Schwetzingen

Theater am Puls Spielzeit startet am Samstag mit der ausverkauften Premiere von Shakespeares „Hamlet“ / Für die Märchenstunde für Erwachsene gibt’s noch Karten

Sein oder Nichtsein? Sein – mit 28 Gästen!

Archivartikel

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage. – dieser Satz aus dem berühmten Monolog von William Shakespeares „Hamlet“ könnte nicht trefflicher passen, wenn es um die neue Spielzeit im Theater am Puls in Schwetzingen geht. Das kleine Schauspielhaus in der Marstallstraße 51 wird diesen Samstag, 3. Oktober, mit der ausverkauften Premiere von „Hamlet“ öffnen. Es wird sozusagen ein kleiner Feiertag für die Kultur eingebettet in den großen Tag der Deutschen Einheit.

Denn hier setzt Schwetzingen ein Zeichen: „Uns sind die Schauspieler hier alle ans Herz gewachsen“, betonte Oberbürgermeister Dr. René Pöltl kürzlich in dem Pressegespräch. Deshalb wurden sie während des Lockdown weiter bezahlt und deshalb half die Stadt gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg bei der erfolgreichen Umsetzung von „Bühne im Park“, den Open-Air-Special im Schwetzinger Schlossgarten. Auch jetzt signalisierte der Stadtchef, die Kulturschaffenden des Theaters nicht alleinzulassen. Man hoffe weiter auf eine Bundesförderung, doch es finde sich sicher auch ein anderer Weg, die Einnahmeverluste zu begleichen – „daran soll’s nicht scheitern“.

Klar: Der wirtschaftliche Blick muss bei der anstehenden Spielzeit unter Corona-bedingten Auflagen ausgeblendet werden, das gesteht sich auch Intendant Joerg Steve Mohr ein. „Ich mache es aus zwei Gründen: damit die Schauspieler aus der Region, die unserem Haus seit Jahren verbunden sind, nicht arbeitslos sind und ich möchte ein Signal nach draußen schicken“, sagte der leidenschaftliche Theatermann, als er die Entscheidung zur Öffnung unter dem zweideutigen Spielzeitmotto „Wir spielen mit Abstand das Beste“ traf (wir berichteten).

Und dieser Abstand sieht so aus: In dem sowieso sehr exklusiven Haus mit seinen sonst 90 Plätzen wird es jetzt noch erlesener. Man könnte auch sagen: Jetzt gibt es feine Theaterkost in „VIP-Manier“ für nur 28 Gäste. Die Stühle im Theaterraum sind paarweise zusammengestellt und haben einen Abstand von 1,50 Meter zum nächsten Duo. Bis dorthin und bis zum Beginn der Vorstellung muss eine Maske getragen werden. Ein Hygienekonzept ist im Werden, dabei spielt eine gute Belüftung zum Foyer hin eine Rolle.

Oberbürgermeister Dr. René Pöltl und Walter Imhof vom Freundeskreis sind genauso glücklich wie die Kulturschaffenden und die -liebhaber über das kulturelle Balsam für die Seele, das es nun wieder geben kann. Alle Sponsoren seien an Bord geblieben, erzählte Walter Imhof, und der Freundeskreis habe sogar mehr Mitglieder in den vergangenen Monaten hinzubekommen. All das hilft, um das Privattheater weiter am Standort zu halten – für den Stadtchef von Schwetzingen genauso wichtig wie für den Freundeskreis, vor allem aber für Mohr und die Künstler.

Gäste werden eingebunden

Die neue Spielzeit ist thematisch unterteilt Im Oktober und November wird’s klassisch mit „Hamlet“, „Steppenwolf“, Kafkas „Verwandlung“, Dichterabenden mit Musik, die dem Rilke-Projekt ähneln. Zwischendrin gibt es einen launigen Märchenabend für Erwachsene am Samstag, 4. Oktober, um 19 Uhr. Die Schwetzinger Autorin und Märchenerzählerin Samiya Bilgin und der Musiker Stefan Ebert laden alle Zuschauer ein, im Spiegel der Märchenbilder die eigenen Lebensbilder zu sehen und zu verstehen. Ein Abend voller Aufregung, Entspannung, Ruhe und Leichtigkeit erwartet das Publikum. Die alten Märchen verlassen die klassische Zeit und schlüpfen in ihr uraltes klassisches Altertum zurück – Karten gibt’s noch.

Die „ganz klassische“ Spielzeit in diesen maskenreichen und abstandsgroßen Zeiten wird am Freitag, 9. Oktober, 20 Uhr, durch das Improvisationstheater „AlsWir“ aufgelockert. Maske hin, Abstand her sind Eugen Gerein und Jürgen List mit Gerd Baier bereit, alles fallen zu lassen und dem Mann an sich auf den Pelz zu rücken. So bestimmen die Zuschauer den Ablauf des Abends. Auch hierfür gibt es noch Tickets.

Familiär geht’s dann im Dezember und Januar zu – unter anderem mit der Premiere der Kinderproduktion „Krähe und Bär“. Februar und März werden diesmal dramatisch, April und Mai lustig. Hier erlebt das Singspiel „Das weiße Rössl“ eine Neuauflage 2020.

Aber jetzt geht’s erst einmal am 3. Oktober mit „Hamlet“ los – natürlich wieder in einer ganz besonderen Inszenierung, wie Mohr verspricht. Dabei ist es allein schon sehr speziell, wenn an diesem Abend sieben Schauspieler auf 28 Gäste treffen. Doch immerhin. Denn letztlich ist Sein oder Nichtsein auch eine Zukunftsfrage für das Theater am Puls.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional