Schwetzingen

Mozartfest Busch Trio begeistert mit herzlichen und warmen Melodien / Hervorragende Technik und trefflicher Klang

Was Schubert kürzte, kommt zu Gehör

Archivartikel

Wenn sich drei einzigartige Künstler zusammentun, entsteht ein Trio, das das Publikum begeistert. Dieses Mal waren die Brüder Ori und Omri Epstein zusammen mit Mathieu van Bellen als Krankheitsvertretung zum Mozartfest angereist und hatten als Busch Trio einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Es war ein Kunstwerk, das nur für den Moment im Jagdsaal des Schwetzinger Schlosses lebte – dieser Augenblick umschloss drei Meisterwerke der Kammermusik von W. A. Mozart über F. Mendelssohn bis zu F. Schubert. Vom ersten Ton an verzauberte das Busch Trio die Zuhörer mit dem Klaviertrio Nr. 7 G-Dur: Bezaubernd, wie aus einem zarten Klang immer aufs Neue eine lebendige und im Geiste Mozarts quirlige Melodie entstand. Im 2. Satz stimmte Pianist Omri Epstein eine bedachte und filigran ausgearbeitete Melodie an, in die die Streicher einstiegen. In fünf Variationen bewies das Trio, das es die elegante Tonsprache der Klassik fließend beherrscht. Im Allegretto des 3. Satzes hörte man wiederum ein mitreißendes Thema, das unter ihren Händen Mozarts Meisterschaft der gepflegten Kontraste offenbarte.

Vor sieben Jahren haben sich die drei Solisten zum Trio zusammen gefunden und begeistern seitdem die großen Konzertsäle ganz Europas. Hinter der Leichtigkeit, die besonders bei Mozarts Musik so geschätzt wird, steckt viel harte Arbeit, die das Trio sogar zur Gründung eines Kammermusikzentrums im niederländischen Amsterdam bewegte. Neben Proben und Meisterkursen sollen dort auch Aufnahmen und Konzerte stattfinden.

Kaum einer wagt zu atmen

Dass ein Konzert niemals dem Erlebnis einer Aufnahme gleichkommt, dessen wurden sich die Zuhörer im Jagdsaal ebenfalls bewusst: Jeder Akkord schien ausgewogen und klar, jede Melodie herzlich und warm, ganz besonders in Mendelssohns Klaviertrio d-Moll op. 49. Kaum einer wagte laut zu atmen als nach dem Verklingen des letzten Tons im Andante der Bogen von Mathieu van Bellen noch lange in der Luft hing. Nach dem kurzweiligen Scherzo war es im Allegro assai appassionato die Technik, die begeisterte. Technik beinhaltet viel mehr als nur die Fingerfertigkeit. Sowohl Klang als auch Technik waren im Violinpart bei Mathieu van Bellen in besten Händen.

Nach der Pause hörte man ein Meisterwerk Schuberts in neuem Gewand: Während es der Komponist auf Anfrage des Verlegers schweren Herzens kürzen musste, erklang es nun wieder in der vollen Fassung. Aus den vier Sätzen ist besonders das Andante des 2. Satzes berühmt geworden. Dieses interpretierte Ori Epstein im warmen Cello-Klang in etwas angezogenerem Tempo, wodurch es aber nicht an Schönheit einbüßte. Im finalen Allegro moderato war es wieder diese Reminiszenz, die Schubert einst weggestrichen haben soll und nun das Publikum entzückte.

Trotz mehrerer Aufforderungen blieb es nur beim Verbeugen.

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