Schwetzingen

Wollfabrik Fünf Dänen zollen Bryan Adams Tribut und stehen Original in nichts nach / Mit viel Hingabe bewahren sie die unverkennbare Essenz des kanadischen Rocksängers

Sympathieträger performen auf höchstem Niveau

Archivartikel

Wie viel Wirkung ein Mann mit einer Akustik-Gitarre auch in Zeiten elektronischer, von DJs produzierter Tanzmusik hat, das stellte Claus Hassing am Samstagabend in der Wollfabrik unter Beweis. Der blonde Däne mit einem ebenso verschmitzten wie charmanten Lächeln auf den Lippen hat unter anderem durch seine Teilnahme am dänischen „Eurovision Song Contest“ die nötige Bühnenerfahrung, um nur mit Gitarre und einer unverkennbaren Stimme bei einem ganzen Saal Gänsehaut auszulösen. Und so treibt es bei „Please forgive me“ nicht nur eingefleischten Bryan-Adams-Fans Tränen in die Augen. Dabei kündigte Hassing zuvor an: „Wenn ich anfange zu weinen, müsst ihr singen!“

Die Augen bleiben zwar trocken, doch der Frontmann von „Bryan Adams Tribute“ zeigt sich nach so viel Emotion um Worte verlegen. Was also tun, wenn einem die Worte fehlen? Einfach weitersingen – bei „When you’re gone“ gesellt sich auch der Rest der Band wieder dazu. Blonde Haare, schwarze Kleidung und unglaublich viel Spaß auf der Bühne – das ist das Markenzeichen von Sänger Hassing, Lasse Baggenaes an der Leadgitarre, Rune Thorhauge am Schlagzeug, Christian Thrane am Bass und Filip Winther am Keyboard.

Zu Beginn des Abends sah man sich ein wenig verwundert um, die Wollfabrik schien nicht annähernd ausverkauft zu sein – ein möglicher Zusammenhang: das lang ersehnte DFB-Pokalfinale als Konkurrenzveranstaltung, die sicher so mancher Fußballfan an diesem Abend vorzog. Im Laufe der Show zeigt sich aber: Die Anwesenden machen, in Kombination mit der stimmungsvollen, energiegeladenen Band, die jeden zum Mitsingen animieren konnte, mehr Stimmung als bei so manch anderer ausverkauften Show.

Wie ein Privatkonzert

Schon beim passend ausgewählten Auftakt-Song „Here I am“ wird ordentlich Lärm gemacht, spätestens bei „Somebody“ hält es dann niemanden mehr auf dem Stuhl. „Es hat was von einem Privatkonzert“, findet Elisabeth Polzer aus Ketsch, Marco Pedretti aus Oftersheim sagt: „Die sind absolut professionell. Auch wenn es nicht so voll ist – die haben ein Lächeln im Gesicht und bringen mit ihrer guten Laune einfach jeden zum Klatschen und Mitsingen.“

Doch es sind insbesondere die langsameren, gefühlvollen Lieder wie „Heaven“, die erkennen lassen, auf welchem Niveau sich die sympathischen Männer aus Dänemark bewegen. Mit Hingabe und Professionalität schaffen sie den Spagat zwischen dem Einfluss ihrer eigenen, persönlichen Note und der unverkennbaren Essenz von Bryan Adams, die über das gesamte Konzert beibehalten wird. Darüber hinaus bekommt man das Gefühl, die fünf Dänen freuen sich ebenso sehr über ihren Besuch in der Spargelstadt wie umgekehrt und es fallen zwei Dinge auf, die sie mögen und die es in Dänemark offenbar nicht gibt: Zum einen das Welde-Bier, mit dem Claus Hassing zwischen den Liedern regelmäßig seinen Fans zuprostet.

Doppelte Zugabe

Zum anderen die Räumlichkeit: „Es ist so wunderschön hier, in Dänemark gibt es Locations mit Empore gar nicht“, stellt er fest, immer wieder wandert sein Blick glücklich zu den oberen Rängen. „Schwetzingen, it’s good to be back“ („Es ist schön, wieder hier zu sein“), heißt es bereits am Anfang, gegen Ende wird der passende Titel „Can’t stop that thing we started“ gespielt – wir wollen eigentlich gar nicht aufhören, lautet die Botschaft. Die Schwetzinger gehen damit konform: Nach den letzten Nummer-1-Hits wie „Summer of ’69“ und „Everything I do“ wird sogar die Tür zugehalten, damit die Band auch ja nicht ohne Zugabe den Saal verlässt. Und die gibt’s dann mit „Kids want rock“ und „Straight from the heart“ gleich doppelt.

Selten hat man nach einem Konzert derart intensiv den Eindruck gewonnen: Diese Band hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht.

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