Schwetzingen

Nabu-Stiftung Besucherlenkung im Hirschackerwald zeigt Erfolge / Fundorte bedrohter Pflanze

Sandsilberscharte entdeckt

Archivartikel

„Die Sandstrohblume hat sich dieses Jahr prächtig entwickelt“, sagt Ines Noll von der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe und freut sich über die positive Entwicklung vieler seltener Sandrasenpflanzen im Naturschutzgebiet Hirschacker und Dossenwald.

Nicht nur die Sandstrohblume, sondern auch die wohlriechende Skabiose und der ährige Ehrenpreis besiedeln jetzt viel größere Flächen und breiten sich auch auf ehemals kahl getrampelten Pfaden wieder aus. Eine Besonderheit ist die Entdeckung der vom Aussterben bedrohten Sandsilberscharte, welche nun wieder an zwei Fundorten im Naturschutzgebiet bei Schwetzingen zu finden ist.

Möglich gemacht wurde dieser Erfolg durch die Errichtung von kurzen Zaunabschnitten als Besucherlenkung an besonders empfindlichen Stellen. Diese Zäune bedeuten keine zusätzliche Einschränkung für die Besucher. Sie verdeutlichen nur die Trennung zwischen den Wegen und den nicht zur Betretung freigegebenen Schutzgebietsflächen. Das Wegegebot gilt schon seit der Ausweisung des Naturschutzgebietes im Jahr 1993.

Auch Insekten profitieren

Neben den empfindlichen Pflanzen und den einzigartigen Flechtenvorkommen im Hirschacker profitiert auch die Insektenwelt von der besseren Besucherlenkung. Denn die Sandgebiete sind Heimat einer Vielzahl von seltenen Wildbienen und Grabwespen, die ihre Nester im lockeren Sandboden anlegen. Auch diese Insekten können sich nun ohne Trittbelastung ungestört entwickeln.

Die Schließung von Trampelpfaden und überzähligen, parallel verlaufenden Wegen macht das Naturschutzgebiet wieder zu dem, wofür es geschaffen wurde: Ruheraum und Rückzugsort seltener Tier- und Pflanzenarten. Davon profitieren ebenfalls die typischen Bodenbrüter der Sandgebiete wie Heidelerche und Ziegenmelker. „Eine weitere Beruhigung der Freiflächen wäre auch für den Wiedehopf sinnvoll, dessen typische „up-up-up“-Rufe früher im Naturschutzgebiet Hirschacker häufiger zu hören waren“, erklärt Ines Noll.

Nachdem sich die Besucherlenkung in diesem Jahr gut bewährt hat, wird Mitte November vom zuständigen Regierungspräsidium Karlsruhe die Erweiterung der Zaunabschnit-te im westlichen Teil des Schutzgebietes vorangetrieben. Dort befindet sich ein Dünenzug, der aufgrund seiner Entstehungsgeschichte und seiner geomorphologischen Beson-derheit mehr Schutz vor Beeinträchtigung braucht.

Wertvoller Lebensraum

Der Hirschackerwald ist eine ganz besondere Landschaft aus lichten Hutewäldern, Heide- und Sandflächen. Diese wertvollen Lebensräume sind auch durch die zwischenzeitliche militärische Nutzung bis heute in Teilen erhalten geblieben und bieten nahe Schwetzingen einen Rückzugsraum für zahlreiche bedrohte Arten.

128 Hektar des Hirschackers sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Seit 2016 sind rund 96 Hektar auf dem ehemaligen Panzerübungsplatz in Obhut der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe. Bundesweit bewahrt die gemeinnützige Stiftung in über 300 Schutzgebieten wertvolle Naturschutzflächen für wild lebende Tiere und Pflanzen. zg

Info: Weitere Informationen zur Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe gibt es unter www.naturerbe.de

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