Schwetzingen

Nordstadt-Apotheke Grüne diskutieren über Digitalisierung

Transportroboter schafft mehr Zeit für die Beratung

„Wollen Sie das Windows-Update jetzt durchführen und den Computer neu starten?“ Diese Frage war auf einem der zwei großen Bildschirme hinter den Kassen in der Nordstadt-Apotheke zu lesen. Das Betriebssystem hätte keinen passenderen Zeitpunkt für die Meldung wählen können. Denn Apothekeninhaber Dr. Jürgen Sommer hatte seine Türen geöffnet, um mit dem Grünen-Bundestagsabgeordnetem Dr. Danyal Bayaz und der Grünen Jugend Kurpfalz-Hardt über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Pharmaindustrie und lokale Apotheker zu sprechen.

In seiner Einführung kritisierte Sommer den europäischen Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, „der auch nicht digitaler als wir in der Nordstadt-Apotheke agiert“, wie er sagte. In Deutschland würden ausschließlich deutsche und niederländische Versandapotheken Medikamente an Kunden verschicken. Dafür müsse erst das Rezept vom Kunden vorliegen, „damit der Postbote dann ganz anlog ein paar Tage später die Bestellung liefern kann“, führte Sommer aus.

Während sich die deutschen Versandhändler „genauso wie jede ansässige Apotheke an die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten halten muss, handeln Onlineanbieter aus den Niederlanden wie DocMorris oder die Shop-Apotheke mit ihren billigeren Preisen rechtswidrig“, ärgerte sich der Apothekeninhaber, der auch für die CDU-Fraktion im Schwetzinger Gemeinderat sitzt. Das habe der Europäische Gerichtshof mit seinem Urteil im Jahr 2016 auch deutlich gemacht.

Mehrwertsteuer nicht abgeführt

Gemeinderätin und Sprecherin der Grünen Jugend, Weihua Wang, sprach sich für eine Aufhebung der Preisbindung aus. Sommer argumentierte, dass dies die Preislücke dennoch nicht schließen würde, da die niederländischen Versandapotheken die 19 Prozent Mehrwertsteuer, die sie von deutschen Krankenkassen überwiesen bekommen, nicht abführen würden. Bayaz merkte an, dass er seine Kontaktlinsen online bestelle, aber bei Medikamenten immer in lokale Apotheken gehe: „Denn dort werde ich fachlich beraten, was vielen Kunden immer noch sehr wichtig ist“.

Dem konnte Sommer nur zustimmen. Dank des Kommissionierautomaten hätten er und seine Mitarbeiter dafür auch mehr Zeit. Denn dieser liefert – nach dem das Rezept vom Scanner automatisch ausgelesen wurde – per Tastendruck die Medikamente direkt an die Kasse. „Durch den Roboter müssen wir nicht mehr selbst suchen und können in dieser Zeit den Kunden beraten“, erklärte Sommer. cao

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