Schwetzingen

Grüne Radtour führt durch den Hirschacker-Dossenwald / Staatssekretär Andre Baumann erklärt den Teilnehmern heimische Tier- und Pflanzenarten

„Wir brauchen Schafe und Ziegen im Schutzgebiet“

Eine Radtour der Grünen führte von Mannheim nach Schwetzingen durchs Naturschutzgebiet Hirschacker-Dossenwald. Zahlreiche Interessierte waren der Einladung der beiden Landtagsabgeordneten der Grünen, Elke Zimmer und Manfred Kern, gefolgt. Zum gemeinsamen Start traf man sich am Bahnhof Mannheim-Rheinau und war schon nach wenigen Radminuten aus der Stadt draußen und mitten drin im heimischen Wald, dem Dossenwald, heißt es in einer Pressemitteilung.

Fachkundig geleitet wurde die Tour von Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im baden-württembergischen Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Der gebürtige Schwetzinger berichtete bereits an der ersten Station anschaulich von der Entstehung der kurpfälzischen Landschaft. Die Sandverwehungen, die hier am Ende der letzten Eiszeit entstanden, bilden die badischen Binnendünen.

Doch auch der Mensch hat diese Landschaft stark geprägt: „Über Jahrhunderte haben Bauern ihre Schafe und Ziegen, Schweine und Rinder in den Wäldern gehütet. Bis ins 18. Jahrhundert waren die Dünen eine parkartige Landschaft mit lichten Wäldern und großen, freien Sandheideflächen“, sagte Baumann. Dadurch seien neue Kulturlandschaften mit an die badischen Wüstengebiete angepassten Tier- und Pflanzenarten entstanden. Auch neuartige Nutzungen prägen die Dünenwälder. „Unter den Hochspannungsleitungen im Dossenwald wurden die Wälder gerodet und es wurden dadurch genau die Heide- und Sandmagerrasenbiotope geschaffen. Hier brüten dank der Hochspannungsleitungen Heidelerche und Wiedehopf.“

Was meist verborgen bleibt

An den weiteren Stationen machte der Biologe und frühere Nabu-Landesvorsitzende Baumann für die Teilnehmer sichtbar, was dem ungeschulten Auge sonst meist verborgen bleibt: Pflanzen und Tiere, die unter Temperaturextremen überleben können und hier ihren ganz eigenen Lebensraum gefunden haben. „Der blanke Dünensand kann im Sommer bis zu 60 Grad heiß werden, speichert schlecht Wasser und ist nährstoffarm. Hier überleben nur Spezialisten: Hungerkünstler und Hitzetolerante. Diese Spezialisten brauchen aber auch genau solche Lebensbedingungen. Mit dem Steppenbienchen findet hier beispielsweise eine vom Aussterben bedrohte Wildbienenart ihren Lebensraum“, erklärte Baumann bei einem der zahlreichen Stopps auf der rund vierstündigen Tour.

Dabei machte er deutlich, warum es an bestimmten Stellen für den Naturschutz notwendig ist, dass der Wald historischen Kulturlandschaften weicht. „Wir brauchen wieder Schafe und Ziegen im Schutzgebiet, denn sie sind die Gestalter der Artenvielfalt. Für Tiere in der Landschaft brauchen wir Akzeptanz in der Bevölkerung und wir brauchen aber auch feste Weidezäune, weil in der Vergangenheit unbelehrbare Hundebesitzer ihre Hunde auf Schafe losgelassen hatten“, so Baumann.

Irritationen in der Bevölkerung

Öffentlichkeitsarbeit braucht es auch bei anderen Naturschutzmaßnahmen. So komme es immer wieder zu Irritationen in der Bevölkerung, wenn aus naturschutzfachlicher Sicht Baumfällungen durchgeführt werden. „Lebensader Oberrhein“ heißt das Nabu-Projekt, das derzeit auch im Naturschutzgebiet Hirschackerwald in Zusammenarbeit mit der Naturschutzverwaltung durchgeführt wird (wir berichteten mehrfach). „Unser Hirschackerwald spielt in der Bundesliga der deutschen Naturgebiete. Hier werden Kulturlandschaften wiederhergestellt, die eine unglaubliche Artenfülle beherbergen. Es ist wichtig, dass wir unser Kleinod schützen“, sagte der Schwetzinger Landtagsabgeordnete Manfred Kern.

Die Mannheimer Landtagsabgeordnete Elke Zimmer war begeistert, welche Kostbarkeiten sich in unserer teilweise so unscheinbar daherkommenden heimischen Natur verbergen und sah es auch als ihre Aufgabe an, dafür Sorge zu tragen, dass diese erhalten und geschützt werden: „Es ist auf jeden Fall angekommen, dass auch von städtischer Seite noch mehr getan werden kann, um den Biotopverbund an dieser Stelle weiter auszubauen und Trittsteine für die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu schaffen. Besonders freut es mich aber, dass die Rekordsumme von 90 Millionen Euro, die das Land Baden-Württemberg für den Naturschutz ausgibt, auch hier in der Metropolregion ankommen und zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.“

„Wie kein anderes Land in Deutschland schützt Baden-Württemberg sein kulturelles und natürliches Erbe“, ergänzte Baumann. zg

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