Schwetzingen

Talk aus der Wollfabrik Experten diskutieren über Thema Sicherheit in Corona-Zeiten

„Wir haben alle viel gelernt“

Die allgemeine Sicherheit und öffentliche Ordnung in Krisenzeiten – das war das Thema des zwölften Talks aus der Wollfabrik. Und zwar mit vier interessanten Gästen mit unterschiedlichen Blickwinkeln: dem Ersten Bürgermeister der Stadt Schwetzingen Matthias Steffan, dem Mannheimer Polizeipräsidenten Andreas Stenger, dem Datenschutzbeauftragten der Metropolregion Rhein-Neckar und Geschäftsführer der dacuro GmbH in Walldorf, Thomas Stegemann, sowie dem leitenden Chefredakteur des Fachmagazins „Spektrum der Wissenschaft“ aus Heidelberg, Dr. Daniel Lingenhöhl.

Absolut einig waren sich die vier Protagonisten, was den Sinn und die Notwendigkeit der Corona-App betrifft. Ein Herunterladen sei unbedingt zu empfehlen: „Die App kann Menschenleben und Erkrankungen verhindern“, meinte Bürgermeister Steffan und auch Datenschutzexperte Stegemann hat keine Bedenken: „Aus unserer Sicht spricht nichts dagegen, die App zu installieren.“

Besonders interessant war der Einblick ins durch Corona völlig veränderte Polizei-Arbeitsleben, den Andreas Stenger gab. „Die Kriminalitätszahlen sind völlig eingebrochen“, erzählte er und betonte, dass die Polizei es gewohnt sei, schnell und flexibel auf Lageveränderungen zu reagieren: „Die Bereiche, die nichts zu tun hatten, sind dann eben wieder Streife gefahren.“ Und alle getragen von dem Willen, die Maßnahmen bestmöglich umzusetzen: „Da waren wir sehr motiviert, das war unser Auftrag.“ Anfangs seien die Beamten draußen als Freund und Helfer gern gesehen worden, inzwischen sei die Situation wieder schwieriger.

Blick auf Stuttgarter Vorfälle

Und da war der Bogen zu den Vorfällen in Stuttgart schnell gespannt. Die Ursache sei schwer auszumachen: „Da kommt vieles zusammen und entlädt sich.“ Gruppendynamik und fehlende Perspektive spielten da nach Meinung von Daniel Lingenhöhl eine Rolle, auch die Corona-bedingten Vorschriften und die Geschehnisse in den USA. Wie so etwas zu verhindern sei, darüber machen sich Verantwortliche immer schon Gedanken: „Man muss solche jungen Männer in die Gesellschaft zurückholen und sie integrieren.“ Wichtig sei da grundsätzlich Prävention, den Dialog suchen. Letzteres gelte auch für solche Polizeieinsätze wie in Stuttgart: „Man muss differenziert, deeskalierend und verhältnismäßig vorgehen – eher kommunikativ als mit Zwang.“ Und die Straftäter konsequent verfolgen und zur Verantwortung ziehen: „Das ist die beste Generalprävention.“ Videoüberwachung als Lösung befürwortet Thomas Stegemann übrigens nicht: „Videokameras verhindern in den seltensten Fällen Straftaten.“

Wie sehen die vier Experten eine mögliche zweite Welle im Herbst? Laut Dr. Lingenhöhl bestehe die Gefahr. Er hofft auf einen Impfstoff Ende des Jahres, auch wenn er nicht sofort für die ganze Bevölkerung zur Verfügung stehe. Bürgermeister Steffan sieht einer mögliche zweiten Corona-Welle gelassen entgegen: „Wir haben alle in den letzten vier Monaten viel gelernt – auch die Menschen draußen.“ Und Thomas Stegemann glaubt, dass es dann strukturierte ablaufen würde: „Das wird nicht so panisch.“ ali

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