Schwetzingen

Halloween Wenn sich ein Brauch ins Gegenteil verkehrt / Polizei spricht dennoch von relativ ruhiger Nacht

Sachbeschädigung ist nicht lustig

Region.„Relativ ruhig“ blieb es nach Angaben eines Polizeisprechers in der Halloween-Nacht zum 1. November im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung. Zu zwei Sachbeschädigungen wurde die Polizei nach eigenen Angaben in Schwetzingen gerufen. Zum einem haben fünf Jugendliche eine Fahrplanhalterung am Bahnhof beschädigt, zum anderen ging eine gläserne Infotafel der Stadt an der Südtangente zu Bruch.

Wegen Ruhestörung musste die Polizei nach Plankstadt in die Jahnstraße ausrücken. Dort haben die Beamten 15 Jugendliche angetroffen, die aber nach einem kurzen Gespräch ihren Müll weggeräumt haben und weitergezogen sind.

In Oftersheim und in Brühl wurde je ein Haus mit Eiern beworfen und in Hockenheim rückten die Beamten aus, weil eine Halloween-Party die Ruhe der Nachbarn störte. Im gesamten Rhein-Neckar-Kreis, so die Polizei, habe man in der Halloween-Nacht etwa 50 zusätzliche Einsätze verzeichnet.

Bleibt die Frage, was alles passiert ist, aber gar nicht im Polizeibericht auftaucht, weil die Hausbesitzer den Schaden mühsam selbst beseitigt haben. So auch unser Leser Dieter Goldschalt aus Schwetzingen, der eine Vielzahl von Eiern an seiner Fassade fand. Er schreibt seine Gedanken: „Halloween wurde kommerzialisiert wie viele alte Bräuche. Sie sind weit entfernt von dem, was sie waren. Es werden Sachbeschädigungen vorgenommen, die jedes Maß überschreiten“, kritisiert er: „Die Grenzen zwischen Scherz und Sachbeschädigung werden nicht mehr wahrgenommen.“

Ursache in der Sprache?

Als „Ursache dieser Verrohung“ sieht Goldschalt die Sprache, die von bestimmten Gruppen der Gesellschaft verwandt werde. Der Respekt vor dem anderen sei verschwunden. Es werde kein Unterschied mehr gemacht zwischen Verletzung mit Worten und körperlicher Verletzung oder Sachbeschädigung. Mit einem Halloween-Fest würden diese Grenzen noch einmal ausgeweitet – vom Dauerklingeln, wenn die Tür nicht geöffnet wird, bis zu Sachbeschädigungen reichten die Belästigungen.

Halloween gründe auf einem alten keltischen Brauch. Die Kelten hatten Angst vor den Toten, die in dieser Nacht in ihre Häuser zurückkehrten. Sie wollten sie friedlich stimmen, indem sie ein üppiges Mahl auftischten und wissen ließ, dass man ihrer gedenke. Damit hoffte man, sie im Totenreich zu halten.

Die katholische Kirche konnte diesen keltischen, damit unchristlichen Brauch, nicht gänzlich beseitigen, also arrangierte sie sich mit dem keltischen Brauchtum. Es entstand die Legende von einem Schmied, der den Teufel dreimal austrickste und so zu langem Leben kam. Nach dem Tod konnte er nicht in den Himmel, da der Schmied einen Pakt mit dem Teufel eingegangen war. In die Hölle konnte er auch nicht, da der Teufel sehr nachtragend war, dass er ihn dreimal übertölpelt hatte. So musste die Seele des armen Schmiedes in ewiger Dunkelheit verweilen. Der Teufel gönnte ihm nur eine glühende Kohle. Da der Schmied sie nicht halten konnte, steckte er die glühende Kohle in eine ausgehöhlte Rübe.

„Wir brauchen keine Angst vor Toten zu haben. Wir müssen nur dem gesunden Menschenverstand vertrauen“, so Goldschalts Meinung: „Wir brauchen keine Angst vor den Ideologien der Wiedergänger aus dem zwölf Jahre dauernden ,1000-jährigen Reich’ zu haben. Diese Gedanken gehören in die tiefe Gruft der Geschichte, unwiederbringlich.“

Trotzdem versuchten einige Unbelehrbare, sich dieses Gedankengutes wieder zu bedienen und verführten Jugendliche zu Handlungen die einer aufgeklärten Gesellschaft nicht würdig seien. Den Verführern fehle es an Zivilcourage, an Weitblick und besonders an Werten der Aufklärung, glaubt er. „Dies sollte uns zu denken geben“, so Goldschalt. az

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