Schwetzingen

Umfrage Gemeindeoberhäupter erinnern sich an den Moment, als vor 30 Jahren die Mauer fiel / Herkunft der Florena Creme überrascht viele

Spreewaldgurken und Rotkäppchen-Sekt sind in aller Munde

Region.Die Spreewaldgurken und der Rotkäppchen-Sekt sind den Menschen nicht unbekannt. Auch nicht dem Oberbürgermeister und den Bürgermeistern in unserer Region. Gibt es ein DDR-Überraschungsprodukt? Ist eines im Alltag etabliert? Wir haben uns bei den Gemeindeoberhäuptern umgehört.

Dr. René Pöltl, Oberbürgermeister Schwetzingen: Ich war 22 Jahre, als die Mauer gefallen ist und habe das Ereignis im Fernsehen gesehen. Ich war fasziniert und es war sehr emotional. Natürlich gibt es Produkte, bei denen man nicht sofort weiß, dass sie aus dem Osten sind, aber bei den Bieren ist es meiner Meinung nach offensichtlich. Radeberger und Köstritzer zum Beispiel haben sich auf dem Markt etabliert. Diese trinken die Menschen nicht nur im Osten, sondern auch hier bei uns. Beim Knäckebrot kommt man nicht so drauf. Aber da ich auch welches kaufe, kennt man die Marken und die Herkunft dann doch.

Matthias Steffan, Bürgermeister Schwetzingen: Ich erinnere mich noch gut an den Mauerfall. Ich war 13 und saß mit meinen Eltern vor dem Fernseher. Ich war überrascht und beeindruckt. Die Emotionen der Menschen, die sich in die Arme fielen, sehe ich noch genau vor mir. Spreewaldgurken esse ich sehr gerne, die haben meine Frau und ich oft zu Hause – auch die Halloren-Sahnekugeln finde ich sehr lecker. Da ich nicht so der Biertrinker bin, genieße ich gerne mal ein Glas Rotkäppchen oder Weine von der Saale-Unstrut. Die schmecken sehr lecker. Überrascht hat mich tatsächlich, dass das Waschmittel Spee und die Florena Creme aus dem Osten kommen. Das habe ich zufällig in einer Dokumentation gesehen.

Jens Geiß, Bürgermeister Oftersheim: Ich hatte das Glück, dass ich den Mauerfall ganz bewusst miterleben durfte. Ich war 14 Jahre alt und bei meiner Tante und meinem Onkel. Wir haben es in den Nachrichten gesehen und den ganzen Abend das Ereignis am Fernseher mitverfolgt. Es war etwas ganz Besonderes. Im Mai 1990 war ich dann in Berlin und bin auch nach Ost-Berlin gefahren – ich habe also die DDR auch noch erlebt. Bei Produkten fallen mir natürlich sofort die Spreewaldgurken und der Rotkäppchen Sekt ein. Da ich Hobby-Schlagzeuger bin, hatte ich früher auch mal eine Trommel, die von einer Firma aus der DDR war.

Nils Drescher, Bürgermeister Plankstadt: Die Spreewaldgurken esse ich sehr gerne. Meine Großeltern kommen aus Görlitz in Schlesien, also aus Ostdeutschland; mein Opa hat immer gern von der Zeit erzählt. Als die Mauer gefallen ist, war ich 14 Jahre alt. In der Schule wurde natürlich viel über dieses Ereignis geredet.

Patricia Rebmann, Bürgermeisterin Eppelheim: Als die Mauer gefallen ist, war ich erst elf Jahre alt. Es war mir zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich klar, dass die DDR eigentlich auch mal Deutschland war. Das habe ich im Geschichtsunterricht erst später gelernt. Mein Vater war Jahrgang 1927 und im Krieg. Er sagte damals, es ist das ,Ende einer Geschichte‘. Es hat ihn mitgenommen, was damals mit Deutschland passierte – er hat beim Fall der Mauer geweint. Heute verstehe ich das alles. Eine Partnerstadt von uns ist Wilthen, bei Besuchen bringen sie nicht nur den Schnaps mit, sondern auch einen Eierpfannkuchenteig. Dass die Florena Creme, die ich auch benutze, aus dem Osten kommt, wusste ich nicht. Das überrascht mich. Und klar die Spreewaldgurken sind auch sehr lecker.

Dr. Ralf Göck, Bürgermeister Brühl: Ich verschenke gerne Rotkäppchen-Sekt und auch Spreewaldgurken und Florena Creme sind Produkte, die mir im Alltag begegnen. Bei der Creme hat es mich überrascht, dass sie aus dem Osten kommt. Als die Mauer gefallen ist, war ich 26 Jahre. Das war zunächst unglaublich. Einige Jahre davor bin ich in Brühl einem Geflohenen begegnet, der im Gefängnis in Bautzen war und uns von Elektroschocks erzählt hat. Das war damals unvorstellbar.

Jürgen Kappenstein, Bürgermeister Ketsch: Die Erinnerungen an den Mauerfall sind mir immer noch präsent. Ich befand mich seinerzeit mit meiner Frau Claudia in den Vorbereitungen auf unsere anstehende Hochzeit. Wie die meisten der Deutschen, verfolgten wir gespannt die Geschehnisse an den Fernsehgeräten. Die Freude war natürlich riesengroß, als wir sahen, wie die Menschen die Grenzen ohne Hindernisse passieren konnten. Kurze Zeit davor befanden wir uns mit einem Chor, in dem wir beide sangen, auf Konzertreise in Polen und mussten die Erfahrung machen, was es heißt, an der Grenze zu stehen und nicht zu wissen, ob man weiterfahren darf oder nicht. Zu der Zeit war ich 25 Jahre alt. Die ostdeutschen Produkte, auf die ich nicht verzichten möchte, sind die Spreewaldgurken, der Bautz’ner Senf, das Köstritzer Bier und der Rotkäppchen-Sekt! caz/vas/Archivbilder: Lenhardt (3), Gemeinde Brühl, Grössl, Geschwill, Lackner

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