Schwetzingen

Round Table Christian Roth ist mit dem Weihnachtspäckchen-Konvoi unterwegs in die ärmsten Regionen Osteuropas / Team bereitet mit kleinen Päckchen große Freude

Wenn die Kälte menschlicher Wärme weicht

Schwetzingen/Rumänien.Im Osten Europas gibt es Regionen, in denen die Familien manchmal so arm sind, dass es an Weihnachten nicht einmal für Geschenke für die Kinder reicht. Um den Kleinen trotzdem eine Freude zu machen, ist gerade der Weihnachtspäckchen-Konvoi auf Tour durch Bulgarien, Moldawien, Rumänien und die Ukraine.

Aus Schwetzingen vor Ort ist Christian Roth, der uns von seinen Eindrücken berichtet: „Die Freude der Kinder, das Funkeln in den Augen beim Öffnen ihrer Weihnachtspäckchen hier in Rumänien ist einfach herzergreifend. Wir sind in und um Drobeta Turnu Severin unterwegs, etwa 1200 Kilometer Luftlinie entfernt von Schwetzingen, wo unsere Geschenke vom Weihnachtspäckchen-Konvoi für viele Kinder das einzige sind, was sie zu Weihnachten bekommen.

Abenteuerlich sind teilweise die Routen zu den Schulen, in denen wir die Päckchen verteilen: Auf einer Straße, eher einer Piste lange bergauf, im Slalom um Schlaglöcher und herabgefallenen Steinen, ging es bis zu einem Ort namens Podeni. Die Schule dort wird bei laufendem Betrieb renoviert, drinnen ist es kalt und dreckig. Gerade bei den Jüngsten aus der Kindergartengruppe schlägt sich der Zustand des Hauses auf die Kinder nieder: Gerade mal vier Kinder sind da, der Rest ist krank. Die Kinder sitzen mit Mützen und dicken Jacken in ihren Klassenzimmern, weil der Kachelofen nicht heizt. Wir fangen an, unsere Päckchen zu verteilen und plötzlich weicht die Kälte einer menschlichen Wärme. Die Kinder reißen das Papier der Päckchen auf, sehen hinein und fangen an zu staunen und zu lachen. Auch für uns Erwachsene sind das sehr bewegende Augenblicke.

Vorsichtige Kontaktaufnahme

Mit kleinen bunten Päckchen eine Riesenfreude machen, genau das ist es, was unser Projekt, unseren Weihnachtspäckchen-Konvoi, ausmacht. Immer wieder begegnen wir Kindern, die ihr Päckchen nur zögerlich annehmen, dieses dann fast schon emotionslos zu ihrem Platz tragen und zunächst einmal gar nichts tun. Erst wenn das Geraschel bei den anderen losgeht, fangen sie langsam an auszupacken und schauen vorsichtig in den Karton.

Naheliegend ist die Vermutung, dass manche Kinder noch nie ein Weihnachtspäckchen in der Hand hatten – die Freude ist dann aber genauso groß: ein Kuscheltier, Malzeug, oder ganz faszinierend: Seifenblasen. „Multumesc“ sagen sie alle, viele sogar auf Deutsch „danke“. Hier in Drobeta helfen uns Freunde vom Ladies Circle und vom Round Table. Morgens, immer um sechs Uhr bei Dunkelheit, geht es los. Die Pakete für die einzelnen Touren werden von den Lkw auf kleinere Wagen umgeladen, dann gibt es Frühstück und los geht es zu den Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern.

Einige Familien werden auch zu Hause beschenkt und manchmal sehen wir das Elend von der Straße aus. Wie bei der Frau auf dem Rückweg von Podeni, die in einer Bretterbude wohnt, die die Bezeichnung „Haus“ beim besten Willen nicht verdient. Für ihre vier Kinder haben wir natürlich noch ausreichend Päckchen auf der Ladefläche.

Die Freude der Frau sagt uns, dass wir das Richtige getan haben. Gestartet sind wir schon am vergangenen Samstagmittag in Hanau mit 132 000 Päckchen auf 28 Lastern. Insgesamt 237 freiwillige Helfer aus ganz Deutschland sind unterwegs, zu den Lastern kommen noch sechs Reisebusse und fünf Autos – eine logistische Herausforderung, komplett ehrenamtlich organisiert und getragen von den vielen großen Emotionen, die darin stecken.

Auf seiner Fahrt in die Zielländer muss der Konvoi zusammen bleiben. Dafür sorgen die Führungsfahrzeuge, mit denen bei Bedarf Kreuzungen kurzerhand dicht gemacht werden, damit sich niemand reindrücken und den Konvoi auseinanderreißen kann. Aus dem nachfolgenden Bus ergibt das dann gerade in der Nacht ein faszinierendes Bild: Lastwagen an Lastwagen, die mit 90 Stundenkilometern über die Straßen fahren. Nach Drobeta inklusive Pausen sind wir ganze 27 Stunden unterwegs, die „Moldis“ waren sogar über 40 Stunden auf Achse: Per Whatsapp halten sich die Teilkonvois immer gegenseitig auf dem Laufenden. Wir schreiben uns, wie es gerade läuft und schicken Fotos von Kindern und Helfern hin und her – und erfahren auf diesem Kanal auch von der Eskalation in der Ukraine, die unsere Freunde dort direkt betreffen könnte, selbst wenn wir alle offiziell als Hilfskonvoi unterwegs sind.

Viele Eindrücke, große Emotionen und viel zu wenig Schlaf – der Weihnachtspäckchen-Konvoi ist keine Kaffeefahrt. Aber er ist jede Anstrengung wert.“

Info: Mehr Fotos gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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