Schwetzingen

Nominierung Schauspielgruppe „Includo“ für deutschen Theaterpreis in engerer Auswahl / Zuschauer können online abstimmen

Sie wollen keine Extrarolle

Archivartikel

Gemeinsam auf der Bühne stehen und für die Arbeit den Lohn bekommen – als Applaus. Das wünschen sich die Mitglieder der inklusiven Theatergruppe „Includo“ vom Verein Smile. Es gibt aber noch einen anderen Weg, um die Vorstellungen der Gruppe, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammenspielen, zu würdigen.

Unter 167 Bewerbern aus ganz Deutschland wurden 15 Theatergruppen in fünf verschiedenen Sparten vom Bund Deutscher Amateurtheater als Preisträger nominiert, heißt es in einer Mitteilung des Vereins Smile.

Unter den Top drei

Für den deutschen Amateurtheaterpreis „Amarena 2020“ in der Sparte „Theater ist Leben“ schaffte „Includo“ mit dem neuesten Stück „Manche mögen’s heiß“ die Nominierung unter die ersten drei Preisträger. Dafür können Interessierte jetzt online abstimmen. Hierbei spielt die Bedeutung der Theaterarbeit im Leben der Darsteller eine Rolle.

Smile-Vorsitzende Ulrike Freiseis erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Die Teilnehmer der Gruppe arbeiten in einer inklusiven Weise, wie man es sich wünscht: sehr wertschätzend, hilfsbereit, anerkennend, aber auch fordernd und manchmal kritisch, ganz ,normal‘.“ Das gefalle den Menschen mit Handicap, die keine Extrarolle möchten.

„Includo“ zeige praktisch, dass Inklusion ganz einfach ist – über das Handeln, das Zusammenspielen, Ideen einbringen und umsetzen, ein gemeinsames Projekt auf die Bühne zu bringen und selbst aktiv zu werden. „Nach fünf Jahren ,Includo‘ und der Aufführung von drei Stücken, wäre der Gewinn eines Theaterpreises ein riesiger Erfolg und eine Bestätigung für die Gruppe“, sagt Freiseis. Im Oktober 2019 war die Premiere der Kriminalkomödie „Manche mögen’s heiß“, nach Billy Wilder, in Kooperation mit und unter Begleitung von einer inklusiven Musikgruppe der Musikschule Dielheim-Horrenberg. Im November 2019 wurde das Stück in Verbindung mit dem „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung“ auch im Franz-Danzi-Saal des Kulturzentrums in Schwetzingen aufgeführt.

Der kommunale Behindertenbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises, Patrick Alberti, hatte sich für dieses Gastspiel eingesetzt, dass ebenfalls von der Volkshochschule unterstützt wurde.

Für das Besondere im Menschen

„Über das intensive Erleben und Empfinden führt inklusive Theaterarbeit zu einem Dialog zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Die Möglichkeit, Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse zu entfalten, wird bei ,Includo‘ gefördert“, schreibt der Verein in der Mitteilung.

Die Nominierung erfolgte, da die Gruppe inklusiv und mehrgenerational arbeite, Netzwerkarbeit durch das Zusammenwirken mit anderen inklusiven Vereinen leiste und den Blick der Darsteller öffne – für das Besondere in jedem Menschen. Damit arbeitet „Includo“ dem Weltbild einer „Gleichwertigkeit aller Menschen“ zu. So begründete es David „Ari“ Nadkarni vom Amarena-Kuratorium.

„Fordern heißt Fördern“ – diese Arbeitsweise ist bei „Includo“ wichtig. „Erstmal proben wir wie mit jeder anderen Theatergruppe auch. Die Behinderung spielt dafür nur eine geringe Rolle. Es gilt, jeder ist da, mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten“, erklärt Freiseis. Menschen mit Autismus bekommen mehr Rückzugsmöglichkeiten und auch Pausen – „oder sie setzen auch mal bei einer Übung aus. Das wird aber inzwischen als natürlich betrachtet. Beim nächsten Spiel sind sie wieder dabei“, sagt sie. Menschen mit Handicap seien unterschiedlich, so haben sie Spieler dabei, die sich neben ihrem Text beispielsweise für Requisiten engagieren und viel anpacken, während andere mit ihrer Rolle ausgelastet sind.

„Bei ,Manche mögen’s heiß‘ haben wir das erste Mal auch Proben für Frauen und Männer separat angeboten, um intensiver an verschiedenen Szenen arbeiten zu können. So haben die Frauen eine Tanzszene und die Männer einzelne Szenen als Mafiosi.“ Wichtig sei außerdem die Sprache. Spiele und Übungen werden in einer leichten Sprache erklärt oder anschaulich beschrieben.

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