bis hin zum Einzelunternehmer, der Content, Drehbuch, Regie oder florale Dekoration zu Events beisteuert. „Rien ne va plus – nichts geht mehr!“, lautet Kopereks düsteres Fazit über die Notlage einer heterogenen Branche, die über 150 verschiedene Gewerke und Spezialdisziplinen in sich vereint und deshalb über keine einheitliche Lobby verfügt. Umso wichtiger sei es, für eine stärkere Wahrnehmung durch die Politik und Öffentlichkeit zu sorgen, heißt es in einer Pressemitteilung. Dies ist ebenfalls das Ziel der „Initiative für die Veranstaltungswirtschaft“, welche schon am 6. März durch die Initiatorin Sandra Beckmann ins Leben gerufen wurde. Für die „Night of Light“ besteht daher eine Kooperation zur Durchführung dieser deutschlandweiten Aktion.

Die Veranstaltungswirtschaft ist der Wirtschaftszweig, der von der Covid-19-Krise mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen her betroffen sein wird, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Faktisch alle Unternehmen, die diesem Bereich angegliedert sind, haben durch die erfolgten Veranstaltungsverbote seit dem 10. März innerhalb weniger Werktage ihre gesamten Auftragsbestände verloren. Seit Mitte März macht die Veranstaltungswirtschaft keinen Umsatz mehr. Anders als im produzierenden Gewerbe können weggefallene Umsätze nicht mehr nachgeholt werden. Rechnet man die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren veranstaltungsbezogenen Teil- und Zuliefermärkten hinzu, so beschäftigen mehr als 3000 Unternehmen in über 150 Disziplinen mehr als drei Millionen Menschen und erzielen einen Jahresumsatz von über 200 Milliarden Euro.

Den Initiatoren und Teilnehmer der „Night of Light“ ist es wichtig, die Öffentlichkeit auf die besonders hart getroffene Branche der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen und zu verdeutlichen, dass die derzeitigen Hilfeleistungen in Form von Kreditprogrammen nicht ausreichen. Die Kredite werden zur Deckung von Betriebskosten aufgewendet. Die Unternehmen müssen neue Kredite aufnehmen und stürzen sich zu in eine Überschuldung. zg/kaba

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