Schwetzingen

Im Interview Tirol ist Risikogebiet – wie geht es Hoteliers damit? / Familie Perauer vom „Zillertalerhof Alpine Hideaway“ über die aktuelle Situation, über Demut und Zuversicht

„Wir lassen uns vom Virus nicht entmutigen“

Archivartikel

Mayrhofen.Die Herbstferien stehen vor der Tür. Manchen zieht es raus an die See, die zur kühlen Jahreszeit einen besonderen Charme entwickelt. Andere gehen zum Wandern und Wellnessen in die Berge – durchschnaufen zwischen den ersten weiß gezuckerten Gipfeln und bunt gefärbten Wälder. Doch Auslandsreisepläne werden dieser Tage von der deutschen Regierung wieder ordentlich durcheinandergewirbelt – wegen Covid-19-Neuinfektionen. Luxemburg und Tschechien gelten als Risikogebiete, Teile der französischen Nachbarn und der Schweiz ebenso. Und in Österreich hat es nach Wien und dem Vorarlberg nun das Bundesland Tirol erwischt. Gerade die direkt an Deutschland grenzenden Alpenregionen Vorarlberg und Tirol sind bei deutschen Reisenden sehr beliebt.

Franz-Josef und Katharina Perauer trifft die Reisewarnung für deutsche Gäste wie viele Hoteliers in Tirol hart. Die beiden betreiben das innovative und stylische Viersterne-Superior-Designhotel „Zillertalerhof Alpine Hideaway“ in Mayrhofen im Zillertal. Hier verbindet das junge Paar Stil und Tradition mit einem weltoffenen Mindset. Familie Perauer hat sich auf die schwierige Situation, die das Corona-Virus nach sich zieht, in den vergangenen Monaten perfekt eingestellt. Sie tut alles zum Schutz der Gäste und Mitarbeiter, jedoch so, dass der Urlaub entspannt und erholsam vonstatten gehen kann. Ihre herzliche Zillertaler Gastfreundschaft lässt den Alltag und seine Sorgen schnell vergessen. Dadurch, dass Tirol nun zum Risikogebiet erklärt wurde, sind Perauers gezwungen, ihr Haus viel früher als geplant in die Herbstpause zu schicken – schon ab 4. Oktober. Die Stornierungswelle lässt ein wirtschaftliches Arbeiten in einer der Haupturlaubphasen nicht mehr zu. Mit 10. Dezember hoffen sie jedoch, die Wintersaison angehen zu können. Wir fragten bei Hotelchef Franz-Josef Perauer nach, wie sich die Situation für den „Zillertalerhof Alpine Hideaway“ derzeit darstellt.

Herr Perauer, was bedeutet die Reisewarnung für Tirol für Ihr Haus und Ihre Ferienregion?

Franz-Josef Perauer: Die Reisewarnung ist für uns natürlich alles andere als erfreulich und trifft uns mit voller Wucht, weil wir als Wellnesshotel mit umfangreichem Outdoor- und Beauty-Angebot speziell in den Herbstmonaten immer sehr gut gebucht sind. Unser Angebot reicht hier von geführten Wander- und E-Biketouren bis hin zu Genussabenden mit Wein- und Ginverkostungen und romantischen Spezialpaketen mit Candle-Light-Dinner, Kutschenfahrten und Private Spa. Dass wir in diesem Jahr die Saison nun aufgrund der Reisewarnung und den damit verbundenen Stornierungen sechs Wochen früher als geplant beenden, ist wirklich schade und auch nicht nachvollziehbar, da wir im gesamten Zillertal kaum Corona-Fälle hatten und es daher aus meiner Sicht de facto nicht nötig war. Allerdings muss man die Situation nun so annehmen und wir blicken mit vollem Elan und der nötigen Portion Optimismus nach vorne!

Wenn Sie auf dieses schwierige Jahr bislang zurückblicken, welche erste Bilanz müssen Sie ziehen?

Perauer: Zurückblickend kann man sagen, dass wir einen sehr gut gebuchten und vor allem auch mit wunderbaren Momenten ausgefüllten Sommer hatten. Wir schauen mit Dankbarkeit, Freude und – was unsere einzigartigen Mitarbeiter betrifft – auch mit eine großen Portion Stolz auf die letzten Monate zurück. Wir haben jeden einzelnen Tag, den wir mit so vielen begeisterten Menschen verbringen durften, noch intensiver genossen und haben wirklich bis in die letzte Faser unseres Gastgeber-Daseins von diesen Positivismus gezehrt. Es hat sich im gesamten Team eine Art Demut und Dankbarkeit breitgemacht und wir haben das volle Haus nie als selbstverständlich gesehen, sondern als erfreuliches Resultat unseres täglichen Einsatzes.

Mit Blick auf den Winter: Wie planen Sie – beziehungsweise: Können Sie überhaupt planen?

Perauer: Selbstverständlich planen wir, wenngleich wir natürlich in unterschiedlichen Szenarien denken müssen. Grundsätzlich aber werden wir den Weg, den wir im Sommer gewählt haben, weiterführen und weiterentwickeln. Das heißt in erster Linie: Safety first! Aber gleichzeitig auch: Absolute Service-Exzellenz! Alle möglichen Präventivmaßnahmen setzen, die möglich und sinnvoll sind, um ein höchstmögliches Maß an Sicherheit für unsere Gäste und Mitarbeitern zu schaffen. Aber eben auch in Bezug auf Service und Qualität keinerlei Kompromisse einzugehen, um jeden Gast, der zu uns kommt, einen unvergesslichen Aufenthalt zu bieten.

Warum ist ein Urlaub in Ihrem Haus eine besondere Auszeit vom Alltag?

Perauer: Der Grundpfeiler unsere Philosophie basiert darauf, unseren Gästen eine Auszeit vom Alltag zu ermöglichen, und zwar keine langweilige „Nichts-Tun-Auszeit“ sondern eine mit Sinn und Inhalten gefüllte „Me-Time“, um die körperlichen und geistigen Akkus wieder aufzuladen. Wir sind ein „Alpine Hideaway“, also ein alpiner Rückzugsort, und so bietet unser Haus viele Möglichkeiten, sich je nach Lust, Laune und Leidenschaft zu „verkriechen“ und sich in allen Richtungen verwöhnen zu lassen. Das kann bei einer wohltuenden Massage genauso zielführend sein wie bei einer unglaublich angenehmen und nachhaltigen Gesichtsbehandlung oder auch mit dem Lieblingsbuch bei einem schönen Glas Wein vor dem offenen Kamin.

Inwieweit haben Sie sich der derzeitigen Situation in Bezug auf Ihr Angebot angepasst?

Perauer: Wir haben unter dem Motto „Gib dem Virus keine Chance“ ein umfassendes Hygiene- und Maßnahmenkonzept erstellt mit 17 konkreten Maßnahmen, um unsere Gäste und unsere Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Und natürlich plädieren wir auch auf die Eigenverantwortung aller, mit der Situation respektvoll und achtsam umzugehen. Darüber hinaus haben wir auch unsere Buchungsmodalitäten angepasst und die Stornofristen deutlich reduziert sowie auch sehr moderate Bedingungen in Bezug auf bereits gebuchte Aufenthalte oder geleistete Anzahlungen. Das ist in einer so speziellen Situation allerdings mehr als angemessen und wird darf von unseren Gästen jedenfalls auch erwartet werden. Aber grundsätzlich geht es unseren Gästen in erster Linie natürlich nicht darum, eine Corona-freie Zeit bei uns zu verbringen. Das ist die Voraussetzung, aber noch lange kein Buchungsgrund. Warum Gäste zu uns kommen ist, weil sie einzigartige Momente mit ihren Liebsten erleben wollen und um genussvolle Tage sowie körperliche und geistige Regeneration zu erfahren. Und so lassen wir uns vom Virus nicht entmutigen und haben natürlich erstklassige Wohlfühl-, Romantik- und Outdoor-Pakete geschnürt, die unserer „Alpine Hideaway“-Philosophie jedenfalls gerecht werden und die Menschen eine einzigartige Auszeit vom Alltag ermöglichen.

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