Schwetzingen

Tompkins Barracks Ehemaliges Gelände der US-Streitkräfte wird erneut als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt

Wieder Flüchtlinge in Kasernen

Schwetzingen.Die Tompkins Barracks werden wieder für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Ab 25. September nimmt das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) die ehemaligen Kasernengebäude der US-Streitkräfte in Schwetzingen erneut als Erstaufnahmeeinrichtung in Betrieb. Am Freitag informierten Abteilungspräsident Jochen Zühlcke und Leitender Regierungsdirektor Markus Rothfuß sowie Oberbürgermeister René Pöltl vor Ort über die Reaktivierung.

Die Gebäude waren bereits ab Herbst 2015 für ein knappes Jahr als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt worden. Seit Juni 2016 seien die Häuser im „Stand-by-Modus“ gewesen, um sie bei einem erneuten Bedarf kurzfristig wieder in Betrieb nehmen zu können, sagte Zühlke. „Um die Gebäude in einen tauglichen Zustand zu bringen, wurde unter hohem Zeitdruck eine hervorragende Arbeit geleistet“, lobte Zühlke Stadt und Gemeinderat.

Die Bedingungen haben sich im Vergleich zu vor vier Jahren verändert: Im Land hätten alle Kommunen noch eine Verpflichtung für die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen. Schwetzingen habe aber keine Kapazitäten mehr: „Wir konnten uns des Themas deshalb nicht verwehren. Die Maßnahme hilft uns, weil wir dann keine Flüchtlinge mehr in der Anschlussunterbringung versorgen müssen. Das ist eine gute Lösung für die Bürger.“

Der Leiter des Amtes Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Bernd Müller, stellte die Rahmendaten der Maßnahme vor: So seien teilweise 100 Arbeiter auf der Baustelle am Werk gewesen, 10 000 Quadratmeter Boden wurden neu verlegt, 80 000 Quadratmeter Wände und Decken gestrichen. Dazu mussten 250 Kilometer Kabel entfernt und 110 Kilometer neu montiert werden – das alles innerhalb von 82 Tagen.

Bald 400 Bewohner

Die Reaktivierung der Tompkins Barracks als Erstaufnahmestelle sei notwendig geworden, weil im Land große Einrichtungen wie in Donaueschingen geschlossen worden waren, erläuterte Zühlcke. Wegen der Vorbereitungen für die Bundesgartenschau in Mannheim 2023 könnten auch die Gebäude der Spinelli-Kaserne nicht weiter genutzt werden. Die Flüchtlingszahlen seien indes seit Jahren konstant geblieben. In Baden-Württemberg seien derzeit Zugänge von 200 bis 300 Personen pro Woche zu verzeichnen.

Regierungsdirektor Markus Rothfuß erläuterte die Planung: Insgesamt zehn Gebäude werden zunächst befristet auf drei Jahre in Betrieb genommen. Das RP habe Dienstleister im Bereich der Alltagsbetreuung, der Essensverpflegung, des Sicherheitsdienstes und der medizinischen Versorgung beauftragt. In den Tompkins Barracks werden rund 400 Flüchtlinge wohnen, die alle bereits registriert sind. Ein Haus steht allein Müttern mit Kindern zur Verfügung. Ein Gebäude ist für Familien gedacht. In einem anderen Haus kommen nur Männer unter. Insbesondere die Sanitäranlagen wurden auf Vordermann gebracht. Für die soziale Verfahrensberatung der Flüchtlinge sind Mitarbeiter von Diakonie und Caritas zuständig. Die Bewohner werden jeweils vier bis sechs Wochen in der Einrichtung bleiben und dann auf die Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg zur weiteren Unterbringung verteilt.

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