Schwetzingen

Integration Salimina Dampha will Versorgungstechniker werden / Sein Asylantrag wurde jedoch abgelehnt – ohne Pass bekommt der Gambier keine Ausbildungsduldung

Sein Chef will ihn unbedingt behalten

Salimina Dampha ist glücklich. Nicht nur hat er einen Beruf gefunden, der ihm Spaß macht, er fühlt sich auch in seinem Betrieb pudelwohl. Seit September schon wird er bei Sanitär Moos zum Anlagenmechaniker für Versorgungstechnik ausgebildet. Der 23-jährige Flüchtling stammt aus Gambia und wohnt seit zwei Jahren in Schwetzingen.

Dampha kommt gerade von einem Montageeinsatz, als wir ihn im Foyer der Firma zum Gespräch treffen. „Bei unserem Kunden war die Abwasserleitung verstopft. Wir haben die Verstopfung behoben und ein defektes Rohr ausgetauscht, bevor wir ein neues Waschbecken angebracht haben“, berichtet er von seinem Tagwerk. Bei der Arbeit begleitet der Gambier andere Mitarbeiter, die ihn bei den einzelnen Arbeitsschritten anleiten. Den Spaß an der Monteursarbeit hat er bei einem Praktikum im vergangenen Sommer entdeckt. „Davor war ich schon Praktikant in einem Hotel, habe als Autosattler und Mechaniker gearbeitet“, erzählt Dampha, „das hat zwar auch Spaß gemacht, aber am besten gefällt es mir hier.“

Note zwei ist ausbaufähig

Die Praktika absolvierte er während seiner Zeit an der Justus-von-Liebig-Schule in Mannheim. „Dort haben wir Deutsch gelernt, aber auch Gemeinschaftskunde- oder Matheunterricht gehabt“, berichtet er. Zur Schule geht er auch jetzt noch gerne. Die Berufsschule ist in Mannheim, erzählt Dampha, deshalb muss er in Schulwochen immer besonders früh aufstehen. Aber das mache ihm nichts aus. Er zeigt uns sein aktuelles Zeugnis, die schlechteste Note ist eine Zwei – hier will er noch besser werden, sagt er. Zwar mag das bis zu dieser Stelle nach einer Erfolgsgeschichte klingen, doch die Sache hat einen Haken: Salimina Damphas Asylantrag wurde abgelehnt. Dagegen hat er – zusammen mit seiner ehrenamtlichen Betreuerin Elke Glavan – Klage eingereicht. Weil auch diese Klage nicht erfolgreich war, benötigt er nun eine sogenannte Ausbildungsduldung. Eine Ausbildungsduldung ist die vorübergehende Aussetzung der Abschiebung für die Dauer der Ausbildung. Nach einem erfolgreichen Abschluss könnte Dampha eine zweijährige Aufenthaltserlaubnis bekommen – sofern er eine Stelle in seinem Ausbildungsberuf annimmt. „Diese Duldung haben wir beim Regierungspräsidium in Karlsruhe beantragt“, berichtet Elke Glavan im Gespräch mit unserer Zeitung, „dazu müssen die Aufenthaltsgestattung, der Ausbildungsvertrag und eine Bestätigung der Berufsschule eingereicht werden.“ Nach einer kurzen Pause ergänzt sie: „Und natürlich der Pass.“

Immer wieder vertröstet

Hier liegt die Wurzel von Damphas Problem. Er hat keinen Pass; brauchte noch nie einen, wie er sagt. Einen neuen Pass bekommt man nur in Gambia. Weil seine Mutter nicht lesen kann, hat Dampha einen Freund der Familie beauftragt, das Dokument zu beantragen. Den Pass würde er dann per DHL nach Deutschland schicken – für 60 Euro Porto, die Dampha bezahlt. Viel Geld für den jungen Gambier, aber jeden Cent wert. Doch der Freund wurde anfangs abgewiesen und nun, nach erfolgreicher Antragstellung, wird er vertröstet. Zu viele Anträge, sagt man ihm – er solle sich gedulden. Derweil sitzt Salimina auf glühenden Kohlen. Die Ungewissheit macht ihm zu schaffen. Bei seinen Anrufen in der Heimat wird er immer wieder vertröstet.

„Währenddessen müssen wir dem Regierungspräsidium immer wieder beweisen, dass wir uns um den Pass bemühen, sonst können wir ihn irgendwann nicht mehr nachreichen“, verdeutlicht Elke Glavan die verzwickte Lage. Zwar ist sie voller Hoffnung für ihren Schützling, weiß aber auch von anderen Fällen zu berichten. In einem, so erzählt sie, wurde der Antrag eines jungen Mannes abgelehnt, der Altenpfleger werden möchte und dafür bereits einen Ausbildungsplatz gefunden hatte. „Ein anderer hat schon eineinhalb Jahre seine Einkommenssteuern gezahlt und den Staat keinen Cent gekostet“, berichtet Glavan, „auch seinen Antrag hat man einfach abgelehnt.“

Seine offene Art kommt gut an

Auch Stefan Eichhorn wartet sehnsüchtig auf eine positive Antwort aus Gambia. Er ist der Geschäftsführer von Sanitär Moos und Damphas Chef. „Überall werden händeringend Fachkräfte gesucht. Wenn doch jemand so willig ist zu arbeiten, verstehe ich nicht, warum man ihn nicht lässt“, sagt er kopfschüttelnd. „Sali“, wie ihn die Kollegen nennen, würde auch nach seiner Ausbildung gerne im Betrieb bleiben. „Das würde uns natürlich auch freuen, wenn wir die Früchte der Ausbildung auch ernten könnten“, sagt Eichhorn. Auch seine Frau Carin würde sich darüber freuen: „Durch seine offene Art kommt Sali bei allen gut an. Schon beim Praktikum hat er uns überzeugt – war zuverlässig, höflich und pünktlich.“ Sogar zum Weihnachtsessen haben Eichhorns den jungen Gambier eingeladen.

In seiner Freizeit kann Dampha sich vor allem für Fußball begeistern. Der BVB-Fan schaut sich die Spiele aber nicht nur gerne an, er kickt auch selbst das runde Leder über den Rasen. In der Leichtathletikabteilung des TSV Oftersheim läuft er außerdem. An Fleiß und Zielstrebigkeit fehlt es dem jungen Mann sicherlich nicht. Doch hauptsächlich muss er sich dennoch in Geduld üben.

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