Schwetzingen

Totschlagsprozess Spurensicherer erläutert die Situation am Tatort im Ostpreußenring / Bilder des Tatorts werden groß auf der Leinwand im Saal gezeigt

Sofa voller Blut und Tatwaffe auf einer Decke

Archivartikel

Stand der Vormittag des Prozesses ganz im Fokus der zumindest in den letzten fünf Jahren grauenhaften Ehe der 54-jährigen Angeklagten und ihres Mannes, den sie in der Nacht zum 3. Oktober letzten Jahres in der Wohnung in der Nordstadt erschlagen hat (wir berichteten), so war der Nachmittag geprägt von Bildern voller Blut vom Opfer, die hier über einen Beamer groß auf die Leinwand im Schwurgerichtssaal geworfen wurden. Das waren schreckliche zwei Stunden für die Angehörigen des Mannes – dessen Bruder ja als Nebenkläger auftritt.

Wie intensiv solche Ermittlungen heutzutage bei der Spurensicherung ablaufen und wie auch kleinste Details Beachtung finden, machte der 44-jährige Kriminalhauptkommissar von der Kripo Heidelberg deutlich, der gut eineinhalb Stunden nach dem Anruf der Angeklagten auf dem Revier in der Wohnung im Ostpreußenring eintraf. Er bediente sich einer speziellen Kamera, die es nun erlaubte, sämtliche Räume der Dreizimmerwohnung aus allen Blickwinkeln zu betrachten, als gehe man virtuell durch die Wohnung. Alles wirkte sehr sauber, aufgeräumt, gut und durchaus modern eingerichtet. Schlimm sah es nur im Wohnzimmer aus, wo der Tote in der Ecke der Couch auf dem Boden lag. Auf dem hellen Möbelstück war alles voller Blut. Der Beamte erläuterte die einzelnen Spuren, sagte, dass es aufgrund der Blutspritzer auf der Couch und an der Wand dahinter klar sei, dass mehrfach zugeschlagen wurde. Er sprach von mindestens vier bis fünf Schlägen. Während der Tat müsse der Mann dann laut Spurenlage von der Couch herunter auf den Boden gerutscht sein.

Eine Spur auf dem Sofa deutet auch darauf hin, dass die vermeintliche Täterin das 1,9 Kilogramm schwere Glasstövchen zwischendurch abgelegt haben muss, um danach nochmals zuzuschlagen oder es an eine andere Stelle zu legen. Es lag beim Eintreffen der Polizei voller Blut zwischen den wellenförmigen Glasstreben auf einer Decke auf der Couch und konnte so gleich als Tatwerkzeug identifiziert werden. Warum der Wohnzimmertisch und der Teppich weggerückt wurden, wie die Spuren ergeben haben, blieb unklar.

Pyjama in der Mülltonne

Eine Socke der Frau war ebenfalls im Wohnzimmer gefunden worden, voller Blut. Die andere lag wie der Pyjama, den sie trug, in einem zugeknüpften Plastiksack in der Mülltonne in der Küche. Denn nach der Tat hatte die Frau sich, wie sie selbst vom Verteidiger hatte erklären lassen, geduscht und danach ins Bett gelegt, da sie sich mit Schlaftabletten umbringen wollte. Winzige Blutspuren fanden sich tatsächlich im Bad unter der Armatur. Alles Punkte, die den morgens vom Verteidiger in der Erklärung von Swetlana K. geschilderten Tathergang untermauern. Auch das Messer, das der Mann ins Wohnzimmer mitgebracht hatte – wie wohl so oft als Drohung gedacht – lag noch auf der Couch.

Als dann klar wurde, dass es schon tags zuvor zu einer tätlichen Auseinandersetzung des Paares im Keller gekommen war, wurde auch dieser Raum von der Spurensicherung untersucht. Dort hatten Beamte dann den Besenstiel, eine Axt und ein Schaumstoffmesser beschlagnahmt, die bei der ersten Tat eine Rolle gespielt haben sollen. Auch hier fanden sie am Boden und an einem Regal einige kleinere Blutspritzer und sie in einer Abfalltüte und auf dem Boden Splitter einer Spätburgunder-Rotweinflasche, die ja beim Streit von einem Gefrierschrank gefallen sein soll, wie es in der Erklärung der Angeklagten geheißen hatte. Kollegen des Spurensicherers wurden auch noch in der GRN-Klinik vorstellig, wohin die vermeintliche Täterin wegen ihres Suizidversuchs gebracht worden war. Dort wurden dann Verletzungen festgehalten, die von den Auseinandersetzungen stammen könnten. jüg

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