Schwetzingen

Schlosskapelle Wie ein Kammerchor durch gregorianische Gesänge meditative Stille und Entspannung herbeizaubert

Tief in die Seele der Mönchsgesänge tauchen

Archivartikel

Seit Jahren schon kommt der ukrainische Kammerchor „Gregorianika“ nach Schwetzingen, um den Zuhörern hier gregorianische Gesänge, eigene Kompositionen und ukrainisches Liedgut zu präsentieren. Auf der diesjährigen Deutschlandtournee machte er in der Schlosskapelle halt, wo jedoch nur fünf der üblicherweise sieben Sänger auftraten.

Aber auch in dieser reduzierten Formation schafften es die Männer mit ihren warmen Stimmen und erhabenen Gesängen, die Zuhörer zu ergreifen und eine meditative Atmosphäre zu erzeugen. Traditionell eingehüllt in schlichte Mönchskutten mit Kapuze traten sie, das „Kyrie Eleison“ singend, nach vorne und demonstrierten in der gut gefüllten kurfürstlichen Kapelle die Spannbreite ihres Repertoires. In griechischer, ukrainischer, lateinischer und deutscher Sprache boten sie ein Programm dar, das Gesänge aus dem frühen Mittelalter bis in die heutige Zeit umfasste.

Mit den bekannten und berühmt gewordenen Liedern „Ave Maria“, dem „Mönchsgebet“ oder „Puer natus est nobis“ („Ein Kind ist uns geboren“) gelang es authentisch, Spiritualität und tiefen Glauben zu transportieren. Der makellose mehrstimmige Klang der unverwechselbaren Stimmen unterstrich die tiefgreifende Wirkung der klassischen gregorianischen Gesänge, darunter ganz besonders „In Cantabile“ oder „Ameno“.

Eine wunderbare „Auferstehung“

Die Faszination, die zur Meditation führt, war bei den Chorälen „Victimae Paschali Laudes“ – ein dem österlichen Schlachttier geweihter Lobgesang aus dem 11. Jahrhundert –, „Auferstehung“ und vornehmlich in „Rorate caeli desuper“ („Tauet, Himmel, von oben“) zu spüren. Letzteres stammt aus dem alttestamentarischen Buch „Jesaja“ und wird meist im Advent frühmorgens oder am Abend bei Kerzenschein bei einer „Roratemesse“ gesungen. Bis in die Höhen eines engelsgleichen Soprans zeigen sich vor allem die Tenöre Serhiy Rybyn und Maksym Shpynda, die in mehreren Liedern den solistischen Part übernehmen.

Über eine sonore Bassstimme verfügt der Leiter des Chors, Oleksiy Semenchuk, der auch jeden Titel ankündigte, während Petro Pavlinksyy und Bohdan Slipak das Quintett mit Baritonstimmen ergänzen. Ursprünglich sieben Sänger, die allesamt am Konservatorium im ukrainischen Lemberg eine klassische Gesangausbildung genossen haben, treten seit 2004 in vielen Orten auf und feiern Erfolge, auch ohne dramatische Licht- oder Showeffekte sowie andere akustische Untermalungen heranzuziehen.

Nur im Konzert Nr. 3, „Herr, deine Kraft“ des ukrainischen Komponisten Dmytro Bortniansky (1751– 1825) kam die Melodica zum Einsatz. Ansonsten entführte das Quintett allein mit den unverwechselbaren Stimmen in andere Welten und ungewohnte Klänge. Einige Zuhörer im Publikum waren mit gefalteten Händen auszumachen und mit geschlossenen Augen, um die in der Kapelle widerhallenden Gesänge noch intensiver wahrzunehmen.

In einer immer schneller werdenden Welt wirkte diese Musik wie ein Ruhepol. Die Leidenschaft für gregorianische Gesänge war bei den Sängern genauso zu spüren wie die Liebe zum Liedgut ihrer Heimat. Dementsprechend schön fiel das ukrainische Volkslied „Das Mädchen am Fluss“ aus. Die Zuhörer zeigten sich dankbar und nach begeistertem Applaus verabschiedete sich der Chor mit dem Schlaflied von Brahms „Guten Abend, gute Nacht“.

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