Schwetzingen

Grüne Weihua Wang bewirbt sich im Duett mit Petra Mihambo-Fichtner um die Landtagskandidatur / Wahlversammlung am Dienstagabend in der Ketscher Rheinhalle

Sie setzen sich für Vernetzung und Vielfalt ein

Region.Mit großem Engagement bestreitet Weihua Wang derzeit den parteiinternen Wahlkampf um die Landtagskandidatur bei den Grünen für den Wahlkreis Schwetzingen/Hockenheim. Und sie hat sich eine bekannte Mitstreiterin gesucht. Petra Mihambo-Fichtner, die Oftersheimer Gemeinderätin und Mutter der Weitsprung-Weltmeisterin Malaika, die sich besonders für Natur- und Umweltschutz sowie für eine gleichberechtigte Gesellschaft einsetzt, unterstützt sie als Zweikandidatin voll und ganz. Damit geht bei der Wahlversammlung am Dienstag, 7. Juli, ab 19 Uhr in der Ketscher Rheinhalle ein Frauenduo ins Duell mit Staatssekretär Dr. Andre Baumann. Der derzeitige Abgeordnete Manfred Kern tritt nicht mehr an.

Die neuen Medien sind das Ding der 26-jährigen Unternehmensberaterin Weihua Wang. „Mein Podcast ,Society 5.0 – wohin steuert unsere Gesellschaft?’ ist inzwischen auf Spotify und Apple Podcast verfügbar. Ziel ist es, in einem breiten gesellschaftlichen Dialog eine ideale Society der Zukunft zu definieren und Handlungen aufzuzeigen wie wir als Gesellschaft dorthin kommen können. Hierfür lade ich immer zwei Gäste mit sehr unterschiedlichen Profilen ein, um verschiedene Stimmen aus der Gesellschaft und andere Perspektiven auf ein Thema abzubilden. In der ersten Folge habe ich mit einer französisch-schweizerischen Europaabgeordneten und einem libanesischen Piloten über Rassismus und Integration gesprochen. Dann habe ich mit Martin Freudenberg, der auch im Aufsichtsrat der Freudenberg Gruppe in Weinheim sitzt, und einer Studentin über bedingungsloses Grundeinkommen zu Corona-Zeiten gesprochen. Und als nächstes ist die Rolle der Kirche ein Thema“, sagt sie uns.

Außerdem ist Weihua Wang gerade mit dem Rhein-Neckar-Kreis, der SAP, mit Diakonie und Charitas in Gesprächen um das Integrationsprojekt „MyBuddy“, das sie 2018 als Jugenddelegierte der Grünen für den Europarat initiiert hatte, in eine zweite Runde zu bringen.

Für Weihua Wang befindet sich die Gesellschaft zurzeit an einem Scheideweg: „Entscheiden wir uns für mehr Vernetzung und Vielfalt oder für Protektionismus und Abschottung? Ich bin, durch meine ganz persönliche Erfahrung geprägt, eine klare Verfechterin für eine offene und bunte Gesellschaft. Ich liebe meinen multikulturellen Hintergrund, der es mir ermöglicht, Sachen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und einseitige Denkmuster zu hinterfragen“, sagt sie. Sie kann sich aber nur zu gut erinnern, als sie mit acht Jahren nach Deutschland kam und diese Vielfalt eine enorme Herausforderung war: „Ich traf auf eine fremde Sprache, andere Essgewohnheiten, unbekannten Humor und neue Gesichter – alles war einfach ganz anders, als ich es kannte. Gleichzeitig war auch ich, als einzige Person der gesamten Schule mit chinesischen Wurzeln, fremd für meine Mitschüler. Durch schmerzhafte Mobbingerfahrungen und einen langen Weg der Integration bin ich heute extrem dankbar für diese Erfahrungen, die meinen integrativen und reflektierten Charakter geformt haben. Heute, ist meine Vielfalt meine größte Stärke. Es gibt aber leider sehr viele Menschen, die durch ähnliche Erfahrungen in eine Identitätskrise gestürzt wurden oder sich in Parallelgesellschaften abgeschottet haben“, sagt sie.

An einem Strang ziehen

Wang ist sich sicher: „Schaffen wir es, den Weg des gegenseitigen Lernens mit Offenheit und Respekt zu gehen, werden wir eine buntere, lebendigere und stärkere Gesellschaft vorfinden. Schaffen wir diesen Weg nicht, wird Vielfalt als zweischneidiges Schwert zu Missverständnissen und Konflikten führen.“ Konsequenter Klimaschutz, soziale Bildungsgerechtigkeit, Mobilität der Zukunft und grünes Wirtschaften haben bei ihr ebenfalls eine hohe Priorität. „Aber alle diese Herausforderungen können wir nur erfolgreich meistern, wenn wir als Gesellschaft an einem Strang ziehen“, sagt die Schwetzingerin.

„Meine starke Naturverbundenheit war schon als Kind sehr ausgeprägt. Ich habe schon immer die Familienausflüge in unserer schönen Region geliebt: Ein Radausflug über Altlußheim nach Speyer oder ein Spaziergang in den Oftersheimer Dünen sind auch heute noch feste Bestandteile meiner Wochenendroutine“, sagt Petra Mihambo-Fichtner, die seit der letzten Kommunalwahl für die Grünen im Oftersheimer Gemeinderat sitzt. Sie hat nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Schwetzingen ein Lehramtsstudium im Fach Biologie gemacht und sagt heute: „Damit auch die nachfolgenden Generationen die Welt so erleben können, wie wir es tun, brauchen wir ein zeitnahes Umsteuern unseres Wirtschaftens. Wir haben nur begrenzte Ressourcen auf dieser Welt, mit denen wir verantwortungsvoll umgehen müssen. Um mit positivem Beispiel voranzugehen, möchte ich mich persönlich mit Elan für den Erhalt unserer wertvollen Biodiversität und für einen konsequenten Umwelt- und Klimaschutz einsetzen“, so die 58-Jährige.

Ein weiteres Kernthema für sie ist eine gerechte Gesellschaft mit Chancengleichheit für alle Menschen – für Frauen, für Menschen aus sozial schwachen Verhältnissen, für Menschen mit Behinderungen und für Menschen mit Migrationshintergrund. „Diese Gruppen erfahren leider noch viel zu häufig in unserer Gesellschaft Benachteiligungen. Dabei ist es auch in unserem Interesse, alle Talente in unserer Gesellschaft zu fördern und die beste Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. Denn das macht uns als Gesellschaft stark und als Land erfolgreich“, sagt Mihambo-Fichtner. Sie erinnert sich noch gut an ihre Jugendzeit, als die ersten feministischen Publikationen veröffentlicht wurden und sie sich „oft alleine in die Frauenbuchläden gesetzt und viel Inspiration aus den Worten von feministischen Vordenkerinnen gezogen habe“. Durch die Gewerkschaftsarbeit ihres Vaters, bei der sich dieser leidenschaftlich für die Rechte der Gastarbeiter stark gemacht habe, sei sie schon früh in Kontakt mit verschiedenen Kulturen gekommen. „Für mich war es schon immer selbstverständlich, dass wir starke Frauen brauchen und dass uns Vielfalt in der Gesellschaft stärkt und bereichert“, so Petra Mihambo-Fichtner.

In Weihua Wang sieht sie eine „begabte, kraftvolle Frau, die trotz ihres jungen Alters bereits wertvolle Erfahrungen im sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereich mitbringt, um unsere Gesellschaft voranzubringen“, schwärmt sie vom Engagement ihrer Polit-Partnerin. Sie finde es beeindruckend, mit welch einem breiten Netzwerk und großem Ideenreichtum sie sich für Themen einsetze. Und: „Ich finde auch, es ist an der Zeit, der jungen Generation das Ruder zu übergeben, denn ihnen gehört die Zukunft und sie sind diejenigen, die echte Veränderungen in der Gesellschaft vorantreiben können und müssen“, schließt die Oftersheimerin in ihrem Vorstellungspapier für die Grünen.

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