Schwetzingen

Porträt Julia und Alexander Nastasi sind ausgebildete Tagesmutter und -vater / Sie betreuen bislang drei Kinder und haben Kapazitäten

Wie eine kleine Familie

Im Wohnzimmer wird gespielt. In der Küche stehen kleine Stühle um einen Tisch für die gemeinsamen Mahlzeiten. Ein Ruheraum lädt zum Mittagsschlaf ein. Danach geht es auf den mit einem Sonnensegel beschatteten Balkon oder zum nahen Spielplatz. So sieht Kinderbetreuung in einer Tagespflegefamilie aus. Julia Nastasi und ihr Mann Alexander haben vor einem halben Jahr die Arbeit als Tagesmutter und Tagesvater aufgenommen. Das Paar ist seit zehn Jahren verheiratet und hat den eineinhalb Jahre alten Sohn Jan, das zweite Kind ist gerade unterwegs.

Julia, Jahrgang 1978, hat im letzten Herbst als erste die Pflegeerlaubnis vom Jugendamt bekommen. "Als ich selbst Mutter wurde, fiel es mir umso leichter, den Schritt zu gehen und die Ausbildung zur Tagesmutter zu absolvieren", sagt die ausgebildete Chorleiterin, die auch Geige und Klavier spielt. Alexander, 1970 in Heidelberg geboren, hat Anfang des Jahres ebenfalls die komplette Ausbildung zum Tagesvater abgeschlossen. Schwetzingen hat einen großen Bedarf an Kinderbetreuung und deshalb im zurückliegenden Herbst ein Förderprogramm aufgelegt (wir berichteten).

"Ein eher selten gelebtes Konzept"

"Ich liebe es, Kinder lachen zu hören und mit ihnen gemeinsam die Welt mit anderen Augen zu sehen", meint der gelernte Gärtner und Mobilfunktechniker, der bei ausgedehnten Spaziergängen und Ausflügen den in der Spargelstadt oft bewunderten Kinderbus schiebt. Die Situation als Tagespflegefamilie sei "ein eher selten gelebtes Konzept", erklärt Julia Nastasi. Durch die Aufgabenteilung in der kleinen Kita sei es möglich, "auch in stressigen Situationen eine kindergerechte Betreuung für bis zu fünf fremde Kinder zwischen einem und drei Jahren zu gewährleisten".

Jeden Tag wird frisch gekocht. Fertigessen ist tabu, Gläschen und Konservierungsstoffe ebenso. Söhnchen Jan genießt es sichtlich, dass er so viel Zeit mit Mama und Papa verbringen darf. Der knapp zweijährige Anton ist einer seiner Spielkameraden. Die einjährige Nina versteht sich prima mit den beiden Jungs. Die kleine Gruppe hat auch noch Platz für weitere Kinder. Der persönliche Kontakt zu den Kleinen ist den Nastasis wichtig, die in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Schwetzingen und dem Jugendamt des Rhein-Neckar-Kreises stehen.

Es wird täglich frisch gekocht

Die Wohnung im Erdgeschoss mitten in der Spargelstadt bietet viel Raum und ist einfach zu erreichen. Der Neue Messplatz mit den öffentlichen Parkplätzen liegt gleich um die Ecke. Kindertagespflege ist eine gesetzlich geregelte familiäre Form der Kinderbetreuung, bei der die Eltern eine dafür geeignete Person aussuchen, die ihr Kind betreut und direkt mit der Tagesmutter verbindliche Absprachen über die Gestaltung der Betreuung und weiteres treffen kann. Die Kindertagespflege ist bis zum dritten Lebensjahr gleichrangig zu institutionellen Betreuungsformen wie zum Beispiel Kinderkrippe oder Kindertagesstätte. Für die Eltern kann die Tagespflege unter Umständen sogar günstiger sein als die Betreuung in der Kindertagesstätte, da lediglich die tatsächlich erbrachten Betreuungsstunden in Rechnung gestellt werden.

Es dürfen nur solche Personen Tagespflege anbieten, die wie Julia und Alexander Nastasi eine gültige Pflegeerlaubnis aufweisen können. Das Jugendamt Rhein-Neckar-Kreis erteilt auf Antrag und nach eingehender und umfassender Prüfung eine solche Erlaubnis. Die Nastasis haben einen Vertrag mit der Stadt Schwetzingen, der die Kosten für interessierte Eltern erheblich vermindert. Die Gebühr beträgt pauschal 260 Euro und 40 Euro Essensgeld bei bis zu 40 Stunden pro Woche. Dieser Betrag setzt voraus, dass ein gültiger Vertrag mit dem Jugendamt vorliegt und das zu betreuende Kind zusammen mit den Sorgeberechtigten in Schwetzingen wohnt. Eltern mit einem geringen Einkommen können einen Antrag auf Erlass oder Reduzierung des Kostenbeitrags an das Jugendamt stellen. Besonders stolz ist die seit 14 Jahren in der Region lebende Mutter auf die umfangreiche Förderung, die ihr und den Eltern helfe, "sich auf das Wesentliche zu konzentrieren".

Konzentration aufs Wesentliche

Die Betreuungszeit ist von Montag bis Freitag, jeweils von 7 bis 15 Uhr, sowie nach Vereinbarung. Gemeinsame Mahlzeiten, auch schon das Frühstück, sind ein wichtiger Schlüssel für die kleine Tagespflegefamilie. "Bei uns liegt die Konzentration auf den Kindern, nicht auf dem Handy oder dem Fernseher", meint Julia Nastasi. Meistens geht es nach draußen, die Stadt erkunden: "So wie das eben eine Familie macht, die unterwegs ist."

Das Jugendamt führt für Interessierte regelmäßig informative Einführungen durch, die als Pflichtveranstaltung vor der Qualifizierung zur Tagespflegeperson besucht werden müssen.

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