Schwetzingen

Rund um den Schlossplatz Gäste stechen königliches Gemüse auf simuliertem Acker / TV 1864 sorgt für ein munteres Bewegungsprogramm / Jörg Schreiner gibt musikalisch den Ton an

Tolles Triptychon aus Spargel, Sport und Spaß

Archivartikel

Es sind Tage wie diese, die Legenden schaffen. Die Sonne stand hoch über dem Schlossplatz, die Bahn für das legendäre Spargelscheesenrennen des Schwetzinger Stadtmarketingvereins war bereitet und Hoheiten wie Stadtspitzen bereiteten sich darauf vor. Ein Rennen, das mit Fug und Recht als eines der außergewöhnlichsten in der Metropolregion gelten darf. Denn neben dem Heuballen, der in die Scheese gewuchtet werden muss, hatten die kurfürstlichen Spargelsportler auf der Strecke noch Schürze und Handschuhe anzuziehen und einen Spargelschnaps zu trinken. „Durchaus anspruchsvoll“, kommentierte Oberbürgermeister Dr. René Pöltl, der für einen solchen Spaß freilich zu haben ist.

Für ihn war es nicht das erste Rennen. Aber angesichts des großen Jubiläums sei es doch etwas Besonderes – gerade auch wegen den royalen Gegnerinnen. Gegen Spargelkönigin Janine I. und deren Vorgängerin Katharina I. sowie die Wachenheimer Weinprinzessin Svenja und die Rosenkönigin Theresa aus Karlshuld zeigte er eine gewisse Anspannung. Am Ende, nach einem spannenden Lauf, neigte sich das Rennglück aber trotzdem in Richtung Pöltl, Bürgermeister Matthias Steffan, Doris Mullis aus der amerikanischen Partnerstadt Fredericksburg und Pfarrer Mathis Goseberg – die Hoheiten wurden Siegerinnen der Herzen. Durchaus verdient, aber den Detail-Preis bekam ohne Frage die frühere Spargelkönigin Katharina Becker. Sie lief als einzige stilecht in Absatzschuhen. Eine Königin, so Katharina, „laufe immer auf hohen Schuhen“. Bei den weiteren Rennen – moderiert von Oskar Hardung und Gerhard Rieger – konnten sich dann jeweils der TV 1864 gegen das Team „Capoeira“, das Brautteam „Vanessa’s Spargelspitzen“ gegen ein Zuschauerteam und zum Schluss, beim Maskottchen-Rennen, der TV-1864- Schorsch gegen Fred Fuchs von dieser Zeitung durchsetzen.

Moritz sticht den Spargel prima

Sportlich weiter ging es mit den TV-1864-Disziplinen Spargel-Olympiade, Bobbycar-Rennen und Spargelweitwurf. Der Schwetzinger Verein zeigte hier lobenswerten Ideenreichtum und wurde mit etlichen Teilnehmern und Zaungästen belohnt. Da schauten auch gerne Kinder vom Fest der Landeskirchlichen Gemeinschaft, die eine Hüpfburg aufgebaut hatte, vorbei. Vor allem das Bobbycar-Rennen schien viel Spaß zu machen. Die beiden vier-jährigen Ilinia und Vicenco und der zweieinhalb jährigen Tim ließen gegenüber ihren Eltern keine Zweifel aufkommen, dass dieses Event etwas Zeit in Anspruch nimmt.

Ganz anders, jedoch nicht weniger fesselnd erwies sich der kleine Spargelacker der kurfürstlichen Spargelgenossenschaft auf dem Schlossplatz. Den Brüdern Moritz (7) und Felix (5) machte es sichtlich Spaß, in dem Sandhügel nach dem „weißen Gold“ zu suchen. Moritz erwies sich dabei fast schon als alter Hasen. Hat er doch in seiner Kindergartenzeit bereits einmal Spargel gestochen. Hermann Wörn, der letzte Bauer, der in Schwetzingen 1985 noch mit Pferd und Pflug einen Spargelacker bearbeitete, zeigte sich jedenfalls beeindruckt. Wie ein Profi grub Moritz den Spargel aus, stach in an der richtigen Stelle und machte das Loch anschließend wieder zu.

Ein echter Hingucker war die Leihgabe aus der neuen bayerischen Partnerstadt Schrobenhausen in Form eines Pferdegespanns in Originalgröße samt Pflug und Bauer aus Holz. Frei nach dem römischen Motto „Brot und Spiele“ sorgten auf dem Schlossplatz der gemischte Chor „Alive Vocals“ mit Unterstützung vom Sängerbund-Liederkranz aus Oftersheim und die Landfrauen für kulinarische Abwechslung. Bei Küchen Kall konnte das Pfannkuchenbacken live verfolgt werden. Die Stadtwerke und Möbel Höffner reihten sich mit ein und Volker Schatten („CarZins“) aus Düsseldorf sorgte mit einem weißen Porsche 911 Carrera Targa Baujahr 1985 für Aufsehen. Er lobte als Tagespreis eine Ausfahrt mit dem Oldtimer aus, der zudem nächstes Jahr verlost wird. Eine Beratung in Sachen Oldtimer-Investment gab’s obendrauf und Appetit auf dem Concours d’Elegance im September wurde auch gleich gemacht.

Abwechslung und vor allem etwas mehr Schatten bot der Durchgangsweg vom Schlossplatz zur Dreikönigsstraße. Neben Autogrammstunden der Majestäten und Hoheiten inklusive Spargelkreationen aus Marzipan sorgten hier vor allem die Kunstausstellungen von Schwetzinger Schulen und das begehbare Kochbuch „Spargel to go“ für Verkehr. Jörg Schreiner und dessen Tochter Lilli Marlen hatten dafür die richtige Musik für das junge Publikum mitgebracht.

Am frühen Abend stieg dann auch noch die viel beachtete Stadtmeisterschaft im Spargelweitwurf – eine echte Gaudi. Bei den Junioren gewann Leon Schmaderer vor Nick Hirning und Yannick Getto. Jule Schimmele bei den Damen (16,4 Meter) und Simon Kühbauch (22 Meter) bei den Herren warfen das Plastikgemüse am weitesten. Schimmele gewann auch die Damengesamtwertung (es wurden immer die zwei weitesten Würfe addiert) und Joachim Tremel-Pitsch die bei den Herren. Es gab Sekt und Kurfürstenkarten.

Schlossplatz und Zwischengang waren nur zwei kleine Flecken des Spargelsamstages. Aber sie boten alles, was das „savoir vivre“ in der Perle der Kurpfalz ausmacht – inklusive der tollen Sandskulptur von Yosef Bakir.

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