Schwetzingen

Theater am Puls Stadt fördert die Theaterpädagogik mit 40 000 Euro / Jedes Schulkind in der Spargelstadt nimmt am Projekt teil / Freundeskreis hat fast 200 Mitglieder

Spielbetrieb lebt von den Ehrenamtlichen

"Kein Kind in Schwetzingen kommt ums Theater am Puls herum", meint Joerg Steve Mohr und findet das ziemlich gut. Der Grund dafür ist schließlich auch, dass er als Theaterpädagoge der Stadt ein einzigartiges Modell für die Schulen anbietet. "Wir sind in jeder Grundschule mit einem konkreten Projekt zu Gast, den Anti-Mobbing-Tagen", erklärt der Intendant des kleinen Theaters dazu. Und an zweien der drei Grundschulen konnte er ebenfalls eine Theater-AG einrichten.

Zusätzlich arbeitet Mohr auch mit den Schülern der fünften Klassen des Hebel-Gymnasiums: "Wir schauen uns an, wie das Klassenklima ist und verbessern es, damit alle sich wohlfühlen." Mit der Förderung der Stadt, die mittlerweile bei 40 000 Euro in der Spielzeit liegt, kann Joerg Steve Mohr den Kindern so zwei Leistungen bieten, die diese nichts kosten.

Stadt ist Vorreiter

Oberbürgermeister Dr. René Pöltl freut sich beim gestrigen Pressegespräch zum Start der neuen Spielzeit des Theaters am Puls über diesen Ausbau der Theaterpädagogik: "Ich habe erlebt, dass das für die Schulen ein echter Mehrwert ist." Schwetzingen sei Vorreiter für eine Stadt dieser Größe, was den Stellenwert der Theaterpädagogik und die hauptamtliche Besetzung anbelangt.

Doch damit ist noch nicht Schluss mit dem Theatererlebnis für Kinder. Unter dem Etikett "Junges TaP" laufen Stücke für junge Zuschauer. Unter anderem "Hikikomori", in dem sich ein Jugendlicher in seinem Zimmer einschließt und nur noch vor dem Computer sitzt.

Um nicht nur junge Zuschauer zu bedenken, sondern auch älteren Menschen die Möglichkeit eines Theaterbesuchs zu geben, hat Walter Imhof, Vorsitzender des Freundeskreises, noch eine Anregung für den Intendanten. "Viele Ältere sagen mir, sie würden in den Wintermonaten nicht mehr so spät aus dem Haus gehen, weil es dann dunkel ist. Könnte man nicht eine frühere Vorstellung um 17 Uhr geben, um dieses Problem zu beseitigen?"

Vom Mindestlohn weit entfernt

Das vielfältige Programm für alle Altersstufen, das wir bereits vorgestellt haben, muss mit wenig Geld auskommen. "Wir geben, was wir können, aber wir hoffen, dass wir irgendwann die Schauspieler noch gerechter bezahlen können. Momentan sind wir vom Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde noch weit entfernt", bedauert Joerg Mohr. "Selbst wenn wir ausverkauft sind, zahlen wir drauf", betont auch Walter Imhof.

Er kann allerdings berichten, dass der Freundeskreis eine Steigerung hingelegt hat: 182 Mitglieder unterstützen das Theater am Puls - anfänglich waren es 80. "So können wir mittlerweile immerhin einen fünfstelligen Betrag beisteuern", sagt Imhof stolz. Er weiß aber auch: "Das Theater kann nur bestehen, weil viele Ehrenamtliche hinter der Bühne mitmachen."

Keine Beteiligung am Kulturpass

Das Theater am Puls weiß also, was es heißt, mit wenig Mitteln auszukommen. Dennoch möchte es sich nicht am geplanten Kulturpass des Vereins "Kulturparkett Rhein-Neckar" beteiligen, der Menschen mit wenig Geld ermöglichen soll, an kulturellen Veranstaltungen umsonst teilzunehmen.

"Wir finden das Projekt toll. Aber wir würden es nur unterstützen, wenn es mit Mitteln beispielsweise des Landes finanziert werden würde, wo sich kleine Theater das Geld für die ausgegebenen Karten wieder zurückholen könnten", macht Joerg Mohr klar. Immerhin deckten auch die Preise für die Eintrittskarten - in der teuersten Kategorie kosten sie 18 Euro - die anfallenden Kosten der Produktionen bei weitem nicht und seien nur dank der Subventionen der Stadt möglich.

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