Schwetzingen

Palais Hirsch Tourneeoper krönt ihren Kinderopern-Sommer mit einer Premiere / Märchen werden munter vermischt / Junges und jung gebliebenes Publikum begeistert

Wenn der böse Wolf plötzlich gut ist – und Vegetarier

Archivartikel

Schnell wurde es still in dem bestens gefüllten Saal, als die ersten Töne aus dem Lautsprecher erklangen. Die Premiere von „Es war einmal …“, eine Kinderoper der Tourneeoper Mannheim, die zum Abschluss des Kinderopern-Sommers im Palais Hirsch aufgeführt wurde, bannte erneut das junge Publikum mit schöner Musik, mit fantasievoll gestalteten Kostümen und buntem Bühnenbild.

Und die Aufmerksamkeit der Kinder, die in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern gekommen waren, ließ bis zum Ende der gut einstündigen Vorstellung nicht nach, um sich schließlich in begeisterten Applaus zu entladen. Denn die Urformel allen Erzählens „Es war einmal …“ ist schon den Kleinsten unter den Kindern geläufig, beginnen doch fast alle Märchen der Gebrüder Grimm so. Diese Kinderoper mit der zeitlosen Eingangsformel „Es war einmal …“ vereinte in ihrer Handlung bekannte Märchen wie „Hänsel und Gretel“, „Rotkäppchen“, „Aschenputtel“, „Die Schneekönigin“, „Dornröschen“ oder „Der gestiefelte Kater“ zu einer spannenden, mitreißenden Geschichte: Professor Zacharias Zauberkobel will die Märchen retten. Von Beruf ist er Schneeflockenforscher und Erfinder. Er hat schon die verrücktesten Sachen erfunden, zum Beispiel einen Bettdecken-Hochheber. Seine genialste Erfindung aber ist das riesige Märchen-Explorations-Zauberbuch, da er Märchen liebt, sie liest und gerne hört, „zum Glück gibt es ja auch Märchenopern“. Das Beste an ihnen ist, dass das Gute immer über das Böse siegt. „Das wäre ja schlimm“, sagte der skurrile Professor, „wenn es nicht so wäre. Stellen Sie sich vor, Aschenputtel würde immer noch in der Küche sitzen und Erbsen zählen und der gestiefelte Kater hätte den Zauberer nicht überlistet …“

Doch ist in der Welt der Märchen einiges durcheinandergeraten. Aschenputtel wurden die Schuhe gestohlen, der gestiefelte Kater ist zur gestiefelten Katze geworden und der böse Wolf ist gar nicht mehr böse, wie ihn die meisten Kinder im Saal kennen. Rotkäppchen will ihn überreden, wieder böse zu werden und es zu fressen. Entsetzt lehnt der Wolf dies ab, er ist Vegetarier, gesteht er, und frisst nur, „was frisch vom Baum fällt“.

Kurzweilige Vorstellung

In dieser kurzweiligen Inszenierung, bei der Klaus-Dieter Köhler Regie führte, Luise Dreyer die Regieassistenz innehatte und Jürgen Ferber für das mitreißende Titellied verantwortlich zeichnete, kommt durchaus ein pädagogisches Anliegen zum Ausdruck, doch geschieht das spielerisch, niemals plakativ. Die klangliche Illustration des Bühnengeschehens mit heiteren Liedern, darunter „Es war einmal …“, „Ich will leben, tanzen, schweben“, „Brüderchen komm tanz mit mir …“ und einem flotten Walzer, sowie das Spiel der beiden Akteure, Tanja Hamleh und Florian Küppers, die die Figuren und Szenen mit viel Witz und Spielfreude darstellten, begeisterten die Zuschauer.

Besucherin Petra Kwiatkowski aus Oftersheim gefiel die Aufführung ganz besonders. Für sie und ihre beiden Kinder Noah und Mia war der Sonntagnachmittag ein schönes Erlebnis. „Es hat uns viel Spaß gemacht“, gestand sie, „die Inszenierung war sehr kindgerecht.“ Mucksmäuschenstill verfolgten auch Paula (3) und Oskar (6) aus Schwetzingen das Geschehen auf der Bühne. Das war auch nicht verwunderlich, denn „das Stück war wundervoll“, lobte Oma Eva Doll die Vorführung, „vor allem war sie bis ins kleinste Detail ausgesprochen liebevoll gemacht. Solche Veranstaltungen sind für die Kinder sehr wertvoll und zeigen, wie wichtig Kultur vor allem in der Corona-Krise ist.“

„Wir sind total zufrieden“, zog Tanja Hamleh, Initiatorin der Tourneeoper, im Gespräch mit unserer Zeitung eine positive Bilanz, „wir hatten großen Zulauf, leider mussten wir sehr vielen Leuten absagen, weil nur 45 Plätze zur Verfügung standen. Wir hätten mindestens doppelt so viele Karten verkaufen können. Man merkt, dass die Menschen nicht ängstlich sind und mit ihren Kindern raus möchten, sie halten die Corona-Regeln ein und freuen sich, dass es wieder möglich ist, Kulturveranstaltungen zu besuchen. Wir sind unglaublich dankbar, dass wir diese fünf Veranstaltungen in Schwetzingen durchführen konnten.“ her

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