Schwetzingen

Corona Geschäftsführer der ze:ro-Praxen schreibt Regierung

Schutz mit nachhaltiger Strategie fehlt

Die in Schwetzingen ansässigen ze:ro-Praxen betreiben acht Dialysezentren in der Metropolregion Rhein-Neckar. Der Großteil der Patienten ist über 70 Jahre alt und zählt mit der chronischen Nieren-Erkrankung zu den Corona-Hochrisikogruppen. Geschäftsführer und Nephrologe Professor Dr. Peter Rohmeiß hat noch vor Weihnachten in einem offenen Brief an politische Entscheidungsträger appelliert, eine umfangreiche und nachhaltige Strategie für den Schutz der am meisten gefährdeten Gruppen vorzulegen anstatt Regelungen wie im Gießkannenprinzip zu verteilen.

Die ze:ro-Praxen haben inzwischen proaktiv ihre Maßnahmen für die Sicherheit ihrer Risikopatienten deutlich erhöht, heißt es in einer Pressemitteilung. Rohmeiß: „Viele unserer Dialysezentren sind direkt an große Krankenhäuser in der Region angebunden. Im Gegensatz zur ersten Welle erleben wir gerade eine steigende Zahl an Patienten, die an Covid-19 erkranken. Um Infektionsherde schon frühzeitig aufzudecken, sind wir inzwischen dazu übergegangen, Patienten, die aus betreuten Einrichtungen wie Rehazentren und Seniorenheimen zu uns kommen, präventiv vor jeder Dialyse, also mehrmals pro Woche, zu testen. Das bedeutet für unsere Mitarbeiter zwar einen erheblichen Mehraufwand, wir nehmen unsere Verantwortung als ambulanter Gesundheitsanbieter aber sehr ernst. Dazu gehört auch, dass sich all unsere Mitarbeiter im Verbund regelmäßigen Testungen unterziehen.“

Lockdown allein nicht hilfreich

Weiter heißt es in dem Brief: „Es ist zu begrüßen, dass Bund und Länder verpflichtende Coronatests für das Personal in Seniorenheimen beschlossen haben. Viele Einrichtungen sind proaktiv längst dazu übergegangen. Aber das allein reicht nicht, es braucht ja auch qualifiziertes Personal, das solche Testungen durchführt. Mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz, das seit Januar 2019 gilt, hat die Bundesregierung den Fachkräftemangel in Senioreneinrichtungen zusätzlich verschärft. Dadurch, dass Krankenhäuser nun einen gewissen Personalschlüssel erfüllen müssen, ist ein Preiskampf um Fachkräfte ausgebrochen. Pflegeeinrichtungen können hier nicht mehr mithalten. Qualifiziertes Personal wandert in Krankenhäuser ab, was dazu geführt hat, dass die Qualität der Pflegeversorgung in Deutschland gesunken ist. Für diese Situation wirkt Corona nun wie ein Brennglas“, kritisiert Rohmeiß.

Er ergänzt: „Ich appelliere an die Politik, endlich alle Kraftanstrengungen auf den Schutz der vulnerablen Gruppen zu legen. Das heißt, eine nachhaltige Strategie mit einer deutlichen Erhöhung der Testungen von Betreuern und Besuchern zu entwickeln und auch die finanziellen Mittel vorzuhalten, um die notwendige Personalausstattung und die besten Schutzvorrichtungen in den Einrichtungen zu ermöglichen. In all den Monaten ist es der Bundesregierung bisher nicht gelungen, ein tragfähiges Konzept vorzulegen. Es war absehbar, dass es in den Wintermonaten zu einer Verschärfung der Situation kommen wird. Ein großer Hoffnungsträger ist der Impfstoff.“

Und dennoch brauche es sofortige Maßnahmen, „um nicht von einem Lockdown zum nächsten zu schlittern – mit fatalen Folgen für unsere Wirtschaft, das Sozial- und Bildungsleben sowie die Kultur – und nicht zuletzt für alle Patienten, die auf ein starkes und nicht-überlastetes Gesundheitssystem angewiesen sind“, so Rohmeiß in dem offenen Brief. zg

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