Schwetzingen

Verwirrende Auswahl

Archivartikel

Gert Häusler über „Zuviel des Guten“ bei manchen Menüs

Früher gab es in Gaststätten oft Speisekarten, die waren dick wie ein Buch. Unzählige Schnitzelgerichte wie Wiener-Zigeuner-Jäger-Paprika . . . füllten die Seiten, dazu Nudeln oder Fisch in ebenso vielen Variationen. Je nach Restaurant wurde das noch ergänzt um fantasievolle und meist fremdsprachlich garnierte Bezeichnungen. Gehobene Lokale haben inzwischen meist nur noch eine sehr kleine Karte, dafür kommen vom Service aktuelle Menü-Empfehlungen.

In der Systemgastronomie wird die Bestellung fabrikmäßig und meist sehr schnell abgearbeitet (Gericht-Größe-Beilagen-Dressing). An die dicklichen Speisekarten von früher erinnern inzwischen Menüs in denen sich nicht Köche sondern Techniker und Software-Architekten ausleben durften.

Bei denen kann man allerdings gelegentlich den Eindruck haben, dass sie sich neben ihrer „Software“ nicht wirklich noch für viele andere Lebensbereiche interessieren. So sind etwas kindliche Illustrationen und Textgestaltungen jeden Tag aufs Neue zu sehen, wenn man zum Beispiel nur Windows öffnet. Dafür wird es dann in Tiefe und Verästelung Ihrer Menüs umso unübersichtlicher.

Erleben kann man das gerade auch bei den Autos der neuesten Generation. Ab einer gewissen Preislage und Ausstattung erlebt man einen regelrechten „Overkill“ bei der elektronischen Ausstattung. Selbst erfahrene und engagierte Autotester kapitulieren gelegentlich vor den Infotainment-Systemen mit der kaum noch zu überblickenden Anzahl von Assistenten. Durch „Updates“ werden zudem immer wieder neue Anwendungen hinzugefügt, so dass auch erfahrene Autoverkäufer zum Erklären eines Neufahrzeuges inzwischen zusätzliche Spezialisten mit dem aktuellsten Lehrgang „Systeme“ für die Erklärung der „Speisekarte“ hinzuziehen müssen.

Es kann sicher hilfreich sein, wenn die elektronischen Helfer über Parkabstände, Überholvorgänge, Stauenden, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Rettungsgassen und vieles mehr informieren und je nach System auch eingreifen. Die Grenze liegt aber, wie auch anderswo, bei der Verhältnismäßigkeit.

Weder bei den täglichen Nachrichten, bei Gebrauchsanweisungen oder im Gespräch kann und will jeder auf jedem Gebiet ein Fachmann sein. Manchmal wünscht man sich deshalb von seinen Mitmenschen und den „Experten“, dass sie mehr an die alte Weisheit „In der Einfachheit liegt die Genialität“ denken.

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