Schwetzingen

Telefonsprechstunde Die nicht-alkoholische Steatohepatitis bleibt oft undiagnostiziert / Auslöser für Leberzellenkrebs und Herzinfarkte

„Stiller Tsunami“ im Körper

Archivartikel

NASH – der stille Leberkiller ist Inhalt einer Telefonsprechstunde, die diese Zeitung in Kooperation mit Dr. Birgit Kallinoswski (Bild oben) und Dr. Alexandra Zahn (Bild unten) von der Gastroenterologisch-Onkologischen Schwerpunktpraxis in Schwetzingen am Donnerstag, 14. November, zwischen 18 und 19 Uhr anbieten.

Doch was genau ist NASH? Die Nicht-alkoholische Steatohepatitis (kurz: NASH) ist bereits heute die nächste große Lebererkrankung. Sie ist die fortgeschrittene Form der nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD). Bei der einfachen Fettleber sammeln sich Fettkügelchen in den Leberzellen an. Ungefähr 20 Prozent der NFALD-Patienten entwickeln zusätzlich eine nicht-alkoholische Hepatitis, eine deutliche Fettleberentzündung (NASH). Insbesondere in Industrieländern gibt es immer mehr Menschen mit Übergewicht und Insulinresistenz, was oft auch zu einer Verfettung der Leber führt. Bei einem Teil der Betroffenen kommt es nicht nur zu einer einfachen Leberverfettung, sondern zur gefürchteten entzündlichen Form. Das Ausmaß ist so groß, dass NASH bereits als „stiller Tsunami“ bezeichnet wird: Weltweit sind nach Schätzungen des Global Liver Institute bereits heute 115 Millionen Menschen von dieser schweren Verlaufsform der Fettlebererkrankung betroffen. Bis 2030 könnte sich die Zahl mehr als verdoppeln und 357 Millionen Menschen betreffen.

Dunkelziffer weitaus höher

Ähnlich wie andere Lebererkrankungen zeigt auch die NASH nur unspezifische Symptome wie Abgeschlagenheit, Unwohlsein. Daher bleiben viele NASH-Patienten undiagnostiziert und es ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen. Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen erhöhen auch das Risiko für andere Krankheiten, wie Zahlen aus den USA zeigen: Über 70 Prozent der Betroffenen sind fettleibig, über 75 Prozent haben Diabetes Typ 2 und je nach Untersuchung haben 20 bis 80 Prozent der Patienten erhöhte Cholesterinwerte. Wenn der NASH nicht entgegengesteuert wird, kann diese über eine vermehrte Narbenbildung der Leber ( Leberfibrose) zu einer Leberzirrhose führen, auf deren Boden sich dann auch ein Leberzellkrebs entwickeln kann. Bei vielen anderen Lebererkrankungen wie Virushepatitis C oder alkoholbedingten Leberschäden steigt das Leberkrebs-Risiko erst dann stark an, wenn die Leber bereits vernarbt ist. Nicht so bei NASH: Hier kann Leberzellkrebs auch schon in früheren Stadien der Leberschädigung, also auch schon vor der Leberzirrhose auftreten.

NASH kann zusätzlich zu Arteriosklerose führen, wodurch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erheblich ansteigt. Obwohl NASH äußerst weit verbreitet ist und schwere Folgen für Gesundheit und Lebenserwartung haben kann, ist die Erkrankung relativ unbekannt. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage wussten gerade einmal sechs Prozent aller Menschen aus Risikogruppen mit der Bezeichnung NASH etwas anzufangen.

Gegen NASH kann man heute bereits einiges tun, obwohl es noch keine Medikamente speziell gegen diese Erkrankung gibt. Lebensstiländerungen sind nach wie vor die Therapie Nummer eins und können sowohl die Entzündung als auch Verfettung in der Leber zurückdrängen. Aktuell existieren noch keine zugelassenen Medikamente speziell gegen NASH. Eine ganze Reihe von Substanzen wird derzeit in Studien intensiv zu diesem Zweck erforscht, aber es ist noch nicht klar, welche dieser Arzneimittel alle klinischen Prüfungen bestehen und eines Tages zugelassen werden könnten.

Und: Sport- und Diätprogramme sind so erfolgreich und wichtig, dass diese auch in Medikamentenstudien gegen NASH eingesetzt werden. Selbst wenn es eines Tages Medikamente gegen die Erkrankung geben sollte, bleiben eine gesunde Ernährung und vermehrte Bewegung ein unverzichtbarer Baustein der Therapie. Mit gesunder Ernährung, Verzicht auf fruktosereiche Nahrungsmittel, Abbau von Übergewicht, und durch vermehrte Bewegung kann sich die Leber bei vielen Betroffenen teilweise oder ganz erholen, insbesondere im frühen Stadium. Selbst schon ein Gewichtsverlust von fünf Prozent des Ausgangsgewicht – also vier Kilo bei einem initialen Gewicht von 80 Kilo – kann schon zu einem deutlichen Abfall der erhöhten Leberwerte führen. Wie die deutsche Leitlinie für Fettlebererkrankungen erklärt, kann vermehrte Bewegung sogar gegen Fettleber helfen, wenn eine Gewichtsreduktion nicht erreicht wird. zg

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