Schwetzingen

Vom Hartriggl und Lackaff

Archivartikel

Der aus Preußen stammende Kollege schaute mich fragend an, als ich zu einem in der Redaktion vorbeischauenden alten Bekannten anerkennend sagte: „Du bisch halt än Hartriggl“, weil er mir erzählt hatte, dass er seine Darmspiegelung ohne Betäubung hinter sich gebracht hatte. Als wir dann noch in ein Gespräch über diverse gemeinsame Weggefährten abschweiften und leicht abfällige Bemerkungen wie „Des iss doch än Affezibbl“, alternativ „Dollbohra“, „Schluri“, „Lackaff“ oder „Hannebambl“ fielen, wurden die Fragezeichen im Gesicht des geschätzten Kollegen noch größer – so nach dem Motto: „Von was reden die da?“ Geht’s um den Zoo (wegen der Affen) oder um Heimwerken wegen Bohrer und Lack?

Da fiel mir auf, welch schöne Schimpfwörter oder kurze, auf den Punkt gebrachte Bezeichnungen für bestimmte Wesenstypen die kurpfälzische Sprache doch hat: für den Wichtigtuer und Angeber (Affezibbl, Lackaff) genauso wie für den Schlamper (Schluri), der auch ein Schlitzohr sein kann. Für den nicht ganz so intelligenten (Dappschädl, Simbl), ungeschickten (Dollbohra), läppischen (Hannebambl), überaus stattlichen (Wescha) und das Gegenteil (Zwoggl), einfältigen (Hutsimbl), überempfindlichen (Pienzer), zu Wutausbrüchen neigenden (Zorniggl), trödelnden (Dranfunsl) oder liederlichen (Loddl) Mitmenschen. Aber auch für Kinder (Krutze), für Blender (Luftbump), Zugezogene (Neigeblaggte), Quasselstrippen (Schlappgosch) oder Menschen aus dem innig geliebten württembergischen Landesteil (Schwoweseggl).

Bleibt noch der Hartriggl, der schwer zu umschreiben ist: Vielleicht ein Sturkopf, aber auch einer, den nichts umwirft, jemand aus altem Schrot und Korn. Einer, der bei minus zehn Grad Celsius noch mit „korze Hosse“ rumläuft – und der eben die Darmspieglung ohne Narkose erträgt.

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