Schwetzingen

Sportiv statt Sportif

Die Städtepartnerschaft mit dem französischen Lunéville wird 2019 schon 50 Jahre alt. Viele Geschichten und Episoden ranken sich um die Begegnungen innerhalb der Jumelage. Einer, der viel darüber zu erzählen weiß, ist Walter Bährle. Der Ehrenbürger, ehemalige Stadtrat, Bürgermeisterstellvertreter und Direktor des Hebel-Gymnasiums hatte die Beziehungen von Anfang an begleitet, auch weil er perfekt französisch spricht. Er weiß zum Beispiel, dass es keinen „Boom Sportif“ gegeben hätte oder jetzt im Mai wieder geben würde, wenn da nicht Monsieur Charles Berte, „Professeur“ für Sport und Bürgermeisterstellvertreter in Lunéville, aus beruflichen Gründen für ein Jahr in den USA gewesen wäre. Hier lernte er die dortigen sportlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten näher kennen. Da gibt es nämlich Sportwettkämpfe Schule gegen Schule, in mehreren Disziplinen gleichzeitig, und dasselbe System gilt auch für Städte. Zurückgekehrt nach Frankreich dachte er schlicht: „Das wäre doch etwas für Lunéville und Schwetzingen.“ Und so kam das erste Großsportfest der beiden Partnerstädte zustande – und zwar 1975 in Frankreich. Man erzählte Walter Bährle, dass sich Monsieur Berte wegen seines Amerikaaufenthalts sich in seiner Heimatstadt den Spitznamen „Charlie“ (amerikanisch ausgesprochen) einhandelte.

Bährle erinnert sich auch noch gut daran, dass die Stadtverwaltung für alle sportlichen Großveranstaltungen mit Lunéville geeignete Schüler des Hebel-Gymnasiums zum Dolmetschen engagierte, und zwar für hier als auch für dort. Die jungen Leute freuten sich sehr auf die Fahrt nach Frankreich und natürlich auf ihr Honorar.

Für den „Boom Sportif“ hatte die Stadt Schwetzingen einen stattlichen Wanderpokal gestiftet, der je- weils für ein Jahr im Besitz des Ge-samtsiegers verblieb. Um jeweils den Gesamtsieg zu ermitteln, hatten sich die deutschen und französischen Sportfunktionäre auf ein Punktesystem geeinigt, das aber niemandem zur Einsichtnahme vorgelegt wurde. „Ich verzichtete darauf, um unnötige Spannungen zu vermeiden. Eigenartig, aber nicht übel erschien mir, dass jeweils der Gastgeber gewonnen hat“, erzählt der Schwetzinger. Doch plötzlich sei die schöne Trophäe verschwunden gewesen. „Und niemand weiß, wo sie sich befindet.“

Die Stadtverwaltung hatte sich für den zweiten „Boom Sportif“ 1978 in Schwetzingen eine kleine Überraschung für alle Beteiligten ausgedacht. Ein Mitarbeiter bestellte bei einer Spezialfirma 1000 Abzeichen zum Anstecken (aus Blech), Größe vergleichbar mit einer Zwei-Euro-Münze, gelber Hintergrund, darauf schwarz aufgedruckt „Boom Sportiv“ – v war falsch, f wäre richtig gewesen. Keine einzige Fehlermeldung ging bei der Verwaltung ein, obwohl Hunderte von Menschen bei dem schönen Wetter ihr Abzeichen tragend durch die Stadt bummelten. Der Zwei-Wörter-Begriff war eben für Auge und Ohr noch fremd.

Walter Bährle weiß auch noch, dass Lunéville über eine hervorragende Turnerriege verfügte. Diese wollte unbedingt beim Großsportfest ihr Können zeigen. Der hiesige TV konnte keine Riege stellen, so musste man nach Plankstadt ausweichen. Der bekannte Sportlehrer und Leiter des Leistungszentrums für Kunstturnen, Walter Fritz, und seine Sportler freuten sich auf das Kräftemessen mit den französischen Sportfreunden in der heimischen Turnhalle. „Beide Riegen boten sehr gute Leistungen, das Publikum war begeistert,“ erinnert er sich.

Einen Wermutstropfen gab es damals aber doch, blickt Bährle zurück: Die französischen Freunde kamen pünktlich in sechs Bussen zum zweiten „Boom Sportif“ auf dem Alten Messplatz an und wurden von ihren Gastgebern abgeholt. „Alles klappte wie am Schnürchen“, es war ja auch bestens von den Herren Fritz Elleser und Fritz Holl von der Stadtverwaltung vorbereitet. Zum Schluss standen allerdings vier Gäste mit ihrem Handgepäck allein-gelassen auf dem Platz. „Zwei Gastgeber hatten uns und die vier Franzosen schmählich im Stich gelassen. Wir warteten noch gemeinsam eine halbe Stunde vergeblich, dann brachten wir die Alleingelassenen auf Kosten der Stadt in ein naheliegendes Hotel. Trotz dieses Erlebnisses war der ,Boom Sportif‘ wieder ein Highlight unserer Jumelage“, erinnert sich Bährle abschließend.

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