Schwetzingen

Ein Tag als ... (Teil 6) Wie die Mitarbeiter des Bauhofs die Spielplätze in Ordnung halten / Matthias Schneider kontrolliert jeden Donnerstag die 34 Anlagen

Unterwegs im Dienste der Sicherheit

Archivartikel

Die Schreinerei im Bauhof, kurz nach 7 Uhr. Matthias Schneider bereitet sich auf seine Kontrolltour über die Spielplätze der Stadt vor. So wie jeden Donnerstag. Ich darf dieses Mal dabei sein. Sicht- und Funktionsprüfungen auf den insgesamt 34 Spielplätzen stehen heute an, gibt Bauhofleiter Volker Ziegler uns mit auf den Weg. Die zehn Kindergärten der Stadt werden alle vier Wochen unter die Lupe genommen. Und immer montags ist die Alla-hopp-Anlage dran. Matthias Schneider fährt vom Hof in der Scheffelstraße runter und zuerst zur Anlage am Berliner Platz. „Alles muss genau dokumentiert werden“, sagt der 55-Jährige und schlägt den Aktenordner auf. Einzelne Mängel werden in einem Protokoll festgehalten, das dann über Volker Ziegler an Michael Lengler im Bauamt weitergereicht wird. Dort wird entschieden, was, wie und wann behoben wird.

Der erste Spielplatz auf der Tour ist so früh noch nicht von Kindern in Beschlag genommen. Der Mülleimer am Eingang quillt über. Die Stadtreinigung kommt heute noch, jeden Tag werden alle Spielplätze angefahren. Wir begutachten die Alu-Schaukel. Pflegeleicht, besser als Holz. Wenn Teile kaputt gehen, müssen sie ausgewechselt werden. Bei aufgetragener Holzschutz-Lasur ist Fäulnis schlechter zu sehen, hat Schneider bei einer Schulung gelernt. Alle zwei Jahre müssen er und seine Kollegen Andreas Schwechheimer und Bernhard List ein Seminar belegen, um sich über die neuesten Entwicklungen und rechtliche Vorschriften zu informieren. Sitz und Ketten der Schaukel sind in einem einwandfreien Zustand. Die Fläche der Rutsche ist glatt. Nichts steht raus, wo sich ein Kind verletzen könnte. Sonst hat die Stadt schnell mal eine Klage am Hals.

Die regelmäßige Wartung und Inspektion von Spielplätzen ist unerlässlich, beschreibt der 55-Jährige seine verantwortungsvolle Aufgabe. Alle Spielplätze werden von Zeit zu Zeit noch einer großen externen Prüfung unterzogen. TÜV-Experten bewerten auch die Erstabnahme von Spielplätzen und Geräten in Schulen, Kindergärten und öffentlichen Anlagen.

Matthias Schneider, seit 13 Jahren beim Bauhof beschäftigt, hat viel Erfahrung. Kleine Mängel behebt der gelernte Zimmermann sofort. Am Drehkarussell wurden schon zweimal die Gewinde ausgetauscht. Schneider zieht an den Seilen des Klettergerüsts. Er schaut, ob auch kein freistehender Draht zu sehen ist. Das muss dann durch eine Firma repariert werden. Der Sandkasten sollte demnächst aufgefüllt werden.

Wir fahren zum Spielplatz im Sudetenring. Am Zugang weist ein Schild auf die Regeln hin. Bis 20 Uhr darf getobt werden, nicht länger, auch nicht im Sommer. Der Spielplatz ist zu nahe an der Wohnbebauung. Keine Hunde, kein Alkohol, kein Feuer, keine Musik. Radfahren ist auch nicht erlaubt. Personen über zwölf Jahre dürfen die Spielgeräte nicht benutzen. Für sie ist der Bolzplatz nebenan da. Dort registriere ich eine leere Cognac-Flasche und weggeworfene Zigarettenkippen. Hier haben sich offensichtlich einige Müßiggänger vergnügt.

Strickleiter muss fest sein

Die Seilbahn ist gesperrt, der Sitz abgehängt. Auf den Stützen sitzen Tauben. Das Holz ist ziemlich verfault. Die Anlage wird komplett neu gemacht, sagt Schneider. Die rot leuchtende Motorrad-Federwippe, die ich auf ihre Standfestigkeit überprüfe, ist ganz neu. An dem Holzhäuschen wurden jüngst einige Lamellen ausgewechselt. Die Strickleiter auf das Klettergerüst muss fest mit einer Kette im Boden verankert sein. Schneider überprüft, ob die Seile nicht zu weit rausschwenken. Am Klettergerüst sind zwei Schrauben zu sehen. Eigentlich müssten sie durch Stopfen abgedeckt sein. Schneider notiert das. Sonst ist alles in Schuss. Ersatzteile müssen nicht bestellt werden.

Wir sind auf dem kleinen Spielplatz in der Pápa-Straße. Matej Satovic kommt mit Töchterchen Thea fast jeden Tag hierher. Der Spielplatz gefällt der Kleinen. „Johnson“ ist auch immer dabei. Dann liegt der graue Kater auf der Friedhofsmauer und döst. Matthias Schneider zieht an den jüngst erneuerten Seilen des Klettergerüsts. Die Stricke müssen eine bestimmte Länge haben und dürfen nicht durchhängen.

Wippe, Karussell und Trampolin

Die Spielplätze der Spargelstadt sind teilweise gut mit neuesten Geräten bestückt. Es gibt geknüpfte Seilnetzwerke, auf denen Kinder balancieren, wippen, klettern und hangeln können. Manche Plätze haben ganze Spieltürme, dazu Wippen, Karussells, Trampolins, Seilbahnen und Balanciergeräte. Andere bieten sogenannte Niedrigseilgärten mit einer Vielzahl von Kletter- und Balancierelementen. Bänke und Sitzgruppen sind oft vorhanden und laden große und kleine Besucher zum gemütlichen Verweilen ein. Der Fallbereich unter den Spielgeräten ist immer mit stoßdämpfenden Materialien wie Sand, Kies, Mulch oder Holzhackschnitzeln versehen. Auch das müssen die Kontrolleure vom Bauhof prüfen. Notfalls muss wieder mit Material aufgefüllt werden.

Neben Sand übt auch Wasser eine hohe Anziehungskraft auf Kinder aus. Bei Wasserspielen kann so richtig gematscht werden. So wie auf dem Spielplatz im Maschinenweg, den wir als nächstes ansteuern. Manchmal gebe es aber auch Probleme mit dieser Anlage, erklärt Schneider, als ich die Schleuse zu dem kleinen Bach öffne und das Wasser sprudelt. Zu viel Sand verstopfe den Abfluss. Einmal pro Woche komme eine Firma, die alle Leitungen ausspült. So könnten keine Bakterien entstehen und das Wasser bleibe immer frisch, beschreibt der Bauhof-Mitarbeiter das Prozedere. Die Kinder können das kühle Nass auch per Knopfdruck in Fluss bringen. Wir kontrollieren die Mini-Brücken über den Bachlauf. Da kommen selbst die Kleinsten sicher drüber. Die Seilbahn auf diesem Spielplatz wird bald ersetzt. Die Stützen werden dann aus Stahl sein. Das Areal am Maschinenweg hat noch einen Vorteil: Große Bäume spenden viel Schatten.

Zu den öffentlichen Kinderspielplätzen der Spargelstadt gehören auch die Spielbereiche in der Bahnhofanlage und der Spiel- und Bolzplatz sowie die Freizeitsportanlage im Freibad, ebenso die Multifunktionsanlage, der Trimm-dich-Pfad an der Sternallee, die Freizeitanlage am Jugendhaus in der Kolpingstraße sowie die Schulhöfe von Hebel-Gymnasium und Privatgymnasium. Nicht zu vergessen die Spielgeräte und der Schulhof von Hirschacker- und Südstadt-Grundschule sowie der Sportplatz der Zeyher-Grundschule.

„So einen Kletterbaum gibt es nur hier“, meint Schneider, als wir den Spielplatz am Marktplatz im Hirschacker unter die Lupe nehmen. Die große Spinne aus geknüpften Seilen ist sehr beliebt. Wer hier runterfällt, den fängt ein weicher Sandboden auf. An der Kletterburg aus Holz wurde schon einiges ausgewechselt. Auch die Seile sind noch relativ neu, stelle ich fest. „Dieses Jahr kommt noch der TÜV zur Überprüfung“, sagt Schneider, bevor wir in den Vogelsang fahren. Im Kletterbereich des dortigen Areals steht der „höchste Spielturm von Schwetzingen“, erklärt der 55-Jährige und misst nach: Die Höhe des Dachs beträgt stolze 4,50 Meter! Vor kurzem wurde ein neuer Holzbalken montiert. Die Balancier-Strecke ist in Ordnung. Der Spielplatz ist mit Blättern übersät, die jetzt schon wegen der großen Hitze fallen. Der Laubwagen des Bauhofs sei auch schon unterwegs, meint Schneider.

Tischtennisplatte lockt

Der Spielplatz an der Hirschacker-Grundschule ist zu, weil noch Ferien sind. Das Areal am Arionweg im Kleinen Feld ist sehr groß. Hier laden zwei Tischtennisplatten aus Beton ein. Spieler sind keine zu sehen. Schaukeln, Alurutsche und Drehtisch stehen unbenutzt unter schattenspendenden Bäumen. Eine neue Kletterleiter wurde vor kurzem installiert. Der Mini-Spielplatz neben der Rollschuhbahn in der Stamitzstraße ist mir noch nie aufgefallen. Ein Federtier, eine Tischtennisplatte, ein Sandkasten, zwei Reckstangen – das ist alles, was hier Kinder anlocken könnte. Der Bereich ist nur selten frequentiert, trotzdem muss das Areal regelmäßig kontrolliert werden. Heute, wenn ich dabei bin, ebenso wie am nächsten Donnerstag.

Als wir wieder weiterfahren, sehen wir einen vollgestopften Abfalleimer. Jemand hat seinen privaten Müll hier entsorgt. Eine Sauerei. Die Männer vom Bauhof holen den Unrat nachher ab.

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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