Schwetzingen

Hospizwoche Autorenlesung mit Dr. Christine Bruker und Christoph Schmidt / Warum die Begleitung in den Tod einfach wichtig ist

Sterbehilfe literarisch thematisiert

Oxymoron – dieses Wort bezeichnet zwei gegensätzliche Begriffe, die im Widerspruch stehen, oder sich gegenseitig ausschließen, wie bittersüß oder Hassliebe. So betitelt ist der Krimi, der im Zuge der Hospizwoche in Form einer Autorenlesung rund 40 Besuchern in der Stadtbibliothek vorgestellt wurde. Doch was hat die Autoren bewegt, gerade die oft kontrovers diskutierte Sterbehilfe in einem Krimi zu thematisieren?

„Als 2015 die Regelungen zum Thema Sterbehilfe in Deutschland in der gesetzlichen Diskussion standen, haben Christoph Schmidt, Allgemein- und Palliativmediziner, und ich begonnen, gemeinsam einen Krimi zu schreiben. Es ist, sozusagen unsere Art des Engagements, die Hospizbewegung zu unterstützen, deren Arbeit so wertvoll für die Gesellschaft ist. Es entsteht über das Lesen eines Krimis für den Leser ein völlig neuer Zugangsweg zu dem Thema“, berichtet Dr. Christine Bruker, Mitautorin und Sozialwissenschaftlerin. Musikalisch wird die Lesung mit Geigenmusik von Klaus Holland und Horst Riedinger umrahmt.

Im Mittelpunkt des Krimis steht der Tod von Anna Rosenkranz. Die Protagonistin erleidet im Alter von knapp 45 Jahren einen Schlaganfall und hadert angesichts der daraus resultierenden gesundheitlichen Probleme mit dem Leben. Weit entfernt sind ihre Jugendträume, eine international bekannte Tänzerin zu werden. Das Schicksal hat es anders gemeint mit Anna. Unglückliche Beziehungen, Geldsorgen und die täglichen Herausforderungen, als alleinerziehende Mutter ihrer Tochter eine aus ihrer Sicht bessere Zukunft zu ermöglichen, stehen im Mittelpunkt ihres Lebens – bis zum Schlaganfall. Ihre neue Lebensrealität fordert die Menschen um Anna. Ihre Tochter Helene, das Personal des Pflegeheimes Krokusblüte und ihr betreuender Palliativmediziner Jessen haben unterschiedliche Blickwinkel auf die Situation. Und eines Tages im November ist Anna tot.

Die darauf folgenden Abläufe wie die Leichenschau, das Ausstellen des Totenscheins und die Arbeit des Bestatters laufen aneinandergereiht ab. Dann geschieht etwas Unvorhergesehenes – oder auch nicht? Dr. Jessen setzt das Kreuz im Totenschein nach der Frage, ob Annas Tod auf eine nicht natürliche Weise eingetreten wäre, bei „ja“. Die Ermittlungen beginnen: War es Mord oder eventuell ein assistierter Suizid? Kann der Tod eine Erlösung sein? Viele Fragen, die es zu klären gibt, viele gesellschaftliche und moralische Aspekte und ein Blick auf die Selbstbestimmung und Solidarität in der heutigen Zeit eröffnen sich dem Leser.

„Wertvoller Teil der Gesellschaft“

Dem Autorenduo gelingt es, Hospizarbeit auf einem anderen Weg zum Thema zu machen. „Die Hospizbewegung ist ein wertvoller Teil der Gesellschaft. Wer alt oder krank ist, soll keine Last sein, deshalb sehe ich die ehrenamtlichen Hospizhelfer wie gute Gärtner im Garten der Gesellschaft“, betont Christoph Schmidt. Dass Intuition und Bauchgefühl bei der Arbeit im Hospizdienst besonders wichtig sei, ergänzt Dr. Bruker.

Gerne nimmt das Publikum an diesem Abend diese Gedanken auf. „Die gute Zusammenarbeit zwischen Palliativmedizin und Hospiz spielt eine große Rolle, damit sich Menschen nicht alleingelassen fühlen, dies hat sich in den Jahren positiv entwickelt“, berichtet Uwe Schreiber, Hospizbegleiter aus Bruchsal. Besonders schön und wertvoll ist die Sichtweise von Renate Abramowski aus Brühl, die ihre ganz persönliche Erfahrung mit dem Thema Hospiz am Ende der Lesung spontan teilte: „Ich habe meinen Mann vor knapp zwei Jahren verloren. Er war zehn Tage lang im Hospiz und sein Sterben hätte ich zuhause nicht so gestalten können, wie es dort möglich war. Soviel Nähe und so viele bewegende Momente haben wir gemeinsam dort erlebt und ich kann nur sagen: Er hatte einen schönen Tod.“

Auch die ehrenamtlichen Hospizhelfer setzen gerne ihr Engagement und viel Zeit dafür ein, damit solche wertvollen Lebensmomente möglich sind. Schön, dass es diese Menschen in unserer Gesellschaft gibt.

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