Schwetzingen

Interkulturelle Woche Mitarbeiter der Unabhängigen Sozial- und Verfahrensberatung informieren über Erstaufnahmestelle / Corona spielt eine tragende Rolle

Vorurteile gegenüber Geflüchteten abbauen

Archivartikel

Sanft wehen die laminierten Blätter am Stand der Unabhängigen Sozial- und Verfahrensberatung für Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung Schwetzingen im Wind. Sie zeigen Träume und Wünsche, die die Kinder in den Tompkins Barracks, den ehemaligen Kasernen der US-Streitkräfte, mit Buntstiften gemalt haben. Ein Haus ist auf dem einen Bild zu sehen, ein großer Garten auf dem Papier daneben. Eine Familie, die sich an den Händen hält, die deutsche und die afghanische Flagge, ein kleines Haustier – das wünschen sich die Kinder für die Zukunft.

Und genau auf diese Kinder, deren Ziele und Geschichten, auf die Eltern und andere Geflüchtete macht seit Mittwoch die interkulturelle Woche in Schwetzingen aufmerksam. Zum Auftakt präsentiert sich das Beratungsteam der Tompkins Barracks mit einem Informationsstand auf den Kleinen Planken. Träger ist der Verbund des Diakonischen Werks der evangelischen Kirche Heidelberg, des Caritasverbandes Heidelberg und der Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg des Deutschen Roten Kreuzes. „Wir beraten die Geflüchteten in der Erstaufnahmestelle, machen Streetwork und wollen bald auch Ehrenamtliche mit ins Boot holen“, erklärt Ehrenamtskoordinatorin und Beraterin Julia Robl. Unterstützer, die beispielsweise eine Nähwerkstatt, Computer- oder Deutschkurse anbieten möchten, seien immer willkommen.

Gleich am Anfang wird getestet

In der Unterkunft für Geflüchtete läuft aktuell wegen des Coronavirus einiges anders als sonst: „Die erste Anlaufstelle in Baden-Württemberg ist Schwetzingen. Gleich am Anfang werden die Geflüchteten hier getestet und mit der Gruppe, in der sie ankommen, isoliert“, informiert Felicitas Freihold am Stand über den Ablauf. Persönliche Beratungen finden dann zunächst einmal keine statt.

Erst, wenn das negative Testergebnis vorliegt, sprechen die Sozialarbeiterinnen – mit Maske und geschützt durch eine Plexiglasscheibe – mit den Geflüchteten. Die kommen vor allem aus Syrien, Afghanistan, der Türkei, dem Irak und Nigeria und sind mit den Corona-Regeln meist schon vor ihrer Ankunft vertraut. „Wir möchten Vorurteile und Stereotypen gegenüber den Geflüchteten abbauen und die Schwetzinger über die Themen Flucht und Migration aufklären“, meinen Tanja Semler und Julia Robl.

Wie viele Menschen aktuell in der Erstaufnahmestelle leben, können die beiden nicht beantworten. „Die Maximalbelegung ist wegen der Krise auf 300 Personen heruntergesetzt worden. Wie viele Menschen tatsächlich da sind, schwankt immer“, sagt Robl. „Wenn die Geflüchteten nach Schwetzingen kommen, dann ist erst mal alles neu – der Alltag, die Strukturen, die Sprache“, fügt sie hinzu. Genau deshalb versuchen sie und ihre Kolleginnen als Bindeglied zwischen den Bewohnern in den ehemaligen Kasernen und den Schwetzingern zu fungieren. „Mit unserem Stand möchten wir Aufmerksamkeit generieren und unsere Arbeit ins Gedächtnis rufen“, erklärt Freihold. Denn die Baracken seinen außerhalb, gerieten deshalb schnell in Vergessenheit und mit ihnen die Geflüchteten, die darin leben.

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