Schwetzingen

Schlosskapelle Nele Waldert stellt auf Einladung des Kunstvereins ihre zierlichen Figuren aus

Schutzmann auf der Kanzel

Diese Ausstellung bietet fantastische Hingucker: wunderbar filigran herausgearbeitete Gesichter auf zierlichen, oft kindhaften Figuren aus Pappmaché und Polymergips, die Rätsel aufgeben. Der Kunstverein Schwetzingen präsentiert in der Schlosskapelle Arbeiten der Bildhauerin Nele Waldert. Im Beisein der Düsseldorferin wurde die frei zugängliche Ausstellung unter regen Publikumsverkehr am Freitagabend eröffnet.

Nele Waldert ist nach 2016 zum zweiten Mal zu Gast in der Stadt und hat wunderbare Werke mitgebracht. Ihre weißen Köpfe, Büsten und Korpusse bieten viel Raum zur Interpretation. Filigrane Kronen, Kristalle, Farben oder auch Reste von Omas Nerz verleihen den männlichen, weiblichen oder androgynen „Menschlein“ einen individuellen Charakter. Ein genauer Blick in die Gesichter lohnt. So schaut der am Boden liegende Mann mit dem Titel „Seufzen“ eigentlich recht verzückt drein. Die Künstlerin verbindet mit ihm jedoch die Hektik in der Vorweihnachtszeit. Oder liegt er vielleicht nur da und träumt sich aus dem Alltag?

Ein echter Blickfang ist der „Pfarrer“ auf der Kanzel, wie Kurator Dr. Dietmar Schuth in seiner kecken Manier zur Einführung ausdrückte. Gemeint ist das Männlein, das den Titel „Schutzmann“ trägt. Beim genauen Hinsehen sind auf seinem Superheldenanzug kleine Gesichter zu erkennen – eine moderne Interpretation der Heiligenfiguren, passend für eine Kapelle. Zwei weitere Köpfe am Boden arrangiert fallen durch goldene Augen (Titel: „Mann sieht“) und einen Amethysten als Ohr („Mann hört“) auf. Auch hier kreisen die Gedanken – blicken die goldenen Augen kritisch auf die materialistische Welt? Wie berauscht nimmt das Edelstein-Ohr noch die Umwelt wahr?

Die Arbeiten von Nele Waldert faszinieren durch Tiefgang. Bewusst setzt sie auf natürliche Materialien und verbindet diese mit Attributen. Eine Brücke zum Ausstellungsort im Schloss wurde in zweierlei Hinsicht geschaffen: Zum einen regte Kurfürst Carl Theodor einst die Kunstakademie in Düsseldorf an, zum anderen suchte Nele Waldert für ihre Ausstellungsobjekte eine Verbindung zum Schloss. Dies gelang ihr beispielsweise durch den Einsatz von Glaselementen am Hinterteil des „Hirsches“ – inspiriert durch die Objekte im Schlossmuseum. Die Ausstellung ist nicht nur eine schöne Ergänzung zum kurfürstlichen Weihnachtsmarkt, sondern bietet Investitionspotenzial, wie Erik Schnatterer, Vorsitzender des Kunstvereins, unverblümt auf die Kaufmöglichkeit der Objekte hinwies. Denn: Auf der Bank bekomme man sowieso keine Zinsen mehr. kaba

Info: Mehr Fotos gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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