Schwetzingen

Lutherhaus Konzert „Klassik für alle“ mit Pianistin Tatjana Worm-Sawosskaja / Sherzod Salimov, Vizekonsul der Republik Usbekistan, reist extra dafür nach Schwetzingen

Verirrte Liebesträume und festliche Glockenklänge

Während die Kulturszene sich nur langsam von den Strapazen der vergangenen Monate erholt, beendete Pianistin Tatjana Worm-Sawosskaja ihre Konzertsaison mit einem großen Erfolg. Weit über die Grenzen von Schwetzingen hinaus, kennt man ihr Konzept „Klassik für alle“, zuletzt von den Open-Air-Konzerten in der Pápa-Straße. Unter allen Sicherheitsvorkehrungen verlagerte Worm-Sawosskaja das Konzertgeschehen nun wieder in einen Saal: Das Lutherhaus in Schwetzingen bot am Sonntagabend genügend Raum, um die Stühle mit großem Abstand zu platzieren.

In Zusammenarbeit mit der evangelischen Kantorei Schwetzingen wurde das Konzert erst möglich. Jeder Konzertgänger wurde begrüßt und einzeln in den Saal gelassen. Desinfektionsmittel und Mund-Nase-Masken lagen bereit. Am Platz angekommen, konnte man dann frei durchatmen und den Zauber der klassischen Musik auf sich wirken lassen. Der Vizekonsul der Republik Usbekistan, Sherzod Salimov, war extra angereist um das Konzert mit seinem Besuch zu beehren. In einer kurzen Rede zeigte er sich stolz und dankbar über die in Usbekistan geborene Pianistin. Durch das Projekt „Orient trifft Okzident“ stehen noch weitere Konzerte in Zusammenarbeit mit Worm-Sawosskaja an.

Musik und Projektionen vereint

Passend stand als erstes Stück auf dem Programm „Auf zur Feier!“ des usbekischen Komponisten Awas Mansurow. Das Gesamterlebnis aus Musik und Projektionen wurde komplett mit den historischen Hintergründen, die die Pianistin eindringlich schilderte. Dadurch wurde der Schmerz Beethovens über sein schwindendes Hörvermögen spürbar. Während das Porträt finster ins Publikum schaute, erklang am Steinway-Flügel das berühmte Allegro aus op. 2 Nr.1, gefolgt vom bitteren Grave-Allegro aus der Sonate pathétique op. 13. Einen ganz anderen Klang, zart, gelöst und doch traurig wählte Worm-Sawosskaja für das Nocturne cis-Moll von Chopin. „Voller Hoffnung“, so die Pianistin wan-delte sich das cis-Moll im Schlussakkord schließlich in Dur. Ein anderer Meister der Romantik bereicherte das Programm mit gleich drei Werken. Ein Seufzer der Befreiung schwebte mit „Un sospiro“ durch den Raum. „Consolation“ ist wörtlich und musikalisch eine Tröstung für Caroline zu St. Wittgensteyn, die für den Komponisten Franz Liszt ihre Heimat verlässt. Und schließlich eines der ergreifendsten Werke von Liszt: „Immer wieder werde ich nicht müde, das Gedicht von Ferdinand von Freiligrath zu zitieren“, schickte Worm-Sawosskaja dem „Liebestraum“ voraus.

Ein paar Momente wartete sie noch, bis die Glocken draußen verklungen waren, dann zogen die Töne das Publikum mit in die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Für Liszt sollte es auch eine traurige Wendung geben. Im letzten Moment scheiterte seine Heirat und der Komponist widmete sich von da an ganz dem Unterrichten. Damit führte er eine Schülerfolge fort, die bei Beethoven begann und über Czerny, Liszt und A. Siloti zu S. Rachmaninoff führt. Das große Thema bei Rachmaninoff sind die Glocken. Zum schrecklichen Bild einer im Laufe der Revolution zerstörten Kirche, wirkten die Glocken des Prélude op. 3 geisterhaft bis schmerzerfüllt. 1917 verließ Rachmaninoff Russland für immer. In seiner Erinnerung feierte man Feste zu den Glockenklängen. „Etude-Tableaux“ op. 33 Es-Dur ist deshalb auch unter dem Titel „Jahrmarkt“ oder „Die Glocken“ bekannt. Das Publikum wollte sich aber noch nicht zufrieden geben und verlangte ganze fünf Zugaben. Die Pianistin schöpfte aus ihrem breiten Repertoire von „Für Elise“ über „Polichinelle“ und „Fantaisie-Impromptu“ von Chopin bis hin zum lustigen „Butterbrot“ des jungen Mozart.

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