Schwetzingen

Alte Wollfabrik Bruce-Springsteen-Tribute-Band „Bosstime“ klingt beinahe wie das Original / Missverständnisse aufgeklärt

Thomas Heinen lebt diese Musik

Mag sein, dass in Lissabon gerade der Eurovision Song Contest über die Bühne ging. In der Alten Wollfabrik kümmerte das niemanden. Zündete die Bruce-Springsteen-Tribute-Band „Bosstime“ doch ein gigantisches Rockspektakel, das alles außerhalb dieser Mauern vergessen ließ. Von „Because the night“ über „Little girl“ bis zu „Born in the USA“ präsentierte die Truppe um den Sänger und Gitarristen Thomas Heinen alles, was Springsteen-Fan-Herzen höher schlagen lässt. Ehrliche Musik, gerade heraus, unverwechselbar und voll unter die Haut.

Es war das erste Mal, dass „Bosstime“ in der kurfürstlichen Residenz antrat. Doch von langsamer Annäherung zwischen dem Schwetzinger Publikum und den Kölnern Musikern konnte keine Rede sein. Es war wohl musikalische Liebe auf den ersten Blick. Anders ist die entfesselte Begeisterung kaum zu erklären.

Illusion ist beinahe perfekt

Die sechs Musiker verstanden ihr Kunsthandwerk bis ins Kleinste. Der Frontmann Thomas Heinen, Moritz Schuster (Piano), Johannes Biegel (Schlagzeug), Pierre De Stefano (Saxofon), Thomas Spindeldreher (Gitarre) und Christian Golz (Bass) gelang es immer wieder, das Publikum glauben zu machen, dass der Boss gerade wahrhaftig in der Alten Wollfabrik ist. Nicht nur wegen der musikalischen Kraft dieses Sextetts, nein auch die Art und Weise des Auftrittes machte die Illusion annähernd perfekt.

Dabei nutzte Heinen immer wieder die Gelegenheit, einige Dinge um Springsteen richtigzustellen oder zu vertiefen. „Born in the USA“ sei beispielsweise kein dumpfes Patrioten-Lied, sondern ein ironischer und kritischer Seitenhieb.

Fast schon philosophisch

Umjubelt war auch seine Feststellung, dass die Welt uns allen gehöre. Es gebe dabei nur eine Regel, „behandle so, wie du selbst behandelt werden möchtest“. Keine Frage: Musikalisch und philosophisch finden sich Springsteen und Heinen auf einer Wellenlänge. Und das war die ganze Zeit über zu spüren.

Der Mann spielt die Songs nicht nur, er lebt sie auch Und das war gar nicht so weit weg von der Besucherin Madeleine von Bremen, die vor Glück über beide Ohren strahlend erklärte: „Das hier ist für mich Leben und Freiheit.“ ske

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