Schwetzingen

Wenn das Wort verunglückt

Jürgen Gruler erinnert sich an die Schulzeit, die man ja nie vergisst

Seine Schulzeit vergisst man nie. Ich bin Mitte der 1970er und Anfang der 1980er Jahre in die Schule gegangen und hatte immer das Problem, dass ich Sachen von meinem schlauen und noch zur Stoffhosenzeit eingeschulten Bruder, der sechs Jahre älter war, anziehen und aufbrauchen sollte. Dabei waren jetzt längst Jeans, T-Shirts und Mofas angesagt. Das Problem der Hosen konnte durch deren schnelle Zerstörung beim Fußballspielen in der Hofpause bereinigt werden. Aber wie sollte man der Mutter erklären, dass man das schöne braune Ledermäppchen mit den akkurat aneinandergereihten Schlaufen für die Füller, Farb- und Bleistifte, fürs Lineal und Geodreieck nicht mehr benutzen will, weil es zu spießig war und man lieber alles durcheinandergeworfen in einem Schlampermäppel in die genauso schlampige Umhängetasche ohne Fächer verstauen möchte?

Erst mein Patenonkel zerschlug den gordischen Knoten, indem er mir zu Weihnachten so ein Mäppel schenkte. Ich hatte ihn darum gebeten, hatte ihn von der Telefonzelle aus angerufen.

Anscheinend sind diese Dinger noch immer im Trend, jedenfalls hatte Aldi kürzlich so ein Mäppchen im Angebot für den Schulanfang. Aber es hat seinen Namen gewechselt, soll wohl heutzutage etwas feiner heißen und mehr hermachen. „Faulenzeretui“ steht jetzt am Regal und es ist für 3,99 Euro in „verschiedenen Designs erhältlich“ – unter anderem mit einem Lama drauf. Das wäre bei uns gar nicht gegangen. Wenn schon, dann wurde ein Atomkraft-Nein-Danke-Aufkleber oder ein Anti-Franz-Josef-Strauß-Button draufgepinnt. Weil sich darüber der Lehrer so schön aufgeregt hat . . .

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional