Schwetzingen

Jubiläum Hildegard Heller ist seit 70 Jahren beim Sängerbund / Die 92-Jährige lernte dort auch ihren Mann kennen

Sangeslustiges Mädchen mit Altstimme

Das gab es beim Sängerbund noch nie. Hildegard Heller, lange Jahre Sängerin im Alt und auch als Stimmführerin und Notenwartin aktiv, darf auf eine 70-jährige Vereinszugehörigkeit zurückblicken. Gestern Vormittag gratulierte Sängerbund-Vorsitzende Sabine Rebmann ihr zum 92. Geburtstag, abends wurde das Ehrenmitglied im Gasthaus „Blaues Loch“ noch vom Verein besonders gewürdigt.

Die gebürtige Odenwälderin kann sich noch gut erinnern, wie es zum Beitritt beim Sängerbund kam, erzählte sie unserer Zeitung. „Um dem erst frisch ins Leben gerufenen Frauenchor die ausgleichende Stärke dem Männerchor gegenüber geben zu können, bitten wir sämtliche sangesfrohe und sangeslustige Frauen und Mädchen, die gewillt sind, durch das Lied ein Werk aufbauen zu helfen, das sich auch für unsere Heimatstadt bedeutungsvoll auswirken soll, zu uns zu kommen, um durch ihren Beitritt ein Mitglied unserer großen Sängerfamilie zu werden“, hatte es in einem Schreiben des Vorstands vom August 1947 geheißen.

Immer wieder freitags

Die junge Hildegard Haag war damals Haushaltshilfe bei der Familie Ziegler und deren Metzgerei in der Dreikönigstraße, gleich neben der Gaststätte „Römischer Kaiser“. Dort fanden immer freitags ab 20.30 Uhr „unter der Direktion unseres bewährten Chorleiters Hermann Nikolaus“, so die Einladung weiter, die Gesangsproben statt. Geübt wurde für das große Konzert im Frühjahr. Bei der ersten Singstunde nach den Ferien am Freitag, 5. September 1947, war die junge Hildegard mit dabei. Für 50 Pfennig Aufnahmegebühr wurde sie aktives Mitglied der Sängerfamilie. Die 21-Jährige hatte damals nach der Schule ihr sogenanntes Pflichtjahr in Aglasterhausen absolviert und war danach in die Spargelstadt gezogen. Als Dienstmädchen habe sie 36 Mark im Monat verdient, denkt sie zurück.

„Wir haben in dieser Zeit viele Volkslieder gesungen.“ In den vergilbten Notenbüchlein, die sie noch hat, stehen Lieder wie „Rüdesheimer Wein“, „Es scheinen die Sternlein so hell“ und „Pfälzer Musikanten“.

Auf einem Foto von 1954, das den gesamten Sängerbund vor dem Apollo-Tempel im Schlossgarten zeigt, ist auch ihr Ehemann Karl Heller zu sehen. Ein gemeinsamer Abend beim Sängerbund hatte das junge Paar zusammengeführt. Am 20. September 1951 heirateten Hildegard und der Schwetzinger, der bis zu seinem Tod vor fünf Jahren mit ihr in seinem Geburtshaus in der Bismarckstraße lebte.

Sie verteilte das Vereinsheft

Seit 1997 ist die Jubilarin Ehrenmitglied beim Sängerbund, bis 2010 hat sie aktiv mitgesungen. Bis ins hohe Alter hat Hildegard Heller noch mit dem Fahrrad das Vereinsheft an die Mitglieder verteilt.

Gestern brachte ihr Sabine Rebmann ein druckfrisches Exemplar mit. Der Gesang sei immer ihre Leidenschaft geblieben, bekannte die geistig rege Seniorin, die auch heute noch gerne ein Lied singt – „daheim und in der Kirche“. vw

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