Schwetzingen

Hebel-Gymnasium Abiturjahrgang 1964 würdigt ehemalige Lehrerin Gertrud Mickel für ihre Verdienste um deutsch-französische Beziehung

Völkerverständigung im Herzen

Sie hat Generationen von jungen Menschen nicht nur die französische Sprache nahegebracht, sondern auch die Kultur des Nachbarlandes. Und das vor allem durch die persönliche Vermittlung von Aufenthalten in französischen Familien - vermutlich werden es an die 500 sein. Die Rede ist von Gertrud Mickel - eine einstige Institution im Lehrerkollegium des Hebel-Gymnasiums, dem sie sage und schreibe 38 Jahre - von 1955 bis 1993 angehörte. Am Samstag erfuhr sie eine besondere Ehrung: Denn der Abiturjahrgang 1964 ließ die 89-Jährige bei seinem Ehemaligentreffen für ihre großartigen Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft hochleben.

Gekommen waren zu der kleinen Feierstunde in der Mensa des Gymnasiums noch weitere Wegbegleiter von Gertrud Mickel, zum Beispiel Mitglieder der Abiturjahrgänge 1959, 1984 und 1990 oder ehemalige Kollegen wie Wolfgang Zipf, Ilse Werner und Helmut Beck. Michael Helffrich hielt als Sprecher des Jahrgangs 1964 eine Laudatio auf die beliebte Lehrerin und würzte diese mit Episoden und Erlebnissen.

Die Ziele, die 1963 der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer mit der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages im Auge hatten, habe Gertrud Mickel schon Jahre zuvor zu ihrer Lebensaufgabe gemacht: die Beziehungen zwischen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie für die Jugendarbeit Verantwortlichen in beiden Ländern zu fördern, die Kultur zu vermitteln, das interkulturelle Lernen zu fördern und die Neugier auf die Partnersprache zu wecken und zu vertiefen.

"Nach den leidvollen Kriegserlebnissen, die sie mit ihrer Familie erleiden musste, war es ihr Traum, dass Franzosen und Deutsche nach den vielen schrecklichen Kriegen endlich verständnisvoll und friedlich zusammenleben und es nie wieder Krieg zwischen diesen beiden Völkern geben möge", sagte Helffrich. Und dafür habe sie nicht in großen Reden und Versammlungen plädiert, sondern ihre Werte im Alltag als fürsorgliche Französischlehrerin mit großer Wirkung lang in die Tat umgesetzt.

"Es wurde in der Französischstunde nur französisch gesprochen", erinnerte sich Helffrich. Als Erstes sei sie grundsätzlich durch die Reihen gegangen und habe die Hausaufgaben überprüft. "Das war für uns Schüler unbequem, aber wir lernten dadurch nicht nur die französische Sprache, sondern etwas fürs Leben. Dazu kamen die französische Literatur und Kultur. Helffrich: "So gingen wir guten Mutes in die Abiturprüfung, die wir alle bestanden." Und als ob es eine Bestätigung gebraucht hätte, was aus Mickels Unterricht auch über 50 Jahre später noch hängengeblieben ist, rezitierte Gunther Treiber aus dem Stegreif perfekt aus Jean La Fontaines Fabel "Le corbeau et le renard" ("Der Rabe und der Fuchs").

Alle Familien persönlich gekannt

Um ihren Schülern auch das Land, die Leute und die französische Lebensart, die "civilisation et culture" und das "savoir vivre", näherzubringen, habe Gertrud Mickel mit Herzblut einen familiären Austausch aufgebaut. Während ihrer Ferien sei sie selbst als Au-pair-Hilfe nach Frankreich gegangen und habe die Kontakte geknüpft. "Sie hat alle Familien persönlich gekannt." So habe Mickel während ihrer Tätigkeit am Hebel vielen Schülern und Eltern geholfen, geeignete Austauschpartner zu finden, nach Helffrichs Schätzung war das bestimmt bei 500 der von ihr unterrichteten 2000 Kinder Fall.

So seien dank ihres Engagements nicht nur zahlreiche deutsch-französische Freundschaften entstanden, sondern auch viel Verständnis füreinander. "Ich bin sicher, dass dies einen weiteren Multiplikatoreffekt ausgelöst und auf viele weitere Menschen ausgestrahlt hat", betonte Helffrich und ergänzte: "Wir alle sind sehr dankbar, liebe Frau Mickel für das, was Sie uns für unser Leben mitgegeben haben und bewundern Ihren Lebensleistung zur Verständigung der beiden Völker."

Die Geehrte war sichtlich gerührt und blieb so bescheiden wie früher: "Sie übertreiben es wahnsinnig", sagte Gertrud Mickel und betonte, dass sie es einfach gern gemacht habe: "Denn die Zeit in Schwetzingen war wunderbar. Für mich war es eine Wonne." ali/zg

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