Schwetzingen

Sternsinger-Aktion Mit den drei Königen auf Tour durch den Hirschacker / Zur Spende in die Sammelbox gibt’s oft noch etwas Süßes für die jungen Darsteller

Segen für uns und Hilfe für die Armen

Archivartikel

Kinder stehen in einer langen Schlange an der Essensausgabe im Josefshaus, manche davon haben ein geschwärztes Gesicht: Die Sternsinger bereiten sich nach dem samstäglichen Aussendungs-Wortgottesdienst in St. Pankratius auf den ersten Tag ihrer Tour durch die kurfürstliche Residenzstadt vor. In Windeseile werden Teller mit Spaghetti, Tomatensoße und Käse gefüllt, an Gruppentischen gemeinsam verspeist. Über 40 Kinder und Jugendliche sind in diesem Jahr mit dabei – bei der Aktion von Kindern für Kinder in der Welt, die ein besonderes Schicksal haben.

Bei der 61. Aktion Dreikönigssingen machen die Sternsinger aus Schwetzingen deutlich, wie schwer es Kinder mit Behinderungen besonders in Entwicklungs- und Schwellenländern haben. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) geht von bis zu 165 Millionen Kindern weltweit aus, die durch Behinderungen beeinträchtigt sind. Sie wachsen überwiegend in Armut auf und sind finanziell auf Hilfe angewiesen. Bundesweit sind derzeit rund 300 000 Kinder und 90 000 Begleiter auf dem Weg für sie, gehen von Haus zu Haus, singen und sammeln für die Armen.

Neben digitalen und analogen Bildungsmaterialien zur Aktion gibt es diesmal zum besseren Verständnis den Film von TV-Reporter Willi Weitzel. Er war in Peru und hat sich darüber informiert, was die Sternsinger alles bewirken können. „Das hat viele Kinder sehr beeindruckt“, erzählt uns jetzt Diakon Michael Barth-Rabbel, der in diesem Jahr zum letzten Mal die Sternsingeraktion angeleitet hat. Nach seinem Wechsel in die Seelsorgeeinheit Wiesloch-Diehlheim werden Anna Abraham und Carmen Lamm sich um das Dreikönigssingen in Schwetzingen kümmern. „Beide sind schon lange dabei“, freute sich Barth-Rabbel darüber, dass die Sternsinger in guten Händen bleiben.

Anna Abraham ruft derweil die Begleiter zusammen, erläutert noch einmal, was es mit den grün markierten Namen auf der Liste auf sich hat: „Diese Schwetzinger haben sich angemeldet für einen Besuch.“ Dennoch werde überall geklingelt, die Dreikönigssinger sind mit ausreichend Aufklebern und Kreide ausgestattet, um überall, wo gewünscht, den Segen 20*C+M+B+2019 über die Eingangstüren zu schreiben. Die Texte sitzen, die rot-weißen Bändchen werden nach dem Essen um die Handgelenke gebunden – sie sind quasi der Sternsinger-Ausweis und werden jedes Jahr in einer anderen Farbkombination hergestellt.

Die selbstgebastelten Kronen, geschmückt mit großen „Edelsteinen“, werden aufgesetzt, die Sternträger suchen sich einen hölzernen Stab mit Himmelskörper aus und starteen ihren Laufweg. In 22 Bezirke geht es an den zwei Tagen, die mit dem Einzug in die evangelische Stadtkirche am gestrigen frühen Abend endete. „Das ist ein Zeichen der Ökumene, und, dass wir Christen alle zusammengehören“, so Barth-Rabbel. Seit zwei Jahren werden auch die Protestanten in ihrem Gotteshaus besucht.

Überall raschelt es in der Box

Jannik, Maira, Luisa und Sophia marschieren durch den Schwetzinger Stadtteil Hirschacker, wo viele Menschen einen Besuch der Kinder wünschen. Gleich beim ersten Haus öffnet Gisela Lauer und begrüßt die Kinder: „Schön, dass ihr da seid.“ Die ganze Familie bekommt „Wir kommen daher aus dem Morgenland“, sowie „Stern über Bethlehem“ zu hören – und sind total gerührt. Sie stecken etwas „Raschelndes“ in die Dose. „Danke“, tönt es ihnen fröhlich entgegen.

Die Gruppe zieht weiter nachdem Begleiterin Claudia Lopp den Segen auf den Rahmen geschrieben hat. Georg und Julia Wagner heißen die Kinder im Nachbarhaus herzlich willkommen und lauschen ihren Worten. Die beiden Senioren haben Süßes und einen Schein für die Sammeldose, dazu ihren Dank an die Kinder. René Hoffmann lauscht konzentriert: „Das habt ihr ganz prima gemacht, ich kann das einschätzen, ich war selbst einmal Sternsinger“, sagt der junge Mann lobend und beobachtet, wie der Aufkleber mit den Segensbuchstaben angebracht wird. Ein nettes Wort und überwiegend Scheine haben die Schwetzinger für die Sternsinger. Michael Barth-Rabbel hat am Sonntagabend auch schon eine Tendenz zur Spendenhöhe parat. 11 500 Euro wurden schon gezählt – und es waren noch nicht alle Boxen fertig.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional