Schwetzingen

Kurt-Waibel-Schule Der Grünen-Poltiker Dr. Danyal Bayaz steht Jugendlichen Rede und Antwort / Statt Klassenfahrt nach Berlin nun virtuelles Treffen mit Abgeordneten

„Warum sind Sie in die Politik gegangen?“

Sich mal mit einem echten Bundestagsabgeordneten unterhalten, diesem alle möglichen Fragen stellen, die einem auf der Seele brennen, das ist für Schüler etwas Besonderes. Denn wie oft bekommen sie einen Politiker aus dem Bundestag in Berlin schon mal abseits der Medien zu Gesicht?

Normalerweise wären die 16 Neuntklässler der Schwetzinger Kurt-Waibel-Schule Anfang Juli für eine Woche in die deutsche Hauptstadt gefahren und hätten die Chance bekommen, sich nach erfolgreicher Bewerbung mit dem Grünen- Abgeordneten für den Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen, Dr. Danyal Bayaz, im Parlament zu unterhalten. Die Klassenfahrt fiel jedoch Corona-bedingt ins Wasser – zum großen Bedauern der Jugendlichen und von Klassenlehrer Arnd Müller. Der freute sich daher umso mehr, als das Büro von Bayaz einen digitalen Austausch per Videochat anbot und war sofort dabei. So „kam“ der Bundestagsabgeordnete eben virtuell ins Klassenzimmer und wurde ordentlich mit Fragen gelöchert.

Schüler gut vorbereitet

Der Heidelberger erzählte, dass er seit 2017 Abgeordneter im Bundestag ist und diese Amtszeit seine erste Legislatur sei. Er berichtete den Schülern von der jüngsten Nominierungsveranstaltung, bei der ihn die Parteikollegen aus der Region erneut als Kandidaten für den Bundestag vorschlagen – die Wahl hierfür ist im kommenden Jahr. Er lud die Schüler ein, ihm Fragen zu stellen – und freute sich, dass sich die Jugendlichen gut vorbereitet hatten.

Klassensprecher Leon wollte beispielsweise wissen: „Warum sind Sie in die Politik gegangen?“ Darauf hatte Bayaz, der unter anderem auch Mitglied des Finanzausschusses im Bundestag ist, zunächst keine eindeutige Antwort. Er gestand nämlich, dass er eigentlich gar nicht vorhatte, in die Politik zu gehen. Doch er sei ein begeisterter Europäer und konnte irgendwann nicht mehr nur mit ansehen, was in der Welt passierte. „Warum muss man stumm mit ansehen, wie Europa und die Welt, in der Präsidenten wie Donald Trump das Sagen haben, zerbröckelt, wenn man aktiv dagegen was tun kann?“, fragt der Politiker rhetorisch in die Runde und erzählte von seiner Familie: Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater stammt aus der Türkei. Schon in seiner Jugend wurde am Esstisch viel über politische Themen diskutiert – das habe ihn auch geprägt.

Ist das 5-G-Internet bedenklich?

„Ist das 5-G-Internet tatsächlich krebserregend?“, wollte Jason wissen. Als Leiter des Wirtschaftsbeirats, der sich zudem für Digitalisierung und ökologische Modernisierung einsetzt, ist Bayaz begeistert von den Fragen der Jugendlichen. Auf der einen Seite würde behauptet, dass das 5-G-Internet Gedanken störe, andere Wissenschaftler widerrum behaupteten, das schnelle Netz sei unbedenklich. Bayaz selbst, der der Klasse vorher noch das „Du“ angeboten hatte, meint: „Der heutige Stand sagt, dass das Netz nicht schädlich ist, aber es soll weiterhin daran geforscht werden.“

Natürlich ging es auch um die Corona-Pandemie. Xenia fragte Danyal Bayaz: „Was haben Sie während der Corona-Phase gemacht?“ „Das war ein Wechsel zwischen der Arbeit und Serien schauen“, beschrieb der Grünen-Politiker die Wochen zu Hause. Seine Freundin habe er nur mal gelegentlich auf dem Flur gesehen, wenn er vom Schlaf- ins Arbeitszimmer gelaufen ist, ergänzte er scherzhaft. Die Zeit sei für ihn jedoch nicht nur schlecht gewesen, da weiterhin ein großer Austausch über digitale Möglichkeiten stattgefunden habe. So habe er häufig Geschichten und Leidenswege von Menschen über seinen Instagram-Account live geteilt und viel gelernt. Vor der Pandemie spielte sich sein Leben oft im Zug ab, er reiste nach London, Paris und tauschte sich dort mit Menschen aus. Von diesen direkten Diskussionen und Debatten lebe die Demokratie, so Bayaz, und die heißt es, wieder sicher zu erreichen.

Gut eine Stunde nimmt sich der Abgeordnete Zeit für die Fragen der Schüler, bis er sich wegen eines Folgetermins abmeldet. Er hoffe jedoch, dass die Schüler noch die Möglichkeit haben, Berlin und auch den Bundestag zu besuchen. Auf ein persönliches Treffen freue er sich. sw

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