Schwetzingen

Sängerbund Standarte nach Restaurierung in Karlsruhe nun zurück in Schwetzingen / Früher feierte man festliche Weihen

Vereinsfahne strahlt wieder

Archivartikel

„Sie ist wunderschön geworden“, die Sängerbund-Vorstandsmitglieder Jutta Greulich, Sabine Rebmann und der Ehrenvorsitzende Oskar Hardung kamen regelrecht ins Schwärmen, als sie kürzlich ihre altehrwürdige Vereinsfahne nach mehrwöchiger Restaurierung bei einer Karlsruher Fachfirma wieder in Empfang nehmen durften. „Das gute Stück stammt immerhin aus dem Jahr 1914 und wurde damals anlässlich unseres damaligen 60-jährigen Vereinsjubiläums im Rahmen eines großen Festbanketts offiziell geweiht“, erfuhren wir von der Vorsitzenden Sabine Rebmann.

In den vergangenen Jahren nagte allerdings der Zahn der Zeit immer mehr an dem edlen Kleinod. „Einige Macken“, nannte es die Vorsitzende humorvoll, seien nicht mehr zu übersehen gewesen. „Insbesondere einige Brokat- und Stoffteile waren schadhaft und deutlich in die Jahre gekommen“, ergänzten Jutta Greulich und Oskar Hardung. Doch jetzt erstrahlt das kostbare, und sehr aufwendig verarbeitete Schmuckstück mit dem historischen Leitsatz „Zum Lied bereit zu jeder Stund, so blühe fort du Sängerbund“ wieder in neuem Glanz. Und darauf sind alle Sängerbündler sehr stolz.

Ursprung im 10. Jahrhundert

Auch über die Tatsache, dass sie mit dem Gründungsjahr 1854 der älteste Verein in der Stadt sind. „Schade ist nur, dass aufgrund der derzeitigen Corona-Auflagen keine große, öffentliche Präsentation möglich war“, bedauerten die Aktivposten. Vereinsfahnen haben übrigens eine sehr lange Tradition. Die dazugehörigen „Fahnenweihen“ sind in ihren ersten Ursprüngen bis ins 10. Jahrhundert belegt, und hatten damals meist einen militärischen, historischen Hintergrund. Auch in Vereinen sind sie bis heute eine Art Identifikation für die Gruppe, Symbol der Kameradschaft, des Zusammengehörigkeitsgefühls sowie des füreinander Einstehens in Not und Gefahr. Auch wenn diese symbolischen Bedeutungen heutzutage gesellschaftlich sehr an Wertigkeit verloren haben. Die Fahnenweihen waren eingebettet in große Feierlichkeiten, festliche Gottesdienste, Fahnenjungfrauen, Ehrendamen und jeder Gesangverein hatte seinen offiziell gewählten Fahnenträger, der sogar zum Vorstand gehörte.

Auch bei Turn-, Musik- und Schützenvereinen, Feuerwehren, Burschenschaften und Fußballern hatte die Vereinsstandarte ihre feste Tradition und wurde stolz zu jeder Festlichkeit sowie auch Beerdigungen mitgenommen. Insbesondere nach den Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts ging bei Vereinsneugründungen das Interesse an Vereinsfahnen allerdings deutlich zurück. Heutzutage fristen die Vereinsfahnen oftmals ihr Dasein in ebenfalls uralten „Fahnenschränken“ in Nebenzimmern von Clubgaststätten. Herausgenommen und präsentiert werden sie höchstens noch zu Jubiläumsveranstaltungen. Aber wegwerfen und entsorgen würde kein Verein seine heute noch existente Vereinsstandarte.

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