Schwetzingen

Heiligabend Über 600 Menschen verfolgen Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche online

Über das Leben als Wunder und Lichtblick

Archivartikel

Schwetzingen.Es ist Weihnachten. Wie immer. Und doch, so Pfarrer Steffen Groß in seinen Worten zum Gottesdienst am Heiligen Abend, sei nur wenig wie immer. Deutlichster Hinweis auf dieses Anderssein ist das leere Kirchenschiff. Abgesehen von den Protagonisten rund um Groß, das Schwetzinger Bläserensemble unter der Leitung von Ralf Krumm, den Intendanten des Theaters am Puls, Joerg Steve Mohr, und der Hebamme Waltraud Hauth herrschte in der evangelischen Stadtkirche gähnende Leere. Dieses Jahr, so Groß, kämen die Menschen nicht in die Kirchen, „dieses Jahr kommt die Kirche zu den Menschen“.

Der Rest bleibe wie gehabt: „Denn alles, was wir tun, tun wir für Gott und die Menschen.“ Und dieses Tun verbreitete tatsächlich auch auf digitalem Weg unter dem Titel „for your soul“ – für deine Seele – so etwas wie Ruhe und Geborgenheit. Glockengeläut, Musik und die Worte schufen ein Raum zum Innehalten, ließen andere Gedanken zu und machten Hoffnung.

Wie selten zuvor stand der zentrale Satz des Weihnachtsfestes, „fürchtet euch nicht“, den die Engel den verängstigten Hirten zuriefen, im Mittelpunkt aller christlichen Überlegungen zu diesem seltsamen Jahr. Er beschreibt das Wunder der Menschwerdung Gottes. Er entschied sich, als schutzloses und verletzliches Kind in die Welt zu kommen. Gott ließ sich ganz und gar auf das zerbrechliche Leben des Menschen ein. Wie zerbrechlich, das haben die Menschen in diesen Monaten wie selten zuvor erfahren müssen. Die Entscheidung Gottes, in genau dieses Leben zu kommen, sei ein großes Zeichen der Liebe und Hoffnung. Für Groß ist es die kühnste Aussage des Christentums. Gott lässt sich auf Leben ein, auf das Leid, den Spott, die Schmerzen und sogar den Tod. Er beweist damit, dass er dem Menschen beisteht.

Manche Dinge ändern sich nicht

Worte, die von der Musik übrigens auf das Schönste untermalt wurden. Das Blechbläserensemble füllte den Kirchenraum auf wunderbare Weise und verführte dazu, den Rechner schnell an die Anlage mit ihren großen Boxen anzuschließen. So klangen dann auch die Lesung der Weihnachtsgeschichte des Theaterintendants Mohr gleich viel besser. Es ist ja nur eine kleine Geschichte von einem Paar, das in einem Stall sein Kind bekommt. Doch es ist die größte Geschichte der Welt. Ein Satz, den Hebamme Hauth dick unterstrich. Die Geburt eines jedes Kindes sei die größte Geschichte der Welt. Käme damit doch immer wieder neue Hoffnung in die Welt. Und so ist jede Geburt für Hauth ein Wunder. Kurz versetzte sie sich in die Lage des Paares, dem eine Geburt in einem Stall bevorstand. „Sie hatten sicher Angst.“ Als Erstes, so Hauth, hätte sie wohl Josef beruhigt. Da habe sich in den vergangenen 2000 Jahre wohl nur wenig geändert. Und dann hätte sie Maria Hoffnung gemacht und Mut zugesprochen. Bei allem Schmerz sei eine Geburt etwas Wundervolles, es entstehe Leben.

So außergewöhnlich sei ein Stall für eine Hebamme übrigens nicht. Kürzlich habe sie in der Pfalz in einem Weinberg entbunden. Und auch eine Sturzgeburt mit der drei-jährigen Schwester am Telefon habe sie schon in ihrer Bilanz. Eine gute Hilfe sei ihr dabei ihr Gottvertrauen. Es gebe ihr Ruhe und Kraft für das auch manchmal schwierige Wunder der Geburt.

Schwierig war auch dieser Gottesdienst im Netz. Von einem Wunder zu reden, würde zu weit führen. Ein digitaler Gottesdienst kann das Gemeinschaftserlebnis Kirche nie ersetzen. Aber er war eben doch für über 600 Menschen eine Hilfe. Andere Gedanken, Musik und auch der Verweis auf Größeres als das eigene Sein vermittelten Gelassenheit und Geborgenheit. Ja, es war digital. Und ja, es war nicht das gleiche. Doch es war herrlich schön und unterm Strich steht, es gibt Grund zur Hoffnung. ske

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