Schwetzingen

Die Brücke Immer weniger Bedürftige nutzen das Angebot / Anlaufpunkt für Menschen jeden Alters und in allen Lebenssituationen / Warmes Essen und gute Gespräche

Wer Hilfe benötigt, ist hier willkommen

Margrit Jäger schöpft Spinat sowie Kartoffelbrei und arrangiert dazu ein Spiegelei auf den Teller, den sie einem Gast in der „Wärmestube“ lächelnd reicht. Diese befindet sich im Keller der Südstadtschule in der Moltkestraße 2. Margit Jäger ist „der gute Geist“ hier unten, der sich täglich mit einer warmen Mahlzeit, Ansprache und einen Humpen Kaffee um jene kümmert, deren Geld knapp ist. Und sie ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Die Brücke“, der seit 1995 agiert.

„Waren es damals Obdachlose, denen wir geholfen haben und die Wärmestube einrichteten, die zum Aufwärmen von Körper und Seele hierherkommen konnten, etwas Warmes essen, duschen, ihre Kleidung waschen, aber auch neue Kleidung erhielten, hat sich unser ,Publikum‘ heute gewandelt.“

Mehr alleinstehende Frauen

Im Laufe der vergangenen Jahre habe sich die Zusammensetzung der Besucher der Wärmestube stark verändert. Heute kämen weniger Obdachlose als vielmehr Menschen mit geringem Einkommen, um für kleines Geld eine vollständige Mahlzeit zu erhalten oder aus der Kleiderkammer notwendige Kleidungsstücke mitnehmen zu können. Jäger berichtete aber auch, dass es weniger Menschen sind, die den Service in Anspruch nehmen: „Vielleicht, weil sie nicht wissen, dass es uns gibt“, überlegt sie.

„Grundsätzlich ist in den letzten Jahren ein Wandel bei den von Obdachlosigkeit betroffenen Personen festzustellen. Gerichtlich angeordnete Zwangsräumungen, oftmals aufgrund von Mietrückständen, haben insbesondere bei alleinerziehenden Müttern und Familien spürbar zugenommen. Der aktuelle Anteil der alleinstehenden Männer innerhalb der Obdachlosenunterbringung ohne Anschlussunterbringung beträgt in Schwetzingen derzeit zirka 37 Prozent. Die restlichen 63 Prozent sind alleinstehende Frauen, alleinerziehende Mütter und Familien“, nennt Stadtsprecher Wolfgang Leberecht entsprechende Zahlen auf Nachfrage dieser Zeitung. Derzeit seien 70 von Obdachlosigkeit betroffene Personen in städtischen Unterkünften untergebracht. Diesen Wandel erfährt auch der Verein, allerdings wundert man sich, dass auch die Zahl der Menschen, die in die Wärmestube kommen deutlich geringer geworden ist. „Wir hatten immer 30 und mehr Leute hier, heute sind es etwa fünf bis zehn regelmäßige Gäste“, berichtet Margrit Jäger. Einige wären gestorben oder seien verzogen, weiß sie und betont: „Jeder ist willkommen, unsere Wärmestube ist Anlaufpunkt für Menschen, die Unterstützung, Hilfe, Ansprechpartner für Herausforderungen kurzfristig oder dauerhaft brauchen. Menschen in jedem Alter und allen Lebenssituationen.“

Mehr Aufmerksamkeit wecken

Das Angebot der Wärmestube ist übrigens aus Spendengeldern finanziert und von Sachspenden aus dem Nahrungsmittelhandel gespeist. „Ich habe meine Ansprechpartner und feste Geschäfte, bei denen ich die Waren abholen kann“, schildert Margit Jäger. Was nach der Zubereitung des Essens übrigbleibt, wird in Ein-Personen-Portionen verpackt und liegt am Ausgang zum Mitnehmen bereit. „Bei uns ist Alkohol absolut tabu, wer schon entsprechend riecht, kommt nicht rein“, betont sie und meint, das wüssten die Besucher, man gehe da resolut vor.

Damit man die Wärmestube besser findet, gibt es neuerdings einen Aufsteller in der Nähe des Eingangs an der Südstadtschule und ein Schild an der Eingangstür. „Wir heißen jeden willkommen, der uns braucht“, motiviert Jäger auch jene, deren Rente nicht ausreicht oder andere Umstände dazu führen, dass das Geld knapp ist, vorbeizuschauen, sich ein Bild zu machen, gerne zu bleiben und regelmäßig zu kommen, „Ich habe immer ein offenes Ohr“, verspricht sie fröhlich lachend.

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