Schwetzingen

Qualitätsjournalismus Einblicke in die Arbeit der Lokalredaktion / Transparenz wichtiger denn je / Bestimmt der Bürgermeister, was die Zeitung so schreibt?

Selbst recherchiert und geprüft

Wie funktioniert das eigentlich mit der Informationsbeschaffung in den Lokalredaktionen in Schwetzingen und Hockenheim? Können die Bürgermeister den Journalisten verbieten, bestimmte Sachen zu schreiben? Wie entscheidet die Redaktion, was wo veröffentlicht wird? Solche Fragen stellen uns Redakteuren nicht nur die Schüler bei Klasse Kids, sondern oft auch Erwachsene, denn es geistern ja eine Menge Gerüchte über die Arbeit von Journalisten herum und in vielen schlechten Krimis und Fernsehserien, vor allem aber bei Facebook & Co, werden kräftig Klischees bedient. Im Gespräch erläutert SZ/HTZ-Chefredakteur Jürgen Gruler, wie wir arbeiten?

Wie kommt die Schwetzinger Zeitung/ Hockenheimer Tageszeitung an ihre Informationen?

Jürgen Gruler: Es gibt drei wichtige Quellen: Zum einen die Pressestellen der Städte, Gemeinden, Organisationen, der Polizei, der Gerichte und der Firmen. Zudem gehen unsere Journalisten und freien Mitarbeiter selbst zu den wichtigen Veranstaltungen in der ganzen Region und berichten dann so, wie sie es erlebt haben. Und dann gibt es die eigene Recherche. Das bedeutet, dass der Journalist etwas hört, dass sich ein Leser bei uns meldet oder dass er eine Idee für eine Geschichte hat und die dann mit verschiedenen Gesprächspartnern selbst recherchiert, also sich fundierte und umfassende Informationen dazu beschafft.

Wie erkennt man denn, ob es eine selbst recherchierte Geschichte ist oder eine Mitteilung einer Pressestelle, die vielleicht auch einen bestimmten Zweck erfüllt?

Gruler: Wir haben unsere Redakteure angewiesen, dass sie bei Pressemitteilungen immer im ersten Absatz des Textes die Quelle nennen müssen. Das heißt also, dass sie dann beispielsweise die Formulierung einfügen: „Teilt uns die Stadtverwaltung oder ein bestimmtes Unternehmen oder eine Partei mit.“

Warum gibt es manchmal Fehler? Beispielsweise bei Polizeimeldungen eine falsche Straße oder Uhrzeit?

Gruler: Bei der Polizei schreiben die Beamten, die vor Ort waren, anschließend vor Ort im Revier einen so genannten Vorgang. Den wertet dann die Pressestelle in Mannheim aus. Da kann dann durchaus einmal eine Verwechslung oder ein Fehler passieren. Die Zeitung selbst ist bei den Unfällen nur dann dabei, wenn sie davon direkt erfährt oder ein Fotograf vor Ort ist, und muss sich dann auf die Informationen verlassen, die sie bekommt. So ist das übrigens auch beim Alter und der Nationalität bei Straftaten. Die Polizei nennt die Nationalität meist nur dann, wenn sie mit der Art der Straftat etwas zu tun haben könnte, auch auf Nachfrage erfahren wir Journalisten die Nationalität nicht immer. Und der Deutsche Pressekodex setzt der Nennung von ethnischer, religiöser oder nationaler Zugehörigkeit auch klare Grenzen.

Wenn ein Leser einen Vorfall schildert, warum kommt der dann nicht genau so in die Zeitung? Bei Facebook kann doch auch jeder schreiben, was er will?

Gruler: Das liegt am Grundsatz der Gegenrecherche, der sich alle seriösen und ausgebildeten Journalisten verpflichtet sehen. Wenn jemand behauptet, eine anderer sei ein Betrüger oder ein Politiker sei bestochen worden, dann hören wir immer beide Seiten. Das gilt auch für den Nachbarschaftsstreit um den Baum, der so viele Blätter in den Garten abwirft, oder den Hund, der gequält wird. Und wenn möglich, dann lassen wir es noch von einem Experten bewerten. Die Meinungen stellen wir dann gegenüber, damit alle Argumente auf den Tisch kommen und sich der Leser sein eigenes Bild machen kann.

Und wenn einer der beiden nichts sagen will?

Gruler: Das passiert uns Journalisten immer mal. Manche Leute – auch Politiker oder Firmenchefs – glauben, dass wir etwas nicht schreiben, wenn sie zu einem Vorwurf nichts sagen. Aber da täuschen sie sich und ärgern sich anschließend vielleicht kräftig darüber, dass nur der Widersacher zu Wort gekommen ist. Wir schreiben dann immer dazu, dass der andere zu den Vorwürfen nichts sagen wollte. Damit die Leser auch wissen, dass wir nicht einseitig recherchieren.

Und wie ist das bei Leserbriefen?

Gruler: Leserbriefe sind ein besonderes Feld. Wir veröffentlichen da die Meinungen einzelner Personen und diese Meinungen stimmen nicht mit denen der Redaktion überein. Das steht auch oft als Hinweis auf der Seite. Wir haben hier den Grundsatz, dass wir eigentlich jede Meinung veröffentlichen, die von Lesern unserer Zeitung stammt – ganz egal, ob sie rechts, links oder in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Wir achten nur darauf, dass der Tatbestand der Beleidigung nicht erfüllt ist. Wir sehen uns aber keinesfalls als Meinungspolizei, die nur Mainstream veröffentlicht. Schließlich steht jeder Schreiber mit seinem Namen zu seiner Meinung. Das ist der entscheidende Unterschied zu den sozialen Medien, bei uns gibt es keine anonymen Beschimpfungen. Wir prüfen immer, ob es den Leserbriefschreiber wirklich gibt und ob er uns den Brief auch tatsächlich geschickt hat. Da gab es in der Vergangenheit schon Versuche, uns reinzulegen.

Stimmt es, dass Bürgermeister Einfluss auf die Berichterstattung der Zeitung nehmen oder gar versuchen, Ihnen zu verbieten, etwas bestimmtes zu schreiben?

Gruler: Versuche der Einflussnahme gab es immer mal wieder. Gerade in der Riege der inzwischen pensionierten Bürgermeister war schon die Meinung vorherrschend, sie könnten den Redakteuren vorschreiben, über welche Themen und welche Richtung sie schreiben sollen. Aber verbieten kann uns niemand etwas, höchstens ein Richter, wenn jemand eine einstweilige Verfügung erlangt. Ich lehne solche Versuche strikt ab, die Pressefreiheit ist eins der höchsten Güter, die uns das Grundgesetz geschenkt hat und ich kann auch mit bösen Anrufen und E-Mails gut umgehen. Unsere Leser haben das Recht, umfassend und gut informiert zu sein, ob es dem Firmenchef, dem Bürgermeister, dem Abgeordneten oder dem Vereinsvorsitzenden passt oder nicht. Es gab schon Bürgermeister, die haben dann die Zeitung zu Hause abbestellt, da kann man dann halt auch nichts machen, meistens lesen sie sie dann ja doch im Büro. Da hat sich übrigens einiges gewandelt. Die jüngeren Politiker, die jetzt in den Rathäusern und Parlamenten sitzen, gehen meist sehr offen mit unserer Zeitung um und nehmen auch zu kritischen Vorwürfen Stellung. Ihnen ist es dann oft lieber, bei uns eine Erklärung für einen Fehler abgeben zu können, als nur die Vorwürfe und Beschimpfungen in den sozialen Medien abzubekommen. Übrigens sind wir da vor Ort das einzige unabhängige Medium. Denn die Amtsblätter, die kostenlos in Ihre Briefkästen flattern, sind eben sehr wohl von den Bürgermeistern oder deren Hauptamtsleitern und Pressesprechern redigiert und oft genug auch zensiert.

Was kann man tun, um etwas, was gut oder schlecht ist, in die Zeitung zu bringen?

Gruler: In unserer Redaktion vorbeikommen oder hier anrufen – Telefon 06202/205-300 – oder eine E-Mail schreiben an sz-redaktion@schwetzinger-zeitung.de. Wir nehmen uns dann der Sache an, wenn sie interessant genug für die Allgemeinheit ist – und melden uns bei Ihnen!

Und was passiert, wenn Sie einen Fehler machen?

Gruler: Bei uns gibt es die Rubrik „So ist es richtig“. Da wird dann in der nächsten Ausgabe der Fehler richtiggestellt und meistens erklären wir auch, wie er zustande gekommen ist. Wo Menschen arbeiten, da passieren auch Fehler, und gerade im Journalismus bei einer Tageszeitung muss alles sehr schnell gehen. Da bricht einem kein Zacken aus der Krone, wenn man den Fehler zugibt.

Info: Der Imagefilm zur Kampagne ist zu sehen unter: www.schwetzinger-zeitung.de

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