Schwetzingen

Im Porträt Zustellerin Ingrid Schwarz ist bei Wind und Wetter in der Oststadt unterwegs / Bei Schnee gefällt ihr der Morgen am besten

Sie verhinderte einen Einbruch

Lange bevor die Sonne aufgeht, klingelt bei Ingrid Schwarz der Wecker. Die 61-Jährige hat ihren Tag heute um 2.30 Uhr – „gestern lag ich um 16 Uhr im Bett“, beschreibt sie ihren ungewöhnlichen Rhythmus. Seit 32 Jahren trägt sie in Schwetzingen Zeitung aus, momentan in der Oststadt. Im Anschluss leitet sie das Morgenpost-Depot in Schwetzingen.

Und dabei hat sie schon so einiges erlebt: „Ich habe sogar schon mal einen Einbruch verhindert!“ Beim Bahnhofskiosk in Oftersheim – dort fährt sie auf dem Heimweg immer vorbei – wollten Jugendliche den Rollladen hochdrücken. Da habe sie die Polizei gerufen, denn „man muss die Menschen ja bei der Tat erwischen“, sagt sie. Außerdem sehe sie immer wieder Gulli- und Kanaldeckel, die jemand aus der Verankerung geholt hat. „Das kann ja richtig gefährlich sein, wenn man darüber fährt.“ Auch da sage sie immer Bescheid, da die Deckel doch teilweise sehr schwer seien. An den ungewöhnlichen Rhythmus habe sie sich schnell gewöhnt: „Ich war schon immer eher ein Morgenmensch, aber das war natürlich trotzdem eine extreme Umstellung“, erinnert sie sich an die Anfänge zurück. Wenn sie nach Hause kommt, gibt es Mittagessen und anschließend etwa zwei Stunden Schlaf.

Bezahlte Bewegung

Nach der Hausarbeit oder anderen Erledigungen endet für Schwarz der Tag dann auch etwa um 18 Uhr. „Dadurch ist man natürlich sozial abgegrenzt – wenn meine Freunde abends einen Cocktail trinken gehen, kann ich normalerweise nicht mit“, beschreibt sie die Nachteile. „Aber ich bin jeden Tag an der frischen Luft, bewege mich und bekomme es auch noch bezahlt. Und ich habe den ganzen Tag zur Verfügung. Wenn andere ins Büro fahren, kann ich beispielsweise ins Schwimmbad gehen“, sagt Schwarz, der die Arbeit auch nach dieser langen Zeit noch Spaß macht.

Obwohl sie auch schon den ein oder anderen schönen Sonnenaufgang zu Gesicht bekommen hat, gibt es auch stürmische Tage. „Wir müssen eben bei Wind und Wetter raus, aber das finde ich eigentlich nicht so schlimm, ich ziehe mich dann einfach passend an. Und wenn der Schnee liegt, ist es sowieso am schönsten“, sagt sie. Nur bei Glatteis oder extremen Sturm wäre es ungemütlich. Als sie heute Nacht aus dem Haus ging, stand auf dem Thermometer 15 Grad Celsius, nach der Arbeit seien es nur noch zwölf Grad gewesen. „Das ist ein bisschen verrückt, aber meistens ist es nach der Arbeit etwas kälter, als am Anfang – wahrscheinlich ist der Boden – besonders im Sommer – dann noch aufgeheizt.“ Die Bewohner sehe sie nur selten, meistens liegen sie zu dieser Uhrzeit noch im Bett. „Ganz am Anfang habe ich sogar einmal im Monat noch selbst kassiert.“

Pralinen und Karten

Aber auch jetzt bekomme sie von einigen Abonnenten zum Dank jährlich eine Karte, Pralinen oder Ähnliches. „Manche merken sogar, wenn ich Urlaub habe – da liegt dann wohl die Zeitung anders im Rohr“, erzählt sie stolz. Für die Leser gehöre die Zeitung einfach zum Frühstück dazu.

Bei manchen Häusern sei es allerdings immer noch schwierig, die Zeitung überhaupt einzuwerfen. „Manche denken nicht an mich und stellen dann die Mülltonne oder den Sperrmüll so vor den Briefkasten, dass ich erst mal irgendwo drüber steigen oder etwas wegschieben muss. Es wäre schön, wenn die Menschen da nicht so gedankenverloren wären und auch an uns Zusteller denken würden“, erzählt Ingrid Schwarz.

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